Mathias Ellmann
Menü
Der Sepp · Geschichte 09 von 12

Der Sepp im ersten Fitnesskurs

*

Oder: Wo is jetzt des Ganzkörper?

7 Min. Lesezeit·Mathias Ellmann
HumorFitnessKurs
Der Sepp macht mit Kurzhanteln Kniebeugen in einem Fitnesskurs.
Alle 12 Geschichten
  1. 01Der Sepp beim HYROX
  2. 02Der Sepp beim Kitesurfen
  3. 03Der Sepp beim Yoga
  4. 04Der Sepp im Ballettkurs
  5. 05Der Sepp im Salsa-Kurs
  6. 06Der Sepp im Bachata-Kurs
  7. 07Der Sepp beim Bachata Sensual
  8. 08Der Sepp lernt des Ballett-Bewegungslexikon
  9. 09Der Sepp im ersten Fitnesskurs
  10. 10Der Sepp bei der Meditation
  11. 11Der Sepp beim Skifahren
  12. 12Der Sepp beim Snowboarden

„Also, Leit“, sagt da Sepp beim Sonntagskaffee und legt beide Unterarme ganz vorsichtig auf’n Tisch, „i war in meinem ersten Fitnesskurs.“

Da Onkel Franz schaut auf.

„Freiwillig?“

„Ja, freili freiwillig. Die Moni hat g’sagt, i soll ned immer bloß allein irgendwas heben, sondern amoi unter Anleitung trainieren.“

„Und?“

Da Sepp nimmt seine Tasse mit beiden Händen.

„I kann heut kaum Kaffee trinken.“

Seine Schwester grinst.

„Dann war’s wenigstens effektiv.“

„Wart erst amoi.“

Da Sepp lehnt sich zurück.

„I kumm also in den Kursraum. Überall Matten. Kleine Hanteln. Große Hanteln. Gummibänder. Bälle. Und lauter Leit, die ausschauen, als hätten’s mit ihrem eigenen Körper an Vertrag.“

„Was für an Vertrag?“

„Keine Ahnung. Aber die wissen offenbar, wo jedes Körperteil hingehört.“

Da Sepp schüttelt den Kopf.

„Dann kummt der Trainer. Freundlicher Kerl. Sagt: ‚Willkommen zum Functional Full Body Workout.‘“

Kurze Pause

„Und i denk ma: Full Body.“

„Ja?“

„Ja wo soll i denn sonst kommen? I hab meinen ganzen Körper dabei!“

Da Onkel Franz lacht.

„I hab extra runterg’schaut. Zwoa Arm. Zwoa Haxn. Bauch leider aa vollständig. Also hab i ma denkt: Gut. Teilnahmebedingung erfüllt.“

„Und dann?“

„Dann sagt er: ‚Wir beginnen mit einem kurzen Warm-up und mobilisieren erst einmal den ganzen Körper.‘“

Da Sepp hebt den Zeigefinger.

„Da bin i schon wieder stutzig worden.“

„Warum?“

„Mobilisieren.“

„Ja und?“

„Mei Handy war doch in der Umkleide.“

Seine Schwester legt die Hand vors Gesicht.

„Sepp.“

„I woaß es doch jetzt!“

Er nimmt einen Schluck Kaffee.

„Also. Wir kreisen die Schultern, drehen den Oberkörper, gehen in die Knie. Alles noch vernünftig. Dann sagt der Trainer: ‚Jetzt nehmen wir die Dumbbells.‘“

„Hanteln.“

„Ja. Des hab i dann aa rausgefunden.“

Da Sepp schaut beleidigt.

„Aber warum nennt ma a Hantel Dumbbell? Des klingt, als wär entweder die Hantel deppert oder derjenige, der’s hebt.“

„Vielleicht beides.“

„Sehr lustig.“

Da Sepp fährt fort.

„Jedenfalls nimmt jeder zwoa Hanteln. Dann machen wir Squats.“

„Kniebeugen.“

„Genau. Kniebeugen. Dafür gibt’s seit Jahrhunderten a deutsches Wort. Aber gut.“

Er richtet sich auf.

„Der Trainer sagt: ‚Brust raus, Core aktivieren.‘“

Da Sepp tippt sich auf den Bauch.

„Core.“

„Körpermitte.“

„Des woaß i inzwischen aa. Aber in dem Moment hab i gedacht: Kern? Was für an Kern? Apfelkern? Kirschkern? Hab i irgendwas verschluckt?“

Der Tisch lacht.

„Dann sagt er: ‚Spann den Bauch an.‘ Des hätt er doch gleich sagen können.“

„Und hast?“

Da Sepp schaut seine Schwester ernst an.

„I hab alles angespannt, was i gefunden hab.“

Kurze Pause

„Sogar Sachen, von denen i vorher gar ned gwusst hab, dass ma die anspannen kann.“

Jetzt lacht auch seine Mutter.

„Dann kommen die Mountain Climbers.“

Da Onkel Franz ahnt etwas.

„Oje.“

„Freili oje! Mountain Climbers! Bergsteiger!“

Da Sepp zeigt aus dem Fenster.

„Wir wohnen praktisch vor de Alpen. I denk ma: Endlich! Jetzt wird’s regional.“

„Aber?“

„Nix Berg.“

Er klopft auf den Tisch.

„Wir legen beide Händ auf den Boden und ziehen abwechselnd die Knie nach vorn.“

„Ja.“

„Des is doch koa Bergsteigen! Wenn i auf’m Wohnzimmerboden lieg und mit de Haxn zappel, bin i deswegen doch ned auf der Zugspitze!“

Da Onkel Franz prustet los.

„I hab zum Trainer g’sagt: ‚Entschuldigung, wie hoch geht der Berg?‘“

„Was hat er gesagt?“

„‚Noch dreißig Sekunden.‘“

Da Sepp schweigt.

„Des war koa hilfreiche Höhenangabe.“

Er nimmt wieder einen Schluck.

„Dann kommen Burpees.“

Alle am Tisch schauen ihn an.

„Und?“

„Über Burpees red ma ned.“

„Warum?“

Da Sepp wird ernst.

„Weil a Übung, bei der ma freiwillig auf’n Boden geht, wieder aufsteht und dann springt, offensichtlich von jemandem erfunden worden is, der an persönlichen Hass auf Menschen hat.“

Seine Schwester lacht.

„Der Trainer sagt: ‚Nur noch zehn!‘“

„Und du?“

„I hab g’fragt: ‚Zehn insgesamt oder zehn bis zum Notarzt?‘“

Gelächter.

„Dann endlich sagt er: ‚Wir gehen in die Plank.‘“

Da Sepp hebt langsam beide Augenbrauen.

„Plank.“

„Unterarmstütz.“

„Ja. Aber Plank heißt Brett.“

Er klopft auf die Tischplatte.

„Und nach fünfzehn Sekunden war i tatsächlich eins.“

„So steif?“

„Na. So tot.“

Kurze Pause

„Der Trainer geht herum und sagt: ‚Haltet euren Core stabil.‘ Und i hab nur noch gedacht: Wenn der Kern jetzt rausfällt, lass i ihn liegen.“

Da Onkel Franz wischt sich die Augen.

„Irgendwann liegen alle auf den Matten. I denk ma: Gott sei Dank. Vorbei.“

„War’s vorbei?“

„Na.“

Da Sepp schaut düster.

„Cooldown.“

„Abwärmen.“

„Des Wort hätt ma mir sagen müssen! Cooldown klingt, als kriegst nachher a kaltes Bier.“

Seine Mutter schüttelt den Kopf.

„Und? Bist nächste Woche wieder dabei?“

Da Sepp schaut lange in seine Tasse. Dann nickt er.

„Freili.“

Alle werden still.

„Echt?“

„Der Trainer hat g’sagt, nächste Woche machen wir Zirkeltraining.“

„Und?“

Da Sepp hebt langsam den Blick.

„I möcht wissen, warum ma für Sport jetzt Elektriker braucht.“

Der Sepp sagt: Freili.
Aber eins nach’m andern.