Kurzantwort:
Respekt bedeutet im Buch, Würde, Autonomie und Rechte des Gegenübers anzuerkennen.
Verantwortung bezeichnet die Bereitschaft, für die eigenen Handlungen einzustehen und deren mögliche Auswirkungen auf andere zu berücksichtigen.
Gerechtigkeit beschreibt im Buch das Bemühen um Fairness und die Reflexion eigener sowie fremder Bedürfnisse.
Diese drei Begriffe sind Bestandteile des Ellmann-Modells. Sie bilden keine allgemein anerkannte psychologische Skala und keine vollständige philosophische Theorie von Respekt, Verantwortung oder Gerechtigkeit.
Die drei Säulen gehören zur Systematik des Buches
Kapitel 2.2 bezeichnet ausdrücklich drei Säulen: Respekt, Verantwortung und Gerechtigkeit.
Diese Dreierstruktur dient innerhalb des Buches als normativer Rahmen für gerechte Selbstbehauptung.
Sie ist damit zunächst eine Modellentscheidung des Autors. Die drei Begriffe existieren zwar auch in Philosophie, Psychologie, Recht und Alltagssprache, werden dort jedoch in unterschiedlichen Bedeutungen verwendet.
Säule 1: Respekt
Das Buch beschreibt Respekt als Anerkennung von Würde, Autonomie und Rechten des Gegenübers.
Für gerechte Selbstbehauptung bedeutet das: Eigene Interessen dürfen benannt werden, ohne die andere Person lediglich als Hindernis oder Werkzeug der eigenen Zielerreichung zu behandeln.
Respekt verlangt im Buch jedoch keine inhaltliche Zustimmung. Eine Aussage kann zurückgewiesen, eine Bitte abgelehnt oder eine Grenze gesetzt werden, ohne die Würde der anderen Person grundsätzlich infrage zu stellen.
Respekt ist philosophisch kein völlig einheitlicher Begriff
Auch außerhalb des Buches ist Respekt ein zentraler, aber vielgestaltiger Begriff.
Die Stanford Encyclopedia of Philosophy unterscheidet verschiedene Formen und Gegenstände von Respekt. Philosophische Diskussionen betreffen beispielsweise Respekt für Personen, Rechte, Regeln, Institutionen oder besondere Leistungen.
Die Fachliteratur weist außerdem darauf hin, dass keine vollständige Einigkeit darüber besteht, wie Respekt begrifflich in allen Zusammenhängen zu bestimmen ist.
Philosophische Fachquelle Stanford Encyclopedia of Philosophy: Respect.
Was Respekt im Modell nicht bedeutet
- Respekt bedeutet nicht, jeder Aussage zuzustimmen.
- Respekt bedeutet nicht, eigene Grenzen aufzugeben.
- Respekt bedeutet nicht, Konflikte um jeden Preis zu vermeiden.
- Respekt bedeutet nicht, die Handlungen einer Person automatisch gutzuheißen.
Säule 2: Verantwortung
Kapitel 2.2 beschreibt Verantwortung als Bereitschaft, für das eigene Handeln einzustehen und Konsequenzen für andere zu berücksichtigen.
Dazu gehört im Buch eine ehrliche und faire Kommunikation.
Verantwortung richtet den Blick damit nicht nur darauf, ob ein Anliegen durchgesetzt wird, sondern auch darauf, wie gehandelt wurde und welche Folgen das eigene Verhalten haben kann.
Verantwortung ist nicht dasselbe wie Schuld
Der Begriff Verantwortung kann in Philosophie, Recht und Alltagssprache unterschiedliche Fragen betreffen.
Die Stanford Encyclopedia of Philosophy unterscheidet bei moralischer Verantwortung unter anderem die Frage, unter welchen Bedingungen Menschen für Handlungen moralisch verantwortlich gemacht werden können.
Sie unterscheidet moralische Verantwortung außerdem von bloßer kausaler Verantwortung.
Philosophische Fachquelle Stanford Encyclopedia of Philosophy: Moral Responsibility.
Verantwortung für das eigene Verhalten, nicht für alles
Verantwortung für die eigene Kommunikation bedeutet nicht, die vollständige Verantwortung für Gefühle, Entscheidungen oder Handlungen anderer Menschen zu übernehmen.
Eine Person kann beispielsweise für ihre Wortwahl, ihre Handlungen und bewusst eingegangene Folgen Verantwortung tragen.
Sie kann jedoch nicht jede Reaktion einer anderen Person kontrollieren.
Säule 3: Gerechtigkeit
Das Buch beschreibt Gerechtigkeit als Streben nach einem Gleichgewicht, bei dem eigene Bedürfnisse und die Bedürfnisse anderer berücksichtigt werden.
Dazu gehören im Buch Reflexion und Fairness.
Diese Verwendung ist bewusst praktisch. Sie formuliert keine vollständige philosophische oder rechtliche Theorie der Gerechtigkeit.
Gerechtigkeit besitzt viele philosophische Bedeutungen
Die Stanford Encyclopedia of Philosophy beschreibt Gerechtigkeit als einen zentralen Begriff der Ethik sowie der Rechts- und politischen Philosophie.
Dabei werden unterschiedliche Formen und Theorien unterschieden, etwa korrektive, distributive, prozedurale und substantielle Gerechtigkeit.
Es gibt deshalb nicht nur eine einzige allgemein akzeptierte Regel, aus der sich für jeden Konflikt automatisch die gerechte Lösung ergibt.
Philosophische Fachquelle Stanford Encyclopedia of Philosophy: Justice.
Gerechtigkeit bedeutet nicht automatisch Gleichverteilung
Das Wort Gerechtigkeit darf im Zusammenhang des Buches nicht automatisch mit mathematischer Gleichheit oder identischen Ergebnissen für alle Beteiligten gleichgesetzt werden.
Philosophische Gerechtigkeitstheorien unterscheiden sich gerade darin, welche Kriterien für gerechte Verteilungen, Verfahren oder Ansprüche relevant sind.
Im Buch steht deshalb die praktische Frage im Vordergrund, ob eigene Interessen und die berechtigten Interessen anderer überhaupt reflektiert werden.
Gerechtigkeit verlangt nicht immer einen Kompromiss
Eine faire Berücksichtigung unterschiedlicher Interessen bedeutet nicht, dass jedes Ergebnis genau in der Mitte liegen muss.
Manche Grenzen können nicht sinnvoll halbiert werden. Manche Rechte oder Sicherheitsanforderungen können einer Kompromisslösung klare Grenzen setzen.
Gerechte Selbstbehauptung ist deshalb nicht gleichbedeutend mit der Forderung, in jedem Konflikt einen Mittelweg zu wählen.
Wie die drei Säulen zusammenwirken
| Säule | Zentrale Frage im Buchmodell | Typische Fehlinterpretation |
|---|---|---|
| Respekt | Wahre ich Würde, Autonomie und Rechte der anderen Person? | „Respekt bedeutet Zustimmung.“ |
| Verantwortung | Stehe ich für mein eigenes Handeln und seine Folgen ein? | „Ich bin für jede Reaktion des anderen verantwortlich.“ |
| Gerechtigkeit | Reflektiere ich neben meinem eigenen Anliegen auch berechtigte Interessen anderer? | „Gerecht bedeutet immer gleiche Verteilung oder Kompromiss.“ |
Drei Säulen sind nicht dasselbe wie die drei Kriterien aus Kapitel 4
Kapitel 4 beantwortet eine andere Frage: Was macht Selbstbehauptung gerecht?
Dort behandelt das Buch:
- Intention,
- Respekt,
- Werteorientierung.
Diese drei Kriterien sind nicht einfach andere Namen für die drei Säulen aus Kapitel 2.2.
Die Buchstruktur behandelt beide Dreiergruppen an unterschiedlichen Stellen und mit unterschiedlicher Funktion.
Auch Kapitel 8.1 verwendet eine andere Dreiergruppe
Kapitel 8.1 fasst wesentliche Merkmale der gerechten Selbstbehauptung mit den Begriffen Respekt, Ehrlichkeit und Verantwortung zusammen.
Diese Zusammenfassung darf ebenfalls nicht mit der Säulenstruktur aus Kapitel 2.2 verwechselt werden.
„Ehrlichkeit“ erscheint dort als wesentliches Merkmal, während „Gerechtigkeit“ in Kapitel 2.2 ausdrücklich eine der drei Säulen ist.
Und was ist mit Klarheit, Respekt und Verantwortung?
Der Untertitel des Buches lautet: „Wie man Klarheit, Respekt und Verantwortung vereint“.
Auch diese Formulierung erfüllt eine andere Funktion als die Drei-Säulen-Systematik in Kapitel 2.2.
Für die Wissensseiten werden diese Ebenen deshalb bewusst getrennt:
| Stelle | Dreiergruppe |
|---|---|
| Untertitel | Klarheit, Respekt, Verantwortung |
| Kapitel 2.2 – Säulen | Respekt, Verantwortung, Gerechtigkeit |
| Kapitel 4 – Kriterien | Intention, Respekt, Werteorientierung |
| Kapitel 8.1 – wesentliche Merkmale | Respekt, Ehrlichkeit, Verantwortung |
Die drei Säulen sind kein psychologischer Test
Die Säulen können als Reflexionsrahmen verwendet werden.
Sie bilden jedoch keine validierte psychologische Skala, mit der Personen, Beziehungen oder Kommunikationssituationen objektiv diagnostiziert werden könnten.
Aussagen wie „Diese Person ist zu 70 Prozent respektvoll“ oder „Diese Beziehung erfüllt zwei von drei Säulen“ wären deshalb keine wissenschaftlich begründeten Diagnosen.
Sechs Fragen zur Selbstreflexion
- Respekt: Benenne ich mein eigenes Anliegen, ohne die Würde der anderen Person grundsätzlich abzuwerten?
- Autonomie: Lasse ich grundsätzlich Raum für die Entscheidung und Grenzen des Gegenübers?
- Verantwortung: Kann ich für meine eigene Wortwahl und Handlung einstehen?
- Folgen: Welche vorhersehbaren Auswirkungen meines Handelns sollte ich berücksichtigen?
- Gerechtigkeit: Welche berechtigten Interessen sind außer meinen eigenen für die Situation relevant?
- Grenze: Gibt es Rechte, Sicherheitserfordernisse oder andere Gründe, die einem Kompromiss Grenzen setzen?
Quellen und Literatur zu dieser Wissensseite
Modellquelle Mathias Ellmann: Die Kunst der gerechten Selbstbehauptung , insbesondere Kapitel 2.1 und 2.2, Kapitel 4.1 bis 4.3 sowie Kapitel 8.1 der veröffentlichten Fassung des E-Books.
Respekt Stanford Encyclopedia of Philosophy: Respect .
Moralische Verantwortung Stanford Encyclopedia of Philosophy: Moral Responsibility .
Gerechtigkeit Stanford Encyclopedia of Philosophy: Justice .
Grundlagen vollständig
Mit dieser Seite sind die drei Grundlagenfragen abgeschlossen: der Grundbegriff, die drei Kommunikationsebenen sowie die drei Säulen des Buchmodells.
Als nächster Themenbereich folgt „Abgrenzung und ethische Orientierung“ mit Dominanz, Manipulation, Flucht und egoistischer Selbstbehauptung.