Mathias Ellmann
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Der Sepp · Geschichte 03 von 08

Der Sepp beim Yoga

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Oder: Wo is jetzt des Kind?

4 Min. Lesezeit·Mathias Ellmann
HumorBewegung
Der Sepp macht Yoga auf einer Matte, neben ihm liegt ein kleiner Hund.
Alle 8 Geschichten
  1. 01Der Sepp beim HYROX
  2. 02Der Sepp beim Kitesurfen
  3. 03Der Sepp beim Yoga
  4. 04Der Sepp im Ballettkurs
  5. 05Der Sepp im Salsa-Kurs
  6. 06Der Sepp im Bachata-Kurs
  7. 07Der Sepp beim Bachata Sensual
  8. 08Der Sepp lernt des Ballett-Bewegungslexikon

„Also, Leit, i muaß eich wos erzähln“, sagt da Sepp am Sonntag beim Kaffee zu seiner Verwandtschaft. „I war beim Yoga.“

Auf einmal is am Tisch ganz stad.

Da Onkel Franz schaut eam an.

„Beim wos?“

„Beim Yoga! Mei, lachts ned! Mei Kreuz bringt mi irgendwann no ins Grab, und d’Moni aus’m Büro hod g’sagt, Yoga war guad für’n Rücken. Also hab i ma denkt: Sepp, sei modern. Probierst des amoi.“

„Und?“, fragt sei Schwester.

Da Sepp nimmt an kräftigen Schluck Kaffee.

„Also. I kumm in des Studio nei. Überall Kerzerl. Leise Musik. Es riecht nach irgendwos zwischen Wald, Zitrone und frisch renovierter Sauna. Und alle san barfuß. I natürlich aa. Bloß hab i erst im Studio gmerkt, dass i zwoa verschiedene Socken anhatt.“

„Beim Yoga brauchst doch koa Socken.“

„Des woaß i jetzt aa!“

Da Sepp lehnt si zurück.

„Dann kummt de Yogalehrerin. Ganz a ruhige. So a Frau, bei der glaubst, de war no nia in ihrem Leben grantig. De sagt: ‚Wir beginnen heute ganz entspannt mit der Haltung des Kindes.‘“

Da Sepp schaut in die Runde.

„Und i denk ma: Haltung des Kindes? Ja wo is denn jetzt des Kind?“

Da Onkel Franz fangt scho zum Lachen o.

„I schau links. Koa Kind. I schau rechts. Koa Kind. I hab scho g’meint, vielleicht bringt no jemand oans nei. Aber nix. Stattdessen knien si plötzlich alle auf ihre Matten und legen den Kopf auf ’n Boden.“

„Und du?“

„Ja mei, i hab’s halt aa gmacht. Aber i hab trotzdem dauernd g’schaut, ob irgendwo des Kind daherkommt. I wollt ja ned draufknien.“

Jetzt lacht der ganze Tisch.

„Dann“, erzählt da Sepp weiter, „sagt de Lehrerin: ‚Und jetzt gehen wir langsam in den herabschauenden Hund.‘“

Da Sepp hebt beide Händ.

„Da war i komplett verwirrt. Erst a Kind, jetzt a Hund! I denk ma: Was is denn des für a Studio? Ham de da an Streichelzoo im Nebenzimmer?“

„Du Depp“, sagt sei Schwester.

„Ja, des konnst jetzt leicht sogn! I bin auf allen Vieren dag’standen und hab unter die anderen Matten g’schaut, ob irgendwo a Hund liegt.“

„Und war oana do?“

„Na! Koa Hund! Nirgends! Aber zwölf Erwachsene mit’m Hintern in da Luft.“

Da Sepp schüttelt den Kopf.

„Und de Lehrerin sagt ganz entspannt: ‚Spürt die Länge in eurem Rücken.‘

I hab überhaupt nix g’spürt außer an Oberschenkel, der offensichtlich seit 1987 nimmer benutzt worden is.“

Da Onkel Franz wischt si die Lachtränen aus de Augen.

„Aber dann“, sagt da Sepp und wird plötzlich ernst, „is de Sach eskaliert.“

„Wieso?“

„Dann sagt de Frau: ‚Wir kommen jetzt zum Krieger eins.‘“

Da Sepp schaut seine Verwandten bedeutungsvoll an.

„Krieger eins.“

Kurze Pause

„Und da hab i ma denkt: Aha. Jetzt wird’s ernst.“

„Wieso denn?“

„Ja mei! Erst Kind, dann Hund und jetzt auf einmal a Krieger! I bin in a Yogastund ganga und ned in an Abenteuerfilm!“

Er stellt seine Kaffeetasse hin und macht mit den Armen die Haltung nach.

„Also steh i da. Oana Fuß vorn, oana hinten, Arme auffi. I hab mir denkt: Gut, Sepp. Des packst. Oan Krieger werd ma scho überleben.“

„Und dann?“

„Dann sagt de: ‚Und wir öffnen uns in Krieger zwei.‘“

Da Sepp reißt die Augen auf.

„ZWEI!“

Die Familie lacht.

„Da hab i langsam Angst kriagt. I hab zur Moni rüberg’schaut und g’flüstert: ‚Du, wie vui Krieger gibt’s denn do?‘“

„Und wos hod sie g’sagt?“

„Sie hod bloß gegrinst.“

Da Sepp schüttelt den Kopf.

„Des war für mi koa guads Zeichen.“

Er beugt sich über den Tisch.

„Und dann kummt’s.“

Alle warten.

„De Yogalehrerin sagt: ‚Jetzt bereiten wir uns auf Krieger drei vor.‘“

Da Sepp haut mit der flachen Hand auf den Tisch.

„DREI!“

Da Onkel Franz prustet los.

„Da hab i g’sagt: ‚Entschuldigung!‘“

„Mitten in der Stunde?“

„Freili! Irgendwann muaß ma ja fragen! I sag zu der Lehrerin: ‚Entschuldigung, aber wie vui Krieger kemman denn heit no? Weil bei drei möcht i langsam wissen, ob i Verstärkung brauch.‘“

Die ganze Familie lacht.

„Und de Frau?“

„De war immer no ganz ruhig. De sagt: ‚Keine Sorge, Josef. Der Krieger drei ist eine Balancehaltung.‘“

„Und?“

„Des hätt’s ned besser gmacht! Balancehaltung! I soll auf oam Haxn steh, den andern nach hinten strecken und gleichzeitig die Arme nach vorn!“

Da Sepp steht auf und demonstriert es.

„Schauts her. So ungefähr.“

Er wackelt sofort.

„Genau so war’s im Studio aa. Bloß dass rechts von mir a Zimmerpflanze g’standen is.“

„Oje.“

„Ja. Die Pflanze hat Krieger drei ned überlebt.“

Wieder Gelächter.

Da Sepp setzt sich hin.

„I bin eineg’fallen wie a frisch g’fällter Maibaum. Erst in de Pflanze, dann auf meine Matte. Und de Yogalehrerin sagt tatsächlich: ‚Sehr schön, Josef.

Akzeptiere, wo du heute stehst.‘“

Da Sepp schaut beleidigt.

„I bin überhaupt nimmer g’standen! I bin zwischen am Gummibaum und zwei Yogakissen g’legen!“

Seine Mutter fragt: „Und bist nächste Woche wieder dabei?“

Da Sepp schweigt kurz.

Dann nickt er.

„Freili.“

Alle schauen erstaunt.

„Echt?“

„Ja. I muaß doch wissen, wie des weitergeht!“

„Wie meinst des?“

„Na ja“, sagt da Sepp. „Bis jetzt hamma a Kind, an Hund und drei Krieger g’habt. Nächste Woche steht angeblich die Kobra auf ’m Plan.“

Er nimmt langsam seine Kaffeetasse.

„Und diesmal frag i vorher, ob de Viecher echt san.“

Der Sepp sagt: Freili.
Aber eins nach’m andern.