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Grundlagen

Was ist gerechte Selbstbehauptung?

Gerechte Selbstbehauptung bezeichnet im Buch einen Ansatz, eigene Bedürfnisse, Wünsche, Positionen und Grenzen klar zu vertreten, ohne die Würde und Autonomie anderer aus dem Blick zu verlieren. Der Begriff ist das eigenständige Modell des Buches und nicht mit dem allgemeinen psychologischen Begriff der Assertiveness gleichzusetzen.

Stand: 19. September 2026 · Mathias Ellmann

Kurzantwort:

Selbstbehauptung bedeutet, eigene Bedürfnisse, Wünsche, Rechte, Meinungen oder Grenzen auszudrücken und für sie einzustehen.

Das Buch ergänzt diesen Grundgedanken um eine normative Frage: Wie kann Selbstbehauptung gerecht gestaltet werden?

Die Antwort des Buchmodells verbindet die eigene Position mit Rücksicht auf die Würde, Autonomie und Bedürfnisse anderer.

Kapitel 2.2 benennt dafür drei Säulen: Respekt, Verantwortung und Gerechtigkeit.

Selbstbehauptung und gerechte Selbstbehauptung unterscheiden

Kapitel 1 beginnt mit einem allgemeinen Verständnis von Selbstbehauptung: Menschen äußern eigene Bedürfnisse, Wünsche und Grenzen und vertreten die eigene Position.

Damit ist zunächst noch nicht entschieden, auf welche Weise dies geschieht. Eine Person kann sich beispielsweise klar und respektvoll äußern, aber auch versuchen, ihre Interessen dominant oder manipulativ durchzusetzen.

Das Adjektiv „gerecht“ fügt deshalb im Buch eine normative Ebene hinzu. Nicht allein das Durchsetzen des eigenen Anliegens ist entscheidend, sondern auch die Art und Weise, wie mit anderen Beteiligten umgegangen wird.

Modellgrenze: „Gerechte Selbstbehauptung“ wird auf dieser Wissensseite als Modell von Mathias Ellmann behandelt. Der Begriff wird nicht als allgemein etablierter psychologischer Fachbegriff ausgegeben.

Was bedeutet Assertiveness in der Psychologie?

Für die allgemeine psychologische Einordnung ist der englische Begriff assertiveness relevant.

Das APA Dictionary of Psychology beschreibt Assertiveness als einen Kommunikationsstil, bei dem eigene Gefühle und Bedürfnisse direkt ausgedrückt werden, während der Respekt gegenüber anderen erhalten bleibt.

Der verwandte Begriff self-assertion bezeichnet das Äußern eigener Meinungen beziehungsweise Handlungen, die eigene Bedürfnisse, Rechte oder Wünsche ausdrücken.

Psychologische Begriffsquelle American Psychological Association: assertiveness.

APA Dictionary of Psychology: assertiveness

APA Dictionary of Psychology: self-assertion

Wo liegen die Gemeinsamkeiten?

Zwischen allgemeiner Assertiveness und gerechter Selbstbehauptung bestehen deutliche Berührungspunkte.

Beide Perspektiven behandeln die Fähigkeit, eigene Anliegen auszudrücken, ohne den anderen Menschen allein zum Mittel der eigenen Zielerreichung zu machen.

Auch eine aktuelle wissenschaftliche Übersichtsarbeit zu Assertiveness in professionellen medizinischen Beziehungen beschreibt den Begriff relational: Eigene Ansichten, Bedürfnisse und Rechte werden kommuniziert, während zugleich die Interessen und Beziehungen zu anderen berücksichtigt werden.

Fachliteratur Gutgeld-Dror, Laor und Karnieli-Miller: Assertiveness in physicians' interpersonal professional encounters: A scoping review, Medical Education, 2024.

PubMed: Assertiveness in physicians' interpersonal professional encounters

Reichweite der Quelle: Die Scoping Review untersucht Assertiveness im Kontext professioneller medizinischer Beziehungen. Sie ist deshalb ein fachlicher Bezugspunkt für den Assertiveness-Begriff, aber keine empirische Bestätigung des gesamten Modells der gerechten Selbstbehauptung.

Wo liegt der Unterschied zum Buchmodell?

Gerechte Selbstbehauptung übernimmt nicht einfach eine vorhandene Definition von Assertiveness.

Das Buch verbindet Selbstbehauptung ausdrücklich mit einem eigenen ethisch-normativen Rahmen.

In Kapitel 2.2 werden drei Säulen formuliert:

Säule Bedeutung im Buchmodell
Respekt Würde, Autonomie und Rechte des Gegenübers berücksichtigen.
Verantwortung Für das eigene Handeln einstehen und mögliche Folgen für andere reflektieren.
Gerechtigkeit Eigene und fremde Bedürfnisse nicht einseitig betrachten, sondern Fairness und Ausgleich reflektieren.
Wichtig: Diese drei Säulen stammen aus Kapitel 2.2 des Buches. Sie sind Teil des Ellmann-Modells und werden nicht als allgemein gültige psychologische Definition von Assertiveness dargestellt.

Klarheit, Respekt und Verantwortung sind nicht die drei Säulen aus Kapitel 2.2

Auf dem Buchcover beziehungsweise im Untertitel erscheint die Formulierung „Wie man Klarheit, Respekt und Verantwortung vereint“.

Kapitel 2.2 bezeichnet dagegen ausdrücklich Respekt, Verantwortung und Gerechtigkeit als die drei Säulen der gerechten Selbstbehauptung.

Beide Formulierungen erfüllen damit unterschiedliche Funktionen. „Klarheit“ ist ein wiederkehrendes Kommunikationsmerkmal des Buches, ersetzt aber in der Kapitelstruktur nicht die Säule „Gerechtigkeit“.

Und was ist mit Intention, Respekt und Werteorientierung?

Auch diese Dreiergruppe darf nicht mit den drei Säulen aus Kapitel 2.2 verwechselt werden.

Kapitel 4 fragt: Was macht Selbstbehauptung gerecht?

Dort werden drei Faktoren behandelt:

Die drei Säulen aus Kapitel 2.2 und die drei Kriterien aus Kapitel 4 gehören damit zu unterschiedlichen Ebenen der Buchsystematik.

Gerechte Selbstbehauptung ist nicht bloß Durchsetzungsfähigkeit

Das Buch grenzt sein Modell ausdrücklich von der Vorstellung ab, Selbstbehauptung bestehe lediglich darin, sich gegen andere durchzusetzen.

Kapitel 3 behandelt hierfür vier Gegenmuster: Dominanz, Manipulation, Flucht und egoistische Selbstbehauptung.

Diese Muster werden auf einer eigenen Wissensseite ausführlich voneinander unterschieden.

Gerechte Selbstbehauptung ist auch nicht Passivität

Respekt gegenüber anderen bedeutet im Buch nicht, die eigenen Bedürfnisse oder Grenzen zurückzustellen.

Das Modell soll vielmehr einen Raum zwischen einseitiger Durchsetzung und Selbstaufgabe beschreiben.

Die eigene Position darf klar ausgesprochen werden. Gleichzeitig wird geprüft, ob die Autonomie und Würde des Gegenübers gewahrt bleiben.

Drei Kommunikationsebenen

Kapitel 1 unterscheidet drei Ebenen, auf denen Selbstbehauptung zum Ausdruck kommen kann:

Ebene Beispiele
Verbal Wortwahl, Formulierungen, Inhalt der Aussage.
Paraverbal Tonfall, Lautstärke, Sprechgeschwindigkeit und Betonung.
Nonverbal Haltung, Gestik, Mimik und Blickverhalten.

Die wissenschaftliche Bewertung dieser Kommunikationsebenen und insbesondere die Grenzen der Deutung von Körpersprache werden auf einer eigenen Wissensseite vertieft.

Selbstbehauptung kann gelernt und geübt werden

Assertiveness wird in der Psychologie nicht ausschließlich als unveränderliche Persönlichkeitseigenschaft behandelt. Es existieren strukturierte Trainingsansätze, die verbale und nonverbale Kommunikationsmuster einüben.

Psychologische Begriffsquelle American Psychological Association: assertiveness training.

APA Dictionary of Psychology: assertiveness training

Daraus folgt allerdings nicht, dass jedes konkrete Kommunikationsmodell oder jede einzelne Übung automatisch wissenschaftlich validiert ist.

Dominique Chalvin als weiterführende Buchliteratur

Das Literaturverzeichnis von „Die Kunst der gerechten Selbstbehauptung“ nennt Dominique Chalvins L'affirmation de soi: Mieux gérer ses relations avec les autres.

Das Werk gehört zur weiterführenden Literatur über Selbstbehauptung und zwischenmenschliche Beziehungen.

Buchliteratur Dominique Chalvin: L'affirmation de soi: Mieux gérer ses relations avec les autres, ESF Éditeur, 2011.

Die Quelle bietet einen weiterführenden Bezug zum allgemeinen Thema Selbstbehauptung. Sie wird hier nicht als Ursprung des Ellmann-Modells der gerechten Selbstbehauptung ausgegeben.

Eine kompakte Abgrenzung

Begriff Funktion auf dieser Wissensseite
Self-assertion Allgemeiner psychologischer Begriff für das Vertreten eigener Meinungen, Bedürfnisse, Rechte oder Wünsche.
Assertiveness Kommunikationsbezogener psychologischer Begriff, bei dem eigene Anliegen direkt und unter Respekt vor anderen ausgedrückt werden.
Gerechte Selbstbehauptung Eigenständiges Buchmodell, das Selbstbehauptung zusätzlich an Respekt, Verantwortung und Gerechtigkeit bindet.

Fünf Fragen zur eigenen Einordnung

  1. Eigenes Anliegen: Was möchte oder brauche ich konkret?
  2. Klarheit: Habe ich mein Anliegen verständlich ausgesprochen?
  3. Autonomie: Lasse ich dem Gegenüber grundsätzlich Raum für eine eigene Entscheidung?
  4. Verantwortung: Welche Folgen kann mein Verhalten für mich und andere haben?
  5. Gerechtigkeit: Berücksichtige ich ausschließlich mein eigenes Interesse oder auch berechtigte Interessen anderer?
Keine Diagnose: Diese Fragen sind Reflexionshilfen. Sie sind kein psychologischer Test und erlauben keine Diagnose einer Person oder Beziehung.

Quellen und Literatur zu dieser Wissensseite

Modellquelle Mathias Ellmann: Die Kunst der gerechten Selbstbehauptung , insbesondere Kapitel 1, Kapitel 2.1 und 2.2 sowie Kapitel 8.1 der veröffentlichten Fassung des E-Books.

Psychologische Begriffsquelle APA Dictionary of Psychology: assertiveness .

APA Dictionary of Psychology: self-assertion .

APA Dictionary of Psychology: assertiveness training .

Fachliteratur Gutgeld-Dror, Laor & Karnieli-Miller: Assertiveness in physicians' interpersonal professional encounters .

Buchliteratur Dominique Chalvin: L'affirmation de soi: Mieux gérer ses relations avec les autres, ESF Éditeur, 2011.

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Als Nächstes: verbale, paraverbale und nonverbale Kommunikation

Die nächste Wissensseite untersucht die drei Kommunikationsebenen aus Kapitel 1.1 bis 1.4 und grenzt insbesondere belastbare Beobachtung von überzogener Körpersprache-Deutung ab.

Kommunikationsebenen vertiefen: Wie sprachlicher Inhalt, Stimme und Körpersprache voneinander unterschieden werden und wo die Grenzen ihrer Interpretation liegen, erläutert „Verbale, paraverbale und nonverbale Kommunikation“ .
Die drei Säulen: Wie Respekt, Verantwortung und Gerechtigkeit innerhalb des Buchmodells voneinander unterschieden werden, erläutert „Respekt, Verantwortung und Gerechtigkeit“ .
Gegenmuster unterscheiden: Die Abgrenzung von Dominanz, Manipulation, Flucht und egoistischer Selbstbehauptung erläutert „Dominanz, Manipulation, Flucht und egoistische Selbstbehauptung unterscheiden“ .
Porträt von Mathias Ellmann

Über den Autor

Mathias Ellmann

Ing. Mathias Ellmann, M. Sc. arbeitet freiberuflich als IT-Sachverständiger, KI-Berater, Trainer, Autor und Dozent. Seine Arbeit verbindet technische, didaktische, ethische, unternehmerische und gesellschaftliche Fragestellungen.

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