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Grundlagen

Verbale, paraverbale und nonverbale Kommunikation

Kapitel 1 von „Die Kunst der gerechten Selbstbehauptung“ unterscheidet drei Kommunikationsebenen: den sprachlichen Inhalt, Merkmale der Stimme sowie körperliche und mimische Signale. Diese Einteilung ist hilfreich, solange Körpersprache und Tonfall nicht wie ein eindeutiges Wörterbuch innerer Zustände behandelt werden.

Stand: 19. September 2026 · Mathias Ellmann

Kurzantwort:

Verbal betrifft vor allem den sprachlichen Inhalt: Wörter, Sätze und Formulierungen.

Paraverbal bezeichnet im Buch Merkmale der Stimme wie Tonfall, Lautstärke, Sprechgeschwindigkeit und Betonung.

Nonverbal umfasst im Buch insbesondere Haltung, Gestik, Mimik und Blickverhalten.

In der wissenschaftlichen Literatur sind diese Kategorien nicht überall auf dieselbe Weise voneinander abgegrenzt. Stimme kann beispielsweise als Teil nonverbaler Kommunikation untersucht werden.

Die Dreiteilung ist die didaktische Struktur des Buches

Das Buch trennt Kommunikation in eine verbale, eine paraverbale und eine nonverbale Ebene.

Diese Einteilung ermöglicht, unterschiedliche Aspekte einer Äußerung getrennt zu betrachten: Was wird gesagt? Wie klingt die Stimme? Welche sichtbaren körperlichen Signale begleiten die Äußerung?

Wissenschaftliche Literatur verwendet jedoch nicht immer exakt dieselbe Grenzziehung. Die große Übersichtsarbeit von Hall, Horgan und Murphy zählt beispielsweise Gesicht, Stimme, Körper, Berührung und interpersonalen Abstand zum Feld nonverbaler Kommunikation.

Fachliteratur Judith A. Hall, Terrence G. Horgan und Nora A. Murphy: Nonverbal Communication, Annual Review of Psychology, 2019.

PubMed: Nonverbal Communication

Begriffspräzision: „Paraverbal“ ist auf dieser Seite die Kategorie des Buches für stimmliche Merkmale. Andere Fachliteratur kann Stimme und Prosodie dem breiteren Feld nonverbaler Kommunikation zuordnen.

Verbale Kommunikation: Was wird tatsächlich gesagt?

Kapitel 1.1 behandelt die bewusste Verwendung von Worten.

Im Buch gehören dazu insbesondere Klarheit, respektvolle Formulierungen und eine Sprache, die Verantwortung für das eigene Anliegen übernimmt.

Auf dieser Ebene kann beispielsweise geprüft werden: Ist die Aussage eindeutig? Wird eine Bitte, eine Grenze, eine Beobachtung oder eine Forderung formuliert? Enthält sie einen überprüfbaren Sachverhalt oder eine Interpretation?

Paraverbale Kommunikation: Wie klingt die Äußerung?

Kapitel 1.2 unterscheidet bei der Stimme unter anderem:

Diese Merkmale können beeinflussen, wie eine sprachliche Aussage wahrgenommen wird.

Daraus folgt jedoch nicht, dass ein einzelnes stimmliches Merkmal zuverlässig eine bestimmte Absicht, Emotion oder Persönlichkeitseigenschaft beweist.

Beobachtung statt Gedankenlesen: „Die Stimme ist leiser geworden“ ist zunächst eine Beobachtung. „Die Person ist unsicher“ ist bereits eine Interpretation, die weitere Informationen benötigt.

Nonverbale Kommunikation: Körperliche Signale im Kontext

Kapitel 1.3 behandelt insbesondere Haltung, Gestik, Mimik und Blickkontakt.

Das Buch nennt hierfür unterschiedliche praktische Beispiele. Solche Beispiele sollten jedoch nicht als feste Übersetzungstabelle für Körpersprache gelesen werden.

Ein verschränkter Arm, ein abgewandter Blick oder eine bestimmte Körperhaltung können in unterschiedlichen Situationen unterschiedliche Ursachen haben.

Kontext, Situation, individuelle Gewohnheiten und Unterschiede zwischen Menschen sind für die Interpretation relevant.

Körpersprache ist kein eindeutiger Code

Die Forschung zu nonverbaler Kommunikation beschäftigt sich sowohl damit, welche Signale Menschen senden, als auch damit, wie andere diese Signale wahrnehmen und wie genau solche Wahrnehmungen sind.

Hall, Horgan und Murphy weisen dabei auf unterschiedliche Ebenen sowie individuelle und gruppenbezogene Unterschiede hin.

Eine seriöse Einordnung behandelt ein nonverbales Signal deshalb als Information im Kontext, nicht als automatischen Beweis für einen inneren Zustand.

Grundregel: Beobachtbares Verhalten und dessen Interpretation sollten getrennt werden.

Was bedeutet die Synergie der Ebenen?

Kapitel 1.4 betont, dass Worte, Stimme und Körpersprache nicht isoliert auftreten.

Ein Satz kann beispielsweise sprachlich höflich formuliert sein, während Lautstärke oder Gestik von der angesprochenen Person als angespannt wahrgenommen werden.

Die Ebenen können sich gegenseitig unterstützen, ergänzen oder widersprüchlich wirken.

Daraus folgt allerdings nicht, dass nonverbale Kommunikation grundsätzlich wichtiger als sprachlicher Inhalt wäre.

Die 7-38-55-Regel von Mehrabian richtig einordnen

Albert Mehrabian wird häufig mit einer Aufteilung von sieben Prozent verbal, 38 Prozent stimmlich und 55 Prozent mimisch in Verbindung gebracht.

Mehrabian selbst weist auf seiner Website ausdrücklich darauf hin, dass diese Gleichungen aus Experimenten zur Kommunikation von Gefühlen und Einstellungen beziehungsweise Mögen und Ablehnung stammen.

Er erklärt außerdem, dass sie nicht anwendbar sind, wenn Menschen nicht über ihre Gefühle oder Einstellungen sprechen.

Deshalb ist es fachlich nicht korrekt, daraus die allgemeine Regel abzuleiten, in jeder Kommunikation würden Wörter nur sieben Prozent der Bedeutung ausmachen.

Originalautor und Buchliteratur Albert Mehrabian: Silent Messages: Implicit Communication of Emotions and Attitudes.

Albert Mehrabian: Erläuterung zu Silent Messages und zur Reichweite der 7-38-55-Aussage

Keine Universalformel: Die 7-38-55-Zahlen beschreiben keine allgemeingültige Gewichtung von Wort, Stimme und Körpersprache für jede Art von Kommunikation.

Körpersprache ist kein Lügendetektor

Gerade bei der Beurteilung von Täuschung ist besondere Zurückhaltung erforderlich.

Vrij, Hartwig und Granhag kommen in einer Forschungsübersicht zu dem Ergebnis, dass bisher gefundene nonverbale Täuschungshinweise schwach und unzuverlässig sind.

Auch die Meta-Analyse von Bond und DePaulo zeigt die Grenzen menschlicher Lügenerkennung: Über zahlreiche Studien hinweg lagen Wahrheits-/Lügenurteile im Durchschnitt bei ungefähr 54 Prozent richtigen Entscheidungen.

Forschungsreview Aldert Vrij, Maria Hartwig und Pär Anders Granhag: Reading Lies: Nonverbal Communication and Deception, Annual Review of Psychology, 2019.

PubMed: Reading Lies

Meta-Analyse Charles F. Bond Jr. und Bella M. DePaulo: Accuracy of Deception Judgments, 2006.

PubMed: Accuracy of Deception Judgments

Keine Lügendiagnose: Einzelne Gesten, Blickrichtungen, Körperhaltungen oder Veränderungen der Stimme erlauben keine zuverlässige Feststellung, dass eine Person lügt.

Wie die Körpersprache-Literatur des Buches einzuordnen ist

Die weiterführende Literatur von „Die Kunst der gerechten Selbstbehauptung“ nennt mehrere praxisorientierte Werke zur Körpersprache.

Dazu gehören unter anderem:

Diese Titel gehören zur praxisorientierten Buchliteratur. Sie können Beobachtungs- und Reflexionsanregungen liefern.

Sie werden auf dieser Wissensseite jedoch nicht als Nachweis verwendet, dass einzelne körperliche Signale zuverlässig Lügen, Absichten oder Persönlichkeitsmerkmale offenlegen.

Drei Ebenen sauber beschreiben

Ebene im Buch Beobachtbar Nicht automatisch daraus ableitbar
Verbal Wortwahl, Aussage, Frage, Forderung, Formulierung Die vollständige Absicht hinter den Worten
Paraverbal Lautstärke, Sprechtempo, Pausen, Betonung, Stimmqualität Eine eindeutige Emotion, Ehrlichkeit oder Persönlichkeitseigenschaft
Nonverbal Haltung, Gestik, Mimik, Blickverhalten Eine sichere Aussage über Gedanken, Motive oder Täuschung

Beobachtung, Interpretation und Rückfrage trennen

Für gerechte Selbstbehauptung ist eine einfache Unterscheidung hilfreich:

  1. Beobachtung: Was habe ich tatsächlich gehört oder gesehen?
  2. Interpretation: Welche Bedeutung schreibe ich diesem Verhalten zu?
  3. Alternative Erklärung: Welche andere Ursache wäre ebenfalls möglich?
  4. Rückfrage: Kann ich die Bedeutung durch eine sachliche Frage klären?

Diese Trennung verhindert, dass eine spontane Interpretation unbemerkt als Tatsache behandelt wird.

Was die drei Ebenen für gerechte Selbstbehauptung leisten

Das Buch nutzt die drei Ebenen nicht primär zur Analyse anderer Menschen, sondern auch zur Reflexion der eigenen Kommunikation.

Eine Person kann beispielsweise prüfen: Formuliere ich mein Anliegen klar? Spreche ich so, dass meine Aussage verständlich bleibt? Unterstützt meine Körperhaltung eine ruhige und offene Kommunikation?

Damit verschiebt sich der Schwerpunkt von der vermeintlichen Entschlüsselung anderer zur bewussteren Gestaltung der eigenen Kommunikation.

Praktischer Schwerpunkt: Die eigene Wortwahl, Stimme und Körpersprache können reflektiert werden, ohne anderen Menschen aus einzelnen Signalen innere Zustände zuzuschreiben.

Sieben Fragen für die eigene Kommunikation

  1. Inhalt: Ist klar, was ich sagen möchte?
  2. Wortwahl: Beschreibe ich mein Anliegen oder greife ich die Person an?
  3. Stimme: Unterstützt mein Tonfall die beabsichtigte Aussage?
  4. Tempo: Lasse ich genügend Raum für Verständnis und Antwort?
  5. Körpersprache: Welche sichtbaren Signale sende ich selbst?
  6. Interpretation: Verwechsle ich meine Deutung fremder Signale mit einer Tatsache?
  7. Klärung: Kann eine direkte Rückfrage ein Missverständnis besser lösen als eine Vermutung?

Quellen und Literatur zu dieser Wissensseite

Buchbezug Mathias Ellmann: Die Kunst der gerechten Selbstbehauptung , insbesondere Kapitel 1.1 bis 1.4 sowie die weiterführende Literatur zu nonverbaler Kommunikation und Körpersprache in der veröffentlichten Fassung des E-Books.

Fachliteratur Hall, Horgan & Murphy: Nonverbal Communication , Annual Review of Psychology, 2019.

Mehrabian Albert Mehrabian: Silent Messages – Erläuterung zur Reichweite der 7-38-55-Aussage .

Täuschungsforschung Vrij, Hartwig & Granhag: Reading Lies .

Bond & DePaulo: Accuracy of Deception Judgments .

Praxisorientierte Buchliteratur Joe Navarro, Joe Navarro und Marvin Karlins, Patrice Ras sowie Jack Schafer und Marvin Karlins.

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Als Nächstes: Respekt, Verantwortung und Gerechtigkeit

Die dritte Wissensseite schließt den Grundlagenbereich ab und untersucht die drei Säulen aus Kapitel 2.2 als eigenständige Bestandteile des Buchmodells.

Kommunikation und normative Orientierung: Worte, Stimme und Körpersprache beschreiben Kommunikationsebenen. Welche normativen Säulen das Buch für gerechte Selbstbehauptung verwendet, erläutert „Respekt, Verantwortung und Gerechtigkeit“ .
Körpersprache vertiefen: Wie nonverbale und stimmliche Signale methodisch vorsichtig interpretiert werden und warum einzelne Merkmale keinen Lügendetektor darstellen, erläutert „Körpersprache und Tonfall seriös einordnen“ .
Porträt von Mathias Ellmann

Über den Autor

Mathias Ellmann

Ing. Mathias Ellmann, M. Sc. arbeitet freiberuflich als IT-Sachverständiger, KI-Berater, Trainer, Autor und Dozent. Seine Arbeit verbindet technische, didaktische, ethische, unternehmerische und gesellschaftliche Fragestellungen.

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