Mathias Ellmann
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Der Sepp · Geschichte 19 von 20

Der Sepp mit der Smartwatch

*

Oder: Warum sagt mir jetzt meine Uhr, dass i aufstehen soll?

9 Min. Lesezeit·Mathias Ellmann
HumorSmartwatchTechnik
Der Sepp betrachtet in einer warmen Stube seine Smartwatch am Handgelenk.
Alle 20 Geschichten
  1. 01Der Sepp beim HYROX
  2. 02Der Sepp beim Kitesurfen
  3. 03Der Sepp beim Yoga
  4. 04Der Sepp im Ballettkurs
  5. 05Der Sepp im Salsa-Kurs
  6. 06Der Sepp im Bachata-Kurs
  7. 07Der Sepp beim Bachata Sensual
  8. 08Der Sepp lernt des Ballett-Bewegungslexikon
  9. 09Der Sepp im ersten Fitnesskurs
  10. 10Der Sepp bei der Meditation
  11. 11Der Sepp beim Skifahren
  12. 12Der Sepp beim Snowboarden
  13. 13Der Sepp bei Pilates
  14. 14Der Sepp in Hamburg
  15. 15Der Sepp in Berlin
  16. 16Der Sepp in Köln
  17. 17Der Sepp im Elektroauto
  18. 18Der Sepp mit dem Smartphone
  19. 19Der Sepp mit der Smartwatch
  20. 20Der Sepp im Smart Home

„Also“, sagt da Sepp beim Sonntagskaffee, „i hab jetzt eine Uhr, die mit mir redet.“

Onkel Franz legt die Zeitung weg.

„Eine Kuckucksuhr?“

„Na.“

„Dann wird’s kompliziert.“

Sepp hält sein Handgelenk hoch.

„Smartwatch.“

Seine Schwester schaut hin.

„Schick.“

„Ja.“

„Neu?“

„Seit drei Tagen.“

„Und?“

Sepp betrachtet die Uhr.

„Sie mischt sich ein.“

Der Tisch lacht.

„In was?“

„In mein Leben.“

„Wie das?“

„Die sagt mir, wann i aufstehen soll.“

„Na und?“

Sepp schaut empört.

„I bin dreiundsiebzig.“

Kurze Pause

„Seit wann brauch i die Erlaubnis von einer Uhr, um aufzustehen?“

Gelächter.

„Das ist eine Bewegungserinnerung.“

„I weiß.“

„Wenn du zu lange sitzt.“

„Ja.“

„Dann erinnert sie dich.“

Sepp hebt den Finger.

„Aber woher weiß die, dass i sitz?“

„Sensoren.“

„Welche Sensoren?“

„Beschleunigungssensor.“

„Aha.“

„Gyroskop.“

Sepp wird still.

„Was macht ein Gyroskop in meiner Uhr?“

„Es erkennt Bewegung.“

„Früher hat eine Uhr die Zeit erkannt.“

Der Tisch lacht.

„Fortschritt.“

„Früher hat’s gereicht, wenn eine Uhr wusste, wie spät es is.“

„Und jetzt?“

„Jetzt weiß sie offenbar auch, ob i faul bin.“

Gelächter.

„Was hat sie denn gesagt?“

Sepp schaut auf sein Handgelenk.

„Gestern Nachmittag.“

„Ja.“

„I sitz gemütlich im Sessel.“

„Ja.“

„Kaffee.“

„Ja.“

„Zeitung.“

„Ja.“

„Alles in Ordnung.“

„Ja.“

„Plötzlich vibriert’s.“

„Die Uhr.“

„Natürlich die Uhr.“

„Und?“

„Da steht: Zeit aufzustehen.“

Onkel Franz grinst.

„Warst du schon lange gesessen?“

„Vierzig Minuten.“

„Dann steh halt kurz auf.“

Sepp schaut ihn streng an.

„Franz.“

„Was?“

„I hatte gerade die Sportseite.“

Der Tisch lacht.

„Dann bist aufgestanden?“

„Na.“

„Warum nicht?“

„Weil i nicht möchte, dass sich Technik zu viel herausnimmt.“

„Und dann?“

„Zehn Minuten später wieder.“

„Nochmal?“

„Vibration.“

Sepp imitiert die Uhr.

„Bewegen.“

„Und?“

„I hab sie ignoriert.“

„Dann?“

„Noch später steht da: Bewegungsziel noch nicht erreicht.“

Kurze Pause

Sepp schaut in die Runde.

„Da hab i mich persönlich angegriffen gefühlt.“

Gelächter.

„Aber Schritte zählen findest du doch interessant.“

„Des war am Anfang auch schön.“

„Wie viele hast du?“

„Gestern 8432.“

„Nicht schlecht.“

Sepp nickt stolz.

„Sag i auch.“

„Ziel sind wahrscheinlich zehntausend.“

„Ja.“

„Dann fehlen noch 1568.“

Sepp schaut zu Onkel Franz.

„Des weiß die Uhr auch.“

„Natürlich.“

„Und sie erinnert mich.“

„Praktisch.“

„Abends um halb zehn.“

Der Tisch lacht.

„Was hast gemacht?“

„I bin durchs Wohnzimmer marschiert.“

„Wirklich?“

„Freili.“

„Nur für die Schritte?“

„I wollte nicht, dass die Uhr gewinnt.“

Gelächter.

„Wie lange?“

„Zwölf Minuten.“

„Und?“

„9987.“

„Da haben noch dreizehn gefehlt.“

Sepp lehnt sich vor.

„Genau.“

„Dann?“

„I bin noch einmal in die Küche und zurück.“

„Und?“

„10014.“

Sepp lächelt zufrieden.

„Dann kam ein Feuerwerk auf dem Display.“

Der Tisch lacht.

„Hat sich gut angefühlt?“

Sepp zögert.

„Schon.“

„Siehst du.“

„Aber i find’s bedenklich, wenn mich ein Kreis auf einer Uhr glücklicher macht als mein eigener Verstand.“

Gelächter.

„Die Uhr misst doch auch Puls.“

„Ja.“

„Interessant, oder?“

„Sehr.“

Sepp tippt auf sein Handgelenk.

„Jetzt 72.“

„Normal.“

„Vorhin 68.“

„Auch normal.“

„Beim Treppensteigen 104.“

„Auch normal.“

Sepp schaut beeindruckt.

„Die zählt wirklich jeden Herzschlag.“

„Ungefähr.“

„Tag und Nacht?“

„Ja.“

„Das sind viele.“

„Allerdings.“

Sepp wird nachdenklich.

„Früher hab i nie gewusst, wie oft mein Herz schlägt.“

„Musste man auch nicht.“

„Jetzt weiß i’s.“

„Und?“

„Jetzt schau i nach.“

„Wie oft?“

Kurze Pause

„Zu oft.“

Der Tisch lacht.

„Heute früh war er bei 61.“

„Gut.“

„Dann hab i Kaffee getrunken.“

„Ja.“

„74.“

„Kann sein.“

„Dann kam eine Nachricht vom Franz.“

„Und?“

„81.“

Gelächter.

Onkel Franz hebt die Hände.

„Ich kann nichts dafür.“

„Die Daten sind eindeutig.“

Der Tisch lacht.

„Die Uhr misst doch bestimmt auch Stress.“

Sepp wird sofort ernst.

„Des ist das Unverschämteste.“

„Warum?“

„Gestern steh i im Baumarkt.“

„Ja.“

„Such eine Schraube.“

„Ja.“

„Ganz bestimmte.“

„Ja.“

„M6, Edelstahl, Senkkopf.“

„Verstanden.“

„I find sie nicht.“

„Und?“

„Uhr vibriert.“

„Was sagt sie?“

Sepp schaut empört.

„Hoher Stress erkannt.“

Der Tisch lacht.

„Hat sie doch recht.“

„Des weiß i selber!“

Gelächter.

„Dann sagt sie: Atemübung starten?“

„Praktisch.“

„I steh zwischen Dübeln und Schrauben und soll plötzlich bewusst atmen.“

„Hat’s geholfen?“

Sepp schweigt.

„Sepp?“

„Ein bisschen.“

Gelächter.

„Wie geht so eine Atemübung?“

„Die Uhr zeigt, wann i einatmen soll.“

„Ja.“

„Dann ausatmen.“

„Ja.“

„Langsam.“

„Ja.“

„Eine Minute.“

„Und?“

Sepp nickt widerwillig.

„Danach hab i die Schrauben gefunden.“

„Siehst du.“

„Zufall.“

„Natürlich.“

„Aber gespeichert hab i die Übung trotzdem.“

Der Tisch lacht.

„Schlaf misst sie auch, oder?“

Sepp verzieht das Gesicht.

„Ja.“

„Wie schläfst du?“

„Offenbar schlechter, als i gedacht hab.“

„Warum?“

„Die Uhr gibt Punkte.“

„Schlafscore.“

„Genau.“

„Wie viel?“

Sepp schweigt.

Onkel Franz grinst.

„Na?“

„67.“

„Von hundert?“

„Ja.“

„Nicht optimal.“

Sepp hebt die Hand.

„I hab geschlafen.“

„Ja.“

„Sieben Stunden.“

„Ja.“

„I bin aufgewacht.“

„Ja.“

„Mir ging’s gut.“

„Ja.“

„Dann schau i auf die Uhr.“

„Und?“

„67.“

Kurze Pause

„Seitdem bin i müde.“

Der Tisch lacht laut.

„Was bemängelt sie denn?“

„Zu wenig Tiefschlaf.“

„Aha.“

„Woher weiß eine Uhr, ob i tief schlafe?“

„Bewegung, Puls, vielleicht Sauerstoffwerte.“

„Also schätzt sie.“

„Ja.“

Sepp nickt.

„Das beruhigt mich.“

„Warum?“

„Dann kann sie sich auch irren.“

Gelächter.

„Und wenn du nachts wach wirst?“

„Zeigt sie.“

„Wie oft?“

„Viermal.“

„Wusstest du das?“

„Na.“

„Dann warst du wahrscheinlich nur kurz wach.“

Sepp schaut misstrauisch auf die Uhr.

„Jetzt weiß i’s halt.“

„Ist doch interessant.“

„Franz.“

„Ja?“

„Es gibt Informationen, die machen das Leben nicht besser.“

Der Tisch lacht.

„Zum Beispiel?“

„Dass i um 3:17 Uhr sechs Minuten wach war.“

„Stimmt.“

„Was mach i mit der Information?“

„Nichts.“

„Eben.“

„Kannst sie ignorieren.“

„Dann brauch i die Messung aber auch nicht.“

Kurze Pause

„Trotzdem schau i morgen wieder.“

Gelächter.

„Trainingsaufzeichnung hast du auch?“

„Ja.“

„Gehen, Laufen, Radfahren.“

„Alles.“

„Schon probiert?“

„Spaziergang.“

„Und?“

„I geh aus dem Haus.“

„Ja.“

„Nach zehn Minuten vibriert’s.“

„Automatische Trainingserkennung.“

„Da steht: Spaziergang erkannt.“

„Praktisch.“

Sepp hebt beide Hände.

„I war dabei.“

Der Tisch lacht.

„Du musst dann bestätigen.“

„Genau.“

„Und danach zeichnet sie Strecke, Zeit, Puls auf.“

„Ja.“

„Kilometer.“

„Ja.“

„Kalorien.“

„Ja.“

„Tempo.“

„Ja.“

Sepp schaut irritiert.

„Dann stand da: Durchschnittstempo 12 Minuten 34 pro Kilometer.“

„Und?“

„I hab sofort schneller gemacht.“

Gelächter.

„Warum?“

„Weil i nicht wusste, ob des gut is.“

„Für Gehen völlig okay.“

„Das sagt mir keiner.“

„Die Uhr vielleicht.“

„Na.“

Sepp schüttelt den Kopf.

„Die liefert Daten, aber keine Seelsorge.“

Der Tisch lacht.

„Kalorien fandest du bestimmt interessant.“

Sepp lächelt.

„Sehr.“

„Wie viele?“

„238.“

„Beim Spaziergang?“

„Ja.“

„Und?“

„Danach hab i einen Kuchen gegessen.“

Gelächter.

„Warum?“

„I hatte ja 238 frei.“

„So funktioniert das nicht ganz.“

Sepp schaut ihn an.

„Dann soll die Uhr nicht mit Kalorien anfangen.“

Der Tisch lacht.

„Und Treppen?“

„Zählt sie.“

„Etagen?“

„Ja.“

„Wie viele gestern?“

„Elf.“

„Gut.“

Sepp schüttelt den Kopf.

„Das Problem ist, jetzt nehm i manchmal absichtlich die Treppe.“

„Das ist doch gut.“

„I weiß.“

„Wo ist das Problem?“

„Früher bin i die Treppe gegangen, weil i irgendwo hin musste.“

„Ja.“

„Jetzt geh i hoch, damit die Uhr zufrieden is.“

Gelächter.

„Sie motiviert dich.“

„Sie manipuliert mich.“

„Positiv.“

„Manipulation bleibt Manipulation.“

Der Tisch lacht.

„Benachrichtigungen bekommst du auch drauf?“

Sepp seufzt.

„Leider.“

„Nachrichten?“

„Ja.“

„Anrufe?“

„Ja.“

„Kalender?“

„Ja.“

„Wetter?“

„Ja.“

„Praktisch.“

„Franz.“

„Was?“

„I hab extra beim Smartphone vieles ausgeschaltet.“

„Ja.“

„Jetzt kommt’s am Handgelenk wieder rein.“

Gelächter.

„Du kannst das auch einstellen.“

„Hab i.“

„Was bleibt?“

„Anrufe.“

„Gut.“

„Kalender.“

„Gut.“

„Und Nachrichten von der Familie.“

„Vernünftig.“

Kurze Pause

„Den Franz hab i stumm.“

Der Tisch lacht.

Onkel Franz schaut empört.

„Warum mich?“

„Puls.“

Gelächter.

„Kann man mit der Uhr auch telefonieren?“

„Ja.“

„Schon gemacht?“

Sepp wird still.

„Einmal.“

„Und?“

„Komisch.“

„Warum?“

Sepp hält sein Handgelenk vor den Mund.

„Weil i ausseh wie ein Geheimagent, der seine eigene Jacke verhört.“

Der Tisch lacht.

„Aber funktioniert.“

„Ja.“

„Ton gut?“

„Überraschend.“

„Dann praktisch.“

„Bis im Supermarkt jemand fragt, ob alles in Ordnung is.“

Gelächter.

„Was war?“

„I steh bei den Äpfeln und sag zum Handgelenk: ‚Ja, i bring Milch mit.‘“

„Und?“

„Eine Frau schaut mich an, als hätt i eine unsichtbare Person dabei.“

Der Tisch lacht.

„Zahlst du schon mit der Uhr?“

Sepp hebt die Augenbrauen.

„Probiert.“

„Und?“

„Noch seltsamer als mit dem Handy.“

„Einfach Uhr ans Terminal.“

„Ja.“

„Bestätigen.“

„Ja.“

„Fertig.“

„Genau.“

Sepp macht eine Pause.

„I kauf Semmeln.“

„Ja.“

„Halte mein Handgelenk hin.“

„Ja.“

„Pieps.“

„Ja.“

„Bezahlt.“

„Ja.“

Sepp schaut in die Runde.

„Früher brauchte man dafür Geld.“

„Heute auch.“

„I seh’s bloß nicht mehr.“

„Digital.“

„Das Wort macht Geld auch nicht sichtbarer.“

Der Tisch lacht.

„Aber praktisch ist es.“

Sepp nickt.

„Sehr.“

„Dann gefällt dir die Uhr doch.“

„Langsam.“

„Was noch?“

„Sie erinnert mich ans Trinken.“

„Auch gut.“

Sepp schaut misstrauisch.

„Wasser.“

„Natürlich.“

„Das sollte man dazusagen.“

Gelächter.

„Wie oft?“

„Wenn i zu wenig eingetragen hab.“

„Du musst also trinken und eintragen.“

„Genau.“

„Machst du das?“

„Am ersten Tag.“

„Und jetzt?“

„Jetzt trink i einfach.“

Der Tisch lacht.

„Dann weiß die Uhr aber nicht, wie viel.“

„Das muss sie auch nicht.“

„Aber dann fehlen Daten.“

Sepp schaut Onkel Franz lange an.

„Franz.“

„Ja?“

„Man kann auch leben, ohne alles zu dokumentieren.“

Kurze Pause

„Hat jahrtausendelang funktioniert.“

Der Tisch lacht.

„Was ist mit dem Akku?“

Sepp verdreht die Augen.

„Endlich.“

„Was?“

„Eine Uhr, die man aufladen muss.“

„Smartwatch.“

„Meine alte Uhr lief fünf Jahre.“

„Batterie.“

„Genau.“

„Und die hier?“

„Zwei Tage.“

„Je nach Modell.“

„Zwei Tage.“

Sepp hebt zwei Finger.

„Eine Uhr.“

„Ja.“

„Die Zeit anzeigen soll.“

„Und sehr viel mehr.“

„Aber wenn i sie nicht lade, zeigt sie gar nix.“

„Richtig.“

Sepp schüttelt den Kopf.

„Technischer Fortschritt ist manchmal sehr selbstbewusst.“

Gelächter.

„Schon vergessen zu laden?“

„Gestern.“

„Und?“

„Morgens 8 Prozent.“

„Knapp.“

„Dann Panik.“

„Warum Panik?“

Sepp schaut ihn an.

„Weil i plötzlich nicht wusste, wie ich ohne Pulswert frühstücken soll.“

Der Tisch lacht.

„Du gewöhnst dich dran.“

„Genau das macht mir Sorgen.“

„Wie schnell lädt sie?“

„Eine Stunde ungefähr.“

„Geht doch.“

„Ja.“

„Dann während du duschst.“

Sepp hält inne.

„Dusche.“

„Was?“

„Wasserfest.“

„Ja.“

„Hab ich gelesen.“

„Dann kannst sie sogar tragen.“

Sepp schüttelt entschieden den Kopf.

„Na.“

„Warum nicht?“

„Es gibt Grenzen.“

„Welche?“

„Meine Uhr muss nicht wissen, wann i dusche.“

Gelächter.

„Aber Schwimmen zeichnet sie auch auf.“

Sepp schaut sofort auf.

„Des hab i gesehen.“

„Bahnen.“

„Ja.“

„Distanz.“

„Ja.“

„Puls.“

„Ja.“

„Kalorien.“

„Ja.“

Sepp nickt langsam.

„Beim Schwimmen könnt’s interessant sein.“

„Siehst du.“

„Aber wenn sie irgendwann sagt, wie oft i beim Duschen die Seife fallen lass, kommt sie weg.“

Der Tisch lacht.

„Sturzerkennung hat sie vielleicht auch.“

Sepp wird neugierig.

„Was macht die?“

„Wenn du stark stürzt, kann sie fragen, ob alles okay ist.“

„Und wenn nicht?“

„Dann kann sie je nach Einstellung Hilfe rufen.“

Sepp wird ernst.

„Das ist gut.“

„Sehr.“

„Des find i sinnvoll.“

„Siehst du.“

„Da sag i nix.“

Kurze Pause

„Außer sie ruft den Franz.“

Gelächter.

„Warum nicht mich?“

„Weil du erst fragst, wie’s passiert ist.“

Der Tisch lacht.

„Und Gesundheitswarnungen?“

„Was meinst du?“

„Ungewöhnlich hoher Puls.“

„Hat sie.“

„Niedriger Puls.“

„Auch.“

„Unregelmäßiger Rhythmus.“

„Kann sie anzeigen.“

Sepp schaut auf die Uhr.

„Des ist schon erstaunlich.“

„Ja.“

„So klein.“

„Ja.“

„Und merkt so viel.“

„Genau.“

Sepp wird kurz nachdenklich.

„Eigentlich gut.“

„Also überzeugst du dich langsam.“

„I sag ja nicht, dass sie schlecht is.“

„Nur?“

„Sie ist sehr aufmerksam.“

„Das ist ihr Zweck.“

„Meine Frau ist auch aufmerksam.“

Der Tisch lacht.

„Aber die muss i wenigstens nicht alle zwei Tage laden.“

Gelächter.

„Was war denn heute Morgen?“

Sepp grinst.

„Heute war interessant.“

„Warum?“

„Die Uhr sagt: Schlafscore 82.“

„Sehr gut.“

„Puls 63.“

„Gut.“

„Erholung gut.“

„Sehr gut.“

„Wetter trocken.“

„Perfekt.“

„Bewegungsziel noch null.“

„Logisch, gerade aufgestanden.“

„Genau.“

„Und?“

„I geh in die Küche.“

„Ja.“

„Kaffee.“

„Ja.“

„Setz mich hin.“

„Ja.“

„Nach einer Stunde vibriert sie.“

Onkel Franz beginnt zu lachen.

„Zeit aufzustehen.“

Sepp nickt.

„Genau.“

„Und diesmal?“

„Bin i aufgestanden.“

„Siehst du.“

„Bin zum Kühlschrank.“

„Und?“

„Hab mir ein Stück Kuchen geholt.“

Der Tisch lacht.

„Dann hat die Uhr doch ihr Ziel erreicht.“

Sepp lächelt.

„Und i meins.“

Gelächter.

„Behältst sie?“

Sepp schaut lange auf sein Handgelenk.

„Ja.“

„Echt?“

„Ja.“

„Warum?“

„Sie zählt meine Schritte.“

„Ja.“

„Sie misst meinen Puls.“

„Ja.“

„Sie erinnert mich an Termine.“

„Ja.“

„Sie zeigt mir das Wetter.“

„Ja.“

„Sie merkt, wenn i mich zu wenig bewege.“

„Genau.“

„Und im Notfall kann sie Hilfe holen.“

„Richtig.“

Sepp nickt.

„Das ist schon gescheit.“

„Na also.“

Kurze Pause

Die Uhr vibriert.

Sepp schaut hin.

Alle warten.

„Was sagt sie?“

Sepp liest.

Dann schaut er zum Tisch.

„Stress erhöht.“

Onkel Franz lacht.

„Wegen uns?“

Sepp steht auf.

„Na.“

„Warum dann?“

Er nimmt seine Kaffeetasse.

„Weil die Uhr seit einer Stunde zuhört.“

Der Sepp sagt: Freili.
Aber eins nach’m andern.