„Also“, sagt da Sepp beim Sonntagskaffee, „i war in Berlin.“
Da Onkel Franz legt die Zeitung weg.
„Berlin?“
„Ja.“
„Bundeshauptstadt.“
„Des hab i gemerkt.“
„Woran?“
Sepp nimmt einen Schluck Kaffee.
„Weil überall jemand wichtig ausschaut.“
Seine Schwester lacht.
„Wie meinst du das?“
„Anzug. Aktentasche. Handy am Ohr. Schneller Schritt.“
„Und?“
„I bin einmal fünf Minuten hinter einem hergelaufen, weil i gedacht hab, der weiß bestimmt, wo’s hingeht.“
„Hat er’s gewusst?“
„Na.“
„Der hat telefoniert.“
Onkel Franz lacht.
„Also. I komm am Hauptbahnhof an.“
„Groß.“
„Groß?“
Sepp hebt beide Hände.
„Des is kein Bahnhof. Des is a mehrstöckiges Verkehrsrätsel.“
„So schlimm?“
„I steig aus dem Zug und will raus.“
„Ja.“
„Dann seh i Rolltreppen.“
„Ja.“
„Nach oben. Nach unten. Noch weiter nach unten.“
Er zählt an den Fingern ab.
„S-Bahn. U-Bahn. Regionalbahn. Fernbahn.“
„Und Geschäfte.“
„Freili.“
Sepp lehnt sich vor.
„I hab irgendwann geglaubt, i bin in einem Einkaufszentrum, das zufällig Züge hält.“
Gelächter.
„Hast rausgefunden?“
„Nach einer Weile.“
„Wie?“
„I bin einfach Leuten mit Koffern hinterher.“
„Clever.“
„Na.“
„Die sind wieder zu einem Zug.“
Der Tisch lacht.
„Dann endlich draußen.“
„Und?“
„Berlin.“
„Was heißt das?“
Sepp denkt nach.
„Breit.“
„Breit?“
„Straßen breit. Plätze breit. Himmel breit.“
„Himmel?“
„Ja.“
Da Sepp schaut aus dem Fenster.
„In Bayern steht immer irgendwo ein Berg im Weg. In Berlin schaut die Stadt einfach weiter.“
„Und wo bist zuerst hin?“
„Brandenburger Tor.“
„Klassiker.“
„Freili.“
„Zu Fuß?“
„Natürlich.“
Seine Schwester hebt eine Augenbraue.
„Vom Hauptbahnhof?“
„Ja.“
„Geht doch.“
„Hab i aa gedacht.“
„Dann hab i gemerkt, in Berlin ist ‚geht doch‘ eine Entfernungsangabe.“
Gelächter.
„I lauf also Richtung Tor.“
„Und?“
„Unterwegs überall Fahrräder.“
„Viele.“
„Sehr viele.“
Sepp hebt warnend den Finger.
„Und schnell.“
„Radwege.“
„Ja.“
„Man soll nicht drauf laufen.“
„Des weiß i jetzt.“
Seine Schwester lacht.
„Was ist passiert?“
„I schau nach links.“
„Ja.“
„Nix.“
„Nach rechts?“
„Nix.“
„Und dann?“
„Klingeling.“
„Direkt hinter mir.“
„Radfahrer.“
„Freili.“
Sepp schaut empört.
„Der Mann sagt: ‚Radweg!‘“
„Warst du drauf?“
„Offenbar.“
„Und du?“
„I sag: ‚Dann malens doch an Zaun drum!‘“
Onkel Franz prustet los.
„Hat er was gesagt?“
„Na.“
„Berlin.“
„Genau.“
Sepp nickt.
„Die reden dort sehr effizient.“
„Wie in Hamburg?“
„Anders.“
„Was ist der Unterschied?“
„In Hamburg sagt einer ‚Moin‘ und du weißt ned genau, was er meint.“
„In Berlin weißt du’s meistens.“
Der Tisch lacht.
„Dann steh i vorm Brandenburger Tor.“
„Beeindruckend?“
„Schon.“
„Viele Leute?“
„Sehr viele.“
„Fotos?“
„Überall.“
„Und du?“
„Natürlich auch.“
Sepp richtet imaginär seine Kamera.
„I stell mich hin, Hut auf, Karte in der Hand.“
„Tourist.“
„I war Tourist.“
„Hat man gesehen.“
„Franz.“
„Schon gut.“
„Dann bitt i eine Frau: ‚Entschuldigung, könnten S’ vielleicht schnell a Foto machen?‘“
„Und?“
„Sie sagt: ‚Klar.‘“
„Nett.“
„Sehr.“
„Foto gut?“
Sepp schweigt.
„Sepp?“
„Sie hat ungefähr vierzig gemacht.“
„Dann war doch eins dabei.“
„Ja.“
„Problem?“
„Auf siebenunddreißig schau i grad, wie i frag, ob’s schon fertig is.“
Gelächter.
„Dann geh i weiter.“
„Reichstag?“
„Freili.“
„Kuppel?“
„Von außen.“
„Nicht reserviert?“
Da Sepp schaut beleidigt.
„Muss man des vorher wissen?“
„Ja.“
„Des sagt einem ja keiner.“
„Steht überall.“
„Wo?“
„Im Internet.“
Sepp schüttelt den Kopf.
„Früher ist man zu einem Gebäude hingegangen und hat geschaut, ob die Tür offen is.“
„Früher warst du auch jünger.“
„Des hat mit der Kuppel nix zu tun.“
Gelächter.
„Dann seh i diese ganzen Regierungsgebäude.“
„Bundestag.“
„Kanzleramt.“
„Spree.“
„Genau.“
Sepp nickt.
„Alles sehr ordentlich.“
„Und?“
„Dann zehn Minuten weiter Graffiti.“
„Berlin.“
„Dann wieder ein Museum.“
„Berlin.“
„Dann ein Bauzaun.“
„Auch Berlin.“
Da Sepp schaut in die Runde.
„I hab irgendwann verstanden: Die Stadt wechselt ungefähr alle dreihundert Meter das Thema.“
Seine Mutter lächelt.
„Wo ging’s danach hin?“
„Alexanderplatz.“
„Mit der S-Bahn?“
„Ja.“
„Hat geklappt?“
Sepp macht eine Pause.
„Im Prinzip.“
„Was heißt im Prinzip?“
„I hab eine Fahrkarte gekauft.“
„Gut.“
„Dann steht da AB.“
„Tarifzonen.“
„Ja.“
„Und?“
„I frag mich, warum eine Stadt plötzlich Schulnoten verkauft.“
Gelächter.
„Berlin A und B.“
„Des weiß i jetzt.“
„Entwertet?“
Sepp wird still.
„Was?“
Seine Schwester grinst.
„Die Fahrkarte.“
„Natürlich hab i sie bezahlt.“
„Das war nicht die Frage.“
„Muss ma die noch entwerten?“
„Je nach Ticketart.“
Da Sepp schaut empört.
„Wenn i etwas bezahlt hab, möcht i ned noch beweisen müssen, dass i’s benutzen will.“
Onkel Franz lacht.
„Dann kommt die S-Bahn.“
„Richtige Richtung?“
„Zuerst ned.“
„Wie hast gemerkt?“
„Weil auf einmal alles anders hieß.“
„Dann umgestiegen?“
„Ja.“
„Und endlich Alexanderplatz.“
„Genau.“
Sepp lehnt sich zurück.
„Und da steht dieser Fernsehturm.“
„Groß.“
„Sehr groß.“
„Warst oben?“
„Freili.“
„Wie war’s?“
„Man sieht alles.“
„Berlin.“
„Mehr.“
„Mehr als Berlin?“
„Gefühlt Brandenburg gleich mit.“
Gelächter.
„Dann dreht sich da oben doch auch was?“
„Das Restaurant.“
„Ja.“
Sepp schaut misstrauisch.
„I sitz da beim Kaffee und denk: Des Brandenburger Tor war doch grad noch links.“
„Weil sich das Restaurant dreht.“
„Des hab i gemerkt.“
„Schwindelig?“
„Na.“
„Bloß mein Orientierungssinn hat gekündigt.“
Der Tisch lacht.
„I sag zur Bedienung: ‚Entschuldigung, wo is jetzt Westen?‘“
„Und?“
„Sie sagt: ‚Kommt gleich wieder vorbei.‘“
Onkel Franz schlägt auf den Tisch.
„Des is gut.“
„Ja.“
Sepp nickt anerkennend.
„Des war Berliner Präzision.“
„Dann Essen?“
„Currywurst.“
„Natürlich.“
„I wollt wissen, was dran is.“
„Und?“
„Wurst.“
„Ja.“
„Soße.“
„Ja.“
„Curry.“
„Ja.“
Sepp wartet.
„Und?“
„Gut.“
„Mehr nicht?“
„Was soll i sagen?“
„Berlin schwört drauf.“
„Kann Berlin gern.“
„I schwör weiterhin auf Weißwurst.“
Seine Schwester lacht.
„Hast mit oder ohne Darm bestellt?“
Sepp hält inne.
„Da fing’s schon an.“
„Was?“
„Die Frau fragt: ‚Mit oder ohne?‘“
„Und du?“
„I sag: ‚Mit was?‘“
„Darm.“
„Ja.“
Da Sepp schaut ernst.
„Bei uns fragt keiner beim Metzger, ob die Wurst vollständig sein soll.“
Gelächter.
„Was hast genommen?“
„Mit.“
„Mutig.“
„I komm vom Land.“
„Und Pommes?“
„Freili.“
„Mayo?“
„Na.“
„Ketchup?“
„War genug Soße da.“
Sepp nickt zufrieden.
„Dann wollte i eigentlich nach Kreuzberg.“
„Eigentlich?“
„Die U-Bahn.“
„Was war?“
„Baustelle.“
„Berlin.“
„Ersatzverkehr.“
„Berlin.“
„Bus.“
„Berlin.“
Sepp zeigt auf Onkel Franz.
„Sag jetzt ned noch einmal Berlin.“
„Berlin.“
Der Tisch lacht.
„Also steh i an einer Bushaltestelle.“
„Und?“
„Auf dem Schild stehen ungefähr sechzehn Nummern.“
„Ja.“
„Drei Pfeile.“
„Ja.“
„Zwei Baustellenhinweise.“
„Ja.“
„Und ein Zettel, dass irgendwas ab Montag anders fährt.“
„Normal.“
Da Sepp schaut fassungslos.
„In Bayern hängt an der Haltestelle ein Fahrplan.“
„In Berlin auch.“
„Der hilft bloß weniger.“
Gelächter.
„Dann kommt der Bus.“
„Richtiger?“
„I steig ein.“
„Das beantwortet die Frage nicht.“
„Er war groß und gelb.“
„Die sind fast alle groß und gelb.“
„Des hab i später verstanden.“
„Jedenfalls bin i irgendwann in Kreuzberg.“
„Und?“
„Lebendig.“
„Viele Cafés.“
„Restaurants.“
„Sprachen.“
„Alles.“
Sepp schaut zufrieden.
„Des hat mir gefallen.“
„Warum?“
„Weil jeder irgendwie anders ausschaut und keiner schaut lang hin.“
„Berlin eben.“
Sepp nickt.
„Du kannst wahrscheinlich als Sepp in Lederhose mitten durch Kreuzberg laufen und bist nach zwei Minuten das Unauffälligste auf der Straße.“
Gelächter.
„Hat dich niemand komisch angeschaut?“
„Ein junger Mann hat mich gefragt, wo i die Hose gekauft hab.“
„Und?“
„I sag: ‚Vor dreißig Jahren.‘“
„Was sagt er?“
„‚Vintage. Stark.‘“
Da Sepp schaut in die Runde.
„Jetzt bin i offenbar Mode.“
Seine Schwester lacht.
„Hab ich dir immer gesagt.“
„Na.“
„Doch.“
„Dann geht’s zur East Side Gallery.“
„Mauer.“
„Ja.“
Sepp wird ruhiger.
„Da lachst erst mal weniger.“
Der Tisch wird ebenfalls stiller.
„Wenn du davorstehst und weißt, was des war …“
„Ja.“
„Dann wird einem schon anders.“
„So a Stadt trägt viel Geschichte.“
„Sehr viel.“
Sepp nickt.
„Und gleichzeitig fahren daneben Fahrräder, Leute trinken Kaffee, Kinder laufen rum.“
„So ist Berlin.“
„Des fand i eigentlich gut.“
„Warum?“
„Weil Geschichte da is, aber das Leben trotzdem weitergeht.“
Seine Mutter lächelt.
„Dann warst im Museum?“
„Ja.“
„Welchem?“
Sepp schaut sie an.
„Des is in Berlin keine einfache Frage.“
„Museumsinsel.“
„Da war i.“
„Und?“
„Fünf Museen auf einmal.“
„Nicht ganz auf einmal.“
„Für meine Füße schon.“
Gelächter.
„I hab irgendwann beschlossen, Kultur hat Sitzbänke erfunden.“
„Warst müde?“
„Nach drei Stunden schaust du jede Bank an wie ein Kunstwerk.“
Onkel Franz lacht.
„Und was hast gesehen?“
„Sehr viel.“
„Was blieb hängen?“
Sepp überlegt.
„Dass Menschen schon vor tausenden Jahren Zeug hergestellt haben, das heute noch hinter Glas steht.“
„Ja.“
„Und i hab letzte Woche einen Plastikstuhl gekauft, der nach zwei Tagen gewackelt hat.“
Der Tisch lacht.
„Abends dann Prenzlauer Berg.“
„Warum?“
„Man hat mir gesagt, da wär’s nett.“
„Ist es.“
„Sehr.“
„Cafés?“
„Überall.“
„Kinderwagen?“
Sepp schaut auf.
„Sehr viele.“
„Hab ich gehört.“
„I hab gedacht, da findet gerade irgendein Kinderwagen-Kongress statt.“
Gelächter.
„Dann sitz i im Café.“
„Kaffee?“
„Ja.“
„Was bestellt?“
„Kaffee.“
„Welchen?“
„Genau des war das Problem.“
Sepp zählt an den Fingern ab.
„Flat White. Cold Brew. Cortado. Chemex.“
Onkel Franz schaut ratlos.
„Was?“
„Eben.“
„Und was hast genommen?“
„I sag: ‚A normalen Kaffee.‘“
„Und?“
„Der junge Mann hinterm Tresen sagt: ‚Filter?‘“
„Ja.“
„I sag: ‚Wenn’s sein muss.‘“
Seine Schwester lacht.
„Hat geschmeckt?“
„Sehr gut.“
„Na also.“
„Ja.“
„Neun Euro mit Kuchen.“
„Berlin.“
Sepp schaut streng zu Onkel Franz.
„Franz.“
„Schon gut.“
„Am nächsten Tag wollt i zum Checkpoint Charlie.“
„Touristisch.“
„I bin Tourist.“
„Stimmt.“
„Da komm i hin und seh Souvenirshops.“
„Viele.“
„Sehr viele.“
„Und?“
„I hab eine Tasse gekauft.“
„Mit Berlin drauf?“
„Ja.“
„Warum?“
Sepp schaut ihn an.
„Damit i später weiß, wo i war.“
Gelächter.
„Dann Potsdamer Platz.“
„Modern.“
„Sehr.“
„Und plötzlich wieder alte Mauerreste.“
„Ja.“
Sepp nickt.
„Des is das, was mich an Berlin am meisten beschäftigt hat.“
„Was?“
„Du gehst durch eine moderne Stadt.“
„Ja.“
„Und überall kommt die Vergangenheit irgendwo zwischen zwei Häusern wieder raus.“
„Wie ein Nachbar, der sagt: Vergiss mi ned.“
Seine Mutter nickt langsam.
„Schön gesagt.“
„I war ja lang genug unterwegs.“
„Wie viel bist gelaufen?“
„Zu viel.“
„Schritte gezählt?“
„Mein Handy.“
„Und?“
„Achtundzwanzigtausend.“
Onkel Franz pfeift.
„Sporturlaub.“
„Freili.“
Sepp zeigt auf seine Schuhe.
„Berlin ist eigentlich Wandern ohne Berge.“
Der Tisch lacht.
„Dann kam noch der Tiergarten.“
„Zur Erholung.“
„Dacht i.“
„War ruhig?“
„Schon.“
„Und?“
„I sitz auf einer Bank.“
„Gut.“
„Dann kommt ein Läufer.“
„Ja.“
„Noch einer.“
„Ja.“
„Radfahrer.“
„Ja.“
„Hund.“
„Ja.“
„Kinderwagen.“
„Ja.“
Sepp schüttelt den Kopf.
„In Berlin erholt man sich offenbar sehr aktiv.“
Gelächter.
„Und Siegessäule?“
„Hab i gesehen.“
„Rauf?“
„Natürlich.“
„Viele Stufen.“
„Zu viele.“
„I hab oben sofort Verständnis für jede historische Persönlichkeit entwickelt, die lieber unten geblieben is.“
Der Tisch lacht.
„Aussicht gut?“
„Sehr.“
„Hat sich gelohnt?“
„Ja.“
Sepp lächelt.
„Berlin von oben ist ruhiger.“
„Logisch.“
„Unten hupt’s.“
„Ja.“
„Oben schaut’s ordentlich aus.“
„Fast jede Stadt.“
„Dann sollte man manche Diskussionen vielleicht grundsätzlich vom Turm aus führen.“
Onkel Franz lacht.
„Warst abends noch unterwegs?“
„Ja.“
„Wo?“
„In Friedrichshain.“
„Aha.“
„Was heißt schon wieder aha?“
„Nichts.“
„I wollt bloß was trinken.“
„Club?“
Sepp schaut ihn an.
„Franz.“
„Was?“
„I bin fast siebzig.“
„In Berlin kein Ausschlusskriterium.“
Sepp denkt nach.
„Das stimmt wahrscheinlich.“
Der Tisch lacht.
„I war in einer Kneipe.“
„Und?“
„Einfach.“
„Gut?“
„Sehr.“
„Berliner Bier?“
„Ja.“
„Und Gespräch?“
„Mit einem Mann neben mir.“
„Was hat er gesagt?“
Sepp grinst.
„Er fragt: ‚Bayern?‘“
„Wegen der Lederhose?“
„Vermutlich.“
„Und du?“
„I sag: ‚Ja.‘“
„Und er?“
„‚Na dann.‘“
„Mehr nicht?“
„Na.“
„Und das Gespräch?“
„War damit abgeschlossen.“
Onkel Franz lacht.
„Berlin kann auch sparsam.“
„Ja, aber anders als Hamburg.“
„Wie?“
„Hamburg lässt dich höflich in Ruhe.“
„Und Berlin?“
„Berlin teilt dir kurz mit, dass es dich in Ruhe lässt.“
Der Tisch lacht.
„Am letzten Tag bin i noch zum Tempelhofer Feld.“
„Flughafen.“
„Früher.“
„Heute Park.“
„Ja.“
Sepp breitet die Arme aus.
„Riesig.“
„Sehr.“
„Und mitten in der Stadt.“
„Ja.“
„Leute fahren Fahrrad.“
„Skaten.“
„Grillen.“
„Drachen.“
„Alles.“
Sepp schüttelt den Kopf.
„Da war einmal Flughafen, und jetzt sitzt einer auf der Landebahn und isst Salat.“
„Berlin.“
Sepp schaut zu Onkel Franz.
„Diesmal darfst.“
Gelächter.
„I bin da langgelaufen und hab gedacht: Eigentlich passt des zur ganzen Stadt.“
„Was?“
„Die nehmen Dinge, die mal was anderes waren, und machen was Neues draus.“
„Bahnhof wird Museum.“
„Flughafen wird Park.“
„Mauer wird Galerie.“
„Fabrik wird Club.“
Sepp nickt.
„Und a Bayer wird Tourist.“
„Das warst vorher schon.“
„Franz.“
„Schon gut.“
„Hat dir Berlin also gefallen?“, fragt seine Mutter.
Sepp denkt kurz nach.
„Ja.“
„Sehr?“
„Ja.“
„Trotz Baustellen?“
„Ja.“
„Trotz U-Bahn?“
„Ja.“
„Trotz Radwegen?“
„Mit wachsender Aufmerksamkeit.“
Gelächter.
„Gehst wieder hin?“
„Freili.“
„Was willst dann noch sehen?“
Sepp nimmt langsam seine Kaffeetasse.
„I hab gehört, Berlin hat über hundert Ortsteile.“
„Ja.“
„Und jeder behauptet, sein Kiez wär eigentlich das echte Berlin.“
„So ungefähr.“
Sepp schaut misstrauisch in die Runde.
„I möcht bloß vorher wissen, wie viele echte Berlins eine Stadt gleichzeitig haben kann.“
Aber eins nach’m andern.
