Mathias Ellmann
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Der Sepp · Geschichte 05 von 08

Der Sepp im Salsa-Kurs

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Oder: Wo gibt’s jetzt die Soß?

6 Min. Lesezeit·Mathias Ellmann
HumorSalsaTanz
Der Sepp tanzt Salsa mit einer Partnerin in einem warm beleuchteten Tanzstudio.
Alle 8 Geschichten
  1. 01Der Sepp beim HYROX
  2. 02Der Sepp beim Kitesurfen
  3. 03Der Sepp beim Yoga
  4. 04Der Sepp im Ballettkurs
  5. 05Der Sepp im Salsa-Kurs
  6. 06Der Sepp im Bachata-Kurs
  7. 07Der Sepp beim Bachata Sensual
  8. 08Der Sepp lernt des Ballett-Bewegungslexikon

„Also“, sagt da Sepp beim Sonntagskaffee und schaut seine Verwandtschaft ernst an, „i war wieder sportlich.“

Da Onkel Franz legt sofort die Zeitung weg.

„Oje.“

„Wieso oje?“

„Beim letzten Mal warst beim Ballett. Davor beim Yoga. Was is diesmal?

Synchronschwimmen?“

Da Sepp schüttelt den Kopf.

„Salsa.“

Kurze Stille

Seine Mutter schaut Richtung Küche.

„Salsa? I glaub, i hab no a Glas im Kühlschrank.“

„Mama! Ned die Soß! Tanzen!“

Da Onkel Franz grinst.

„Aha. Scharf also.“

„Sehr lustig.“

Da Sepp nimmt an Schluck Kaffee.

„D’Moni hod g’sagt, Salsa wär genau des Richtige für mi. Musik, Bewegung, Lebensfreude.“

Seine Schwester schaut ihn an.

„Und warum genau für dich?“

„Des hab i sie hinterher aa gefragt.“

Er lehnt sich zurück.

„Also. I komm in des Tanzstudio nei. Überall lateinamerikanische Musik. Die Leit bewegen sich scho beim Rumstehen besser als i beim Tanzen.“

„Des is jetzt aber ned schwer“, sagt da Onkel Franz.

„Franz, wennst weiter so machst, erzähl i nix.“

„Passt scho. Weiter.“

„Dann kommt der Tanzlehrer. So a Typ, der bloß drei Schritte macht und dabei ausschaut, als wär er grad in Havanna auf einer Dachterrasse.“

Da Sepp schaut an sich runter.

„I mach drei Schritte und schau aus, als such i beim Aldi an Einkaufswa- gen.“

Seine Schwester lacht.

„Dann sagt er: ‚Wir beginnen mit dem Grundschritt. Eins, zwei, drei – fünf, sechs, sieben.‘“

Da Sepp hebt sofort die Hand.

„Und i sag: ‚Entschuldigung.‘“

„Was denn?“

„I frag: ‚Was is mit der Vier?‘“

Da Onkel Franz fängt an zu lachen.

„Ja freili! Wenn einer zählt: eins, zwei, drei, fünf, sechs, sieben – dann fehlt doch was!“

„Und was hat der Lehrer gesagt?“

„Der sagt: ‚Auf vier machen wir Pause.‘“

Da Sepp schaut empört.

„Pause? Nach drei Schritten? Des is a Sport nach meinem Geschmack!“

Die Familie lacht.

„Also los. Eins, zwei, drei, Pause. Fünf, sechs, sieben, Pause.“

Sepp bewegt unter’m Tisch die Füße.

„Des Problem war bloß: Meine Füß ham andere Vorstellungen von Mathematik.“

„Wie meinst des?“

„Der rechte Fuß war bei fünf, der linke noch bei zwei und i geistig bereits in der Pause.“

Da Onkel Franz nickt.

„Klingt nach dir.“

„Dann sagt der Tanzlehrer: ‚Jetzt suchen wir uns einen Partner.‘“

Da Sepp wird still.

„Da hab i gewusst: Jetzt wird’s gefährlich.“

„Warum?“

„Bis dahin hab bloß i gewusst, dass i ned tanzen kann. Jetzt sollt’s noch jemand anders erfahren.“

Seine Mutter lacht.

„Dann kommt a Frau auf mi zu. Die heißt Claudia. Ganz freundlich. Die sagt: ‚Ich tanze schon seit drei Jahren.‘“

Da Sepp schaut in die Runde.

„Drei Jahre!“

„Und?“

„I hab zu ihr g’sagt: ‚Dann hast wahrscheinlich gute Reflexe.‘“

Jetzt lacht der ganze Tisch.

„Wir stellen uns hin. I halt ihre Hand. Der Lehrer sagt: ‚Männer, ihr führt.‘“

Da Sepp hebt bedeutungsvoll den Finger.

„Des war der erste große Fehler.“

„Wieso?“

„Weil i selber ned gwusst hab, wo’s hingeht!“

Da Onkel Franz prustet los.

„Wie soll i denn jemand führen, wenn i bei Schritt drei scho nimmer weiß, wo Schritt eins war?“

„Und dann?“

„Dann lernen wir den sogenannten Cross Body Lead.“

Seine Schwester nickt.

„Ja, des gibt’s.“

„Aha! Du kennst des? Dann erklär mir einmal, warum des auf Englisch heißt, wenn ma Salsa tanzt! I war vorbereitet auf Spanisch. Vielleicht Italienisch.

Aber plötzlich Englisch!“

Er schüttelt den Kopf.

„Der Lehrer sagt: ‚Öffnen, Dame vorbeiführen, Platz wechseln.‘“

„Klingt doch einfach.“

„Ja. Wenn ma weiß, wo vorne is.“

Da Sepp steht auf und demonstriert.

„Also i mach auf, Claudia soll vorbeigehen, i dreh mi – und plötzlich stehen wir beide auf derselben Seite.“

„Und?“

„I hab zu ihr g’sagt: ‚Schau, Claudia, jetzt san ma wenigstens beinand.‘“

Die Familie lacht.

„Dann sagt der Lehrer: ‚Josef, du musst klarer führen.‘“

„Und was hast gesagt?“

„‚Wohin?‘“

Da Onkel Franz klopft auf den Tisch.

„Dann geht’s weiter. Rechtsdrehung.“

Sepp beginnt langsam den Kopf zu schütteln.

„Da hab i mir denkt: Guat. Rechts kenn i.“

„Immerhin.“

„Aber dann sagt er: ‚Und jetzt die Dame drehen.‘“

„Ja.“

„Also geb i der Claudia die Hand, heb den Arm und sie dreht sich.“

„Hat funktioniert?“

„Bei ihr schon.“

„Und bei dir?“

„I hab vergessen loszulassen.“

Kurze Pause

„Auf einmal war mein Arm einmal um mich selber rumgewickelt und Claudia stand hinter mir.“

Da Onkel Franz lacht so laut, dass er husten muss.

„Der Lehrer kommt her und sagt: ‚Locker bleiben, Josef.‘“

Da Sepp schaut empört.

„Locker? I war körperlich verknotet!“

Er setzt sich wieder hin.

„Aber dann sagt er plötzlich: ‚Jetzt machen wir eine Enchufla.‘“

Seine Mutter runzelt die Stirn.

„Eine was?“

„Enchufla.“

„Was is des?“

„Des hab i aa ned gwusst!“

Da Sepp beugt sich vor.

„Und jetzt stellts euch vor: Ihr steht mitten in einem Tanzkurs, seid verschwitzt, kennt eure eigenen Füß nimmer und dann ruft einer: ENCHUFLA!“

Da Onkel Franz grinst.

„Was hast gemacht?“

„I bin stehen geblieben.“

„Warum?“

„Weil i gedacht hab, des könnt a Warnruf sein!“

Die Familie bricht in Gelächter aus.

„I hab mich umgeschaut, ob irgendwo was runterfällt.“

„Und Claudia?“

„Die dreht sich schon.“

„Natürlich.“

„I steh da und sag: ‚Claudia, was machst du?‘ Sie sagt: ‚Enchufla!‘“

Da Sepp schlägt mit der Hand auf den Tisch.

„Dann waren’s schon zwei, die des Wort kennen!“

Seine Schwester wischt sich die Augen.

„Und dann kommt der nächste Begriff: Dile que no.“

Da Sepp schaut todernst.

„Dile que no.“

Da Onkel Franz versucht sich an der Aussprache.

„Dille… geh no?“

„GENAU! I hab verstanden: ‚Die liegt noch.‘“

„Wer liegt noch?“

„Des wollt i ja wissen!“

Jetzt kann sich die Familie kaum mehr halten.

„I schau auf ’n Boden. Koa Mensch liegt da. Also frag i den Lehrer: ‚Wer liegt?‘“

„Und der?“

„Der schaut mi an und sagt: ‚Wie bitte?‘“

„Und dann?“

„I sag: ‚Sie ham doch grad g’sagt, die liegt no. Wer liegt no? Braucht jemand Hilfe?‘“

Da Onkel Franz legt den Kopf auf den Tisch.

„Der Tanzlehrer hat dann fünf Minuten gebraucht, bis er wieder reden konnte.“

„Weil er gelacht hat?“

„Angeblich wegen der Musik.“

Da Sepp zieht die Augenbrauen hoch.

„Freili.“

Dann wird er wieder ernst.

„Aber irgendwann lief ’s tatsächlich besser.“

„Echt?“

„Ja! Grundschritt. Eins, zwei, drei. Fünf, sechs, sieben. Claudia dreht sich. I dreh sie wieder zurück. Wir wechseln die Seite.“

Seine Mutter lächelt.

„Na also.“

„I hab mich richtig sicher gefühlt.“

„Und dann?“

„Dann ruft der Lehrer: ‚Jetzt frei tanzen!‘“

Sepp schweigt.

„Und?“

„Frei.“

„Ja.“

„Ohne Vorgabe.“

„Ja.“

„Ohne Ansage.“

„Ja.“

Da Sepp schaut entsetzt.

„Woher soll i denn dann wissen, was i machen muss?!“

Seine Schwester lacht.

„Einfach die Musik fühlen.“

Da Sepp schaut sie an, als hätte sie gerade etwas völlig Absurdes gesagt.

„Musik fühlen.“

„Ja.“

„I kann Musik hören. Des reicht doch normalerweise.“

Er nimmt einen Schluck Kaffee.

„Jedenfalls fang i an. Eins, zwei, drei. Fünf, sechs, sieben.“

„Und Claudia?“

„Die sagt plötzlich: ‚Sepp, du musst mehr Hüfte benutzen.‘“

Da Sepp erstarrt.

„Mehr Hüfte.“

Da Onkel Franz grinst schon.

„Und?“

„I hab Hüfte benutzt.“

„Wie?“

„Stark.“

Seine Mutter hält sich schon die Hand vors Gesicht.

„Vielleicht a bissl zu stark.“

„Was is passiert?“

„I hab beim Hüftschwung an Mann neben mir erwischt.“

Stille

Dann bricht der Tisch in Gelächter aus.

„Mit der Hüfte?“

„Ja!“

„Wo?“

„Des möchte i aus Gründen der familiären Gesprächskultur ned näher erläutern.“

Da Onkel Franz kriegt kaum Luft.

„Der Mann hat jedenfalls sofort mehr Abstand gehalten.“

Sepp nickt zufrieden.

„Also Raumgefühl hab i gelernt.“

Nach einer Weile fragt seine Mutter: „Und? Gehst nächste Woche wieder hin?“

Da Sepp schaut nachdenklich.

„Ja.“

Alle verstummen.

„Tatsächlich?“

„Freili.“

„Warum?“

Sepp lehnt sich verschwörerisch über den Tisch.

„Weil der Lehrer am Schluss g’sagt hat, nächste Woche machen wir Bachata.“

Da Onkel Franz runzelt die Stirn.

„Und weißt, was des is?“

„Na.“

„Und du gehst trotzdem hin?“

Da Sepp nickt.

„Freili.“

Er nimmt einen letzten Schluck Kaffee.

„Aber diesmal nehm i vorsichtshalber an Löffel mit.“

„Warum an Löffel?“

Da Sepp schaut ihn an.

„Ja mei. Bei Salsa war koa Soß da. Vielleicht gibt’s wenigstens beim Bachata was zum Essen.“

Der Sepp sagt: Freili.
Aber eins nach’m andern.