„Also“, sagt da Sepp beim Sonntagskaffee, „jetzt hab i’s aa endlich gmacht.“
„Was?“, fragt seine Schwester.
„Skifahren.“
Da Onkel Franz schaut ihn an, als hätte da Sepp gerade erklärt, er habe zum ersten Mal Schnee gesehen.
„Du bist Bayer und bist no nie Ski g’fahrn?“
Da Sepp hebt sofort den Finger.
„Des eine hat mit’m andern überhaupt nix zu tun. Bloß weil i aus Bayern komm, werd i doch ned mit zwei Brettern an den Füßen geboren.“
„Wär praktisch.“
„Für die Mutter eher ned.“
„Also. I fahr mit der Moni ins Skigebiet. Als Erstes Skiverleih.“
Da Sepp verzieht das Gesicht.
„Skischuhe.“
Alle nicken wissend.
„I sag euch: Wer die erfunden hat, wollt verhindern, dass Menschen fliehen.“
„So schlimm?“
„I bin reingestiegen und hab sofort verstanden, warum Skifahrer so komisch gehen.“
Da Sepp steht auf und marschiert steif ein paar Schritte durchs Zimmer.
„So.“
Gelächter.
„Dann krieg i zwoa Ski. Stöcke. Helm.“
„Sehr vernünftig.“
„Freili. Wenn i schon freiwillig an Berg runterfahr, möcht i wenigstens obenrum vorbereitet sein.“
Er setzt sich wieder.
„Dann treffen wir den Skilehrer. Der sagt: ‚Josef, wir beginnen ganz einfach mit dem Pflug.‘“
Da Sepp schweigt.
„Pflug.“
Onkel Franz grinst schon.
„I schau auf den Schnee. I schau auf die Ski. I schau den Mann an.“
„Und?“
„I sag: ‚Zum Pflügen san ma aber ziemlich hoch oben.‘“
Der Tisch lacht.
„Er erklärt mir, i soll die Spitzen der Ski näher zusammenbringen und hinten auseinander.“
Da Sepp formt mit beiden Händen ein V.
„So.“
„Genau.“
„Und dann sagt er plötzlich: ‚Stell dir einfach eine Pizza vor.‘“
Da Sepp wird sehr ernst.
„Des war der Moment, wo i gedacht hab: Jetzt versteh i den Wintersport.“
„Wegen der Pizza?“
„Freili! Vormittags Bewegung, danach Essen. Vernünftiges Konzept.“
Seine Schwester lacht.
„Aber er meint die Ski.“
„Des hab i aa gemerkt. Er sagt: ‚Pizza zum Bremsen.‘“
Da Sepp schüttelt den Kopf.
„In meinem ganzen Leben hat mi noch nie a Pizza gebremst.“
„Dich vielleicht ned.“
„Sehr lustig.“
Er fährt fort.
„Dann sagt der Lehrer: ‚Und wenn du schneller fahren willst, machst du Pommes.‘“
Da Sepp legt beide Hände parallel.
„Pizza. Pommes.“
Er schaut die Familie an.
„I steh mitten im Schnee und krieg Hunger.“
Onkel Franz lacht.
„Aber funktioniert hat’s?“
„Am Anfang.“
„Was heißt am Anfang?“
„Solang der Hang praktisch waagrecht war.“
Da Sepp nimmt einen Schluck.
„Dann fahren wir a Stück höher. Der Skilehrer sagt: ‚Keine Angst, Josef. Immer schön in der Falllinie orientieren.‘“
Da Sepp erstarrt.
„Falllinie.“
„Ja.“
„Warum nennt ma auf einer Skipiste irgendwas Falllinie?“
„So heißt die Richtung des stärksten Gefälles.“
„Dann sollt ma’s Gefälllinie nennen!“
Er klopft auf den Tisch.
„Wenn einer zum Anfänger sagt Falllinie, dann denkt der Anfänger doch, da is festgelegt, wo ma hinfallen soll!“
„Und bist hingefallen?“
Da Sepp schweigt.
„Noch ned.“
„Noch?“
„Dann kam der Lift.“
„Sessellift?“
„Na. Tellerlift.“
Da Sepp sieht empört aus.
„Schon wieder Essen.“
Die Familie lacht.
„I such natürlich den Teller.“
„Sepp!“
„Ja woher soll i des wissen? Dann hängt da so a runder Plastikdeckel an einer Stange, den soll i mir zwischen die Haxn klemmen.“
Da Onkel Franz prustet los.
„Der Skilehrer sagt: ‚Nicht hinsetzen! Einfach ziehen lassen!‘“
„Und?“
„I hab mi hingesetzt.“
„Natürlich.“
„Freili. Des schaut aus wie a Sitz.“
Da Sepp hebt die Schultern.
„Drei Meter später lag i im Schnee und der Teller war ohne mi unterwegs.“
Gelächter.
„Beim zweiten Versuch ging’s.“
„Na also.“
„Ja. Oben angekommen sagt der Lehrer: ‚Jetzt fahren wir eine leichte Kurve. Schau dahin, wo du hinwillst.‘“
Da Sepp nickt.
„Des war der erste Satz an dem Tag, den i sofort verstanden hab.“
„Hat’s geholfen?“
„Sehr.“
„Dann konntest du fahren?“
„I hab zur Hütte g’schaut.“
„Und bin direkt Richtung Hütte gefahren.“
Der Tisch bricht in Gelächter aus.
„Der Lehrer schreit: ‚Josef! Bremsen! Pizza!‘“
„Und?“
„In dem Moment hab i wieder Hunger kriagt.“
Da Sepp hebt beschwichtigend beide Hände.
„Aber i hab gebremst. Mehr oder weniger.“
„Was heißt mehr oder weniger?“
„I bin vor der Terrasse zum Stehen kommen.“
„Gut.“
„Zwischen zwoa Liegestühlen.“
Noch mehr Gelächter.
„Und einer hat mir applaudiert.“
Da Sepp wirkt zufrieden.
„Des war mein erster Fan.“
Seine Mutter fragt: „Und fährst wieder?“
Da Sepp nickt sofort.
„Freili.“
„Trotz Skischuhen, Falllinie und Tellerlift?“
„Ja.“
„Warum?“
Da Sepp lächelt.
„Der Skilehrer hat g’sagt, beim nächsten Mal lernen wir Carven.“
„Und?“
Da Sepp nimmt langsam seine Kaffeetasse.
„I möcht bloß vorher wissen, ob ma dafür Messer braucht.“
Aber eins nach’m andern.
