Kurzantwort:
Intention fragt im Buch nach der Absicht, die hinter einer Handlung oder Äußerung steht.
Respekt fragt danach, ob Würde und Autonomie des Gegenübers im Verhalten berücksichtigt werden.
Werteorientierung fragt danach, an welchen ethischen Maßstäben das eigene Handeln ausgerichtet wird.
Kapitel 4 nennt dabei ausdrücklich Werte wie Gerechtigkeit, Fairness und Integrität.
Kapitel 4 stellt eine eigene Prüfstruktur auf
Die Einleitung von Kapitel 4 beschreibt gerechte Selbstbehauptung über Absicht, Methode und ethische Grundlage.
Anschließend behandelt das Kapitel Intention, Respekt und Werteorientierung als drei miteinander verbundene Kriterien.
Diese Struktur gehört zum Modell des Buches. Sie ist keine allgemein etablierte psychologische Skala und kein standardisierter moralphilosophischer Test.
Intention: Welche Absicht steht hinter dem Handeln?
Kapitel 4.1 bezeichnet die Absicht hinter einer Handlung als Fundament gerechter Selbstbehauptung.
Das Buch grenzt dabei eine auf Kooperation und gemeinsame Lösung gerichtete Absicht von Egoismus und Manipulation ab.
Praktisch bedeutet das: Vor einer Äußerung kann gefragt werden, ob ein Anliegen offen vertreten werden soll oder ob die andere Person lediglich zu einem gewünschten Verhalten gebracht werden soll.
Intention ist philosophisch komplexer als bloße Absicht
In der Philosophie des Handelns ist „Intention“ kein völlig einfacher Begriff.
Die Stanford Encyclopedia of Philosophy unterscheidet unter anderem eine Intention für zukünftiges Handeln, die Intention, mit der jemand handelt, und die Frage, was eine Handlung zu einer intentionalen Handlung macht.
Philosophische Fachquelle Stanford Encyclopedia of Philosophy: Intention.
Eine gute Intention reicht im Buch nicht allein aus
Kapitel 4 besteht nicht nur aus dem Kriterium Intention.
Es ergänzt die Absicht ausdrücklich durch Respekt und Werteorientierung.
Innerhalb der Buchsystematik kann eine behauptete gute Absicht daher nicht für sich allein entscheiden, ob eine Form der Selbstbehauptung gerecht ist.
Auch die Art der Kommunikation, der Umgang mit dem Gegenüber und die zugrunde gelegten Werte müssen betrachtet werden.
Respekt: Die andere Person nicht zum bloßen Mittel machen
Kapitel 4.2 stellt Respekt in den Zusammenhang mit den eigenen Bedürfnissen und der Würde und Autonomie des Gegenübers.
Als praktische Kommunikationsmerkmale nennt das Buch unter anderem Ich-Botschaften, die Vermeidung pauschaler Angriffe sowie einen ruhigen und respektvollen Gesprächsstil.
Respekt bedeutet dabei nicht automatisch Zustimmung.
Ein Widerspruch, eine Grenze oder eine Ablehnung kann respektvoll formuliert sein.
Respekt hat auch außerhalb des Buches mehrere Bedeutungen
Die philosophische Literatur unterscheidet unterschiedliche Formen und Gegenstände von Respekt.
Die Stanford Encyclopedia of Philosophy behandelt Respekt beispielsweise als Verhalten, Einstellung, Bewertung, Aufmerksamkeit oder Anerkennung und diskutiert verschiedene Arten von Respekt.
Philosophische Fachquelle Stanford Encyclopedia of Philosophy: Respect.
Werteorientierung: Woran richte ich mein Handeln aus?
Kapitel 4.3 verankert gerechte Selbstbehauptung in ethischen Prinzipien.
Das Buch nennt ausdrücklich Gerechtigkeit, Fairness und Integrität.
Werteorientierte Kommunikation soll danach nicht nur fragen, ob ein Verhalten kurzfristig erfolgreich ist, sondern auch, ob es mit den zugrunde gelegten ethischen Überzeugungen vereinbar ist.
„Werte“ sind kein selbsterklärender Einheitsbegriff
Auch philosophisch ist der Begriff des Wertes nicht auf eine einzige Theorie reduziert.
Die Werttheorie beziehungsweise Axiologie untersucht unter anderem, was als gut oder wertvoll gilt, worin Wert besteht und wie unterschiedliche Werturteile zueinander stehen.
Die Stanford Encyclopedia of Philosophy weist darauf hin, dass „value theory“ selbst in mehreren Bedeutungen verwendet wird und unterschiedliche Fragen zu Wert und Gutsein umfasst.
Philosophische Fachquelle Stanford Encyclopedia of Philosophy: Value Theory.
Persönliche Überzeugung allein macht ein Verhalten nicht gerecht
Kapitel 4.3 verbindet persönliche Überzeugungen ausdrücklich mit ethischen Prinzipien wie Fairness, Integrität und Gerechtigkeit.
Werteorientierung bedeutet im Rahmen dieser Wissensseite deshalb nicht, dass jede persönliche Überzeugung automatisch als gerecht gelten soll.
Die eigene Wertvorstellung kann vielmehr selbst zum Gegenstand der Reflexion werden: Ist sie konsistent? Wie wirkt sie auf andere? Steht sie im Konflikt mit Rechten, Würde oder berechtigten Interessen?
Die drei Kriterien im Vergleich
| Kriterium | Prüffrage | Typisches Missverständnis |
|---|---|---|
| Intention | Was möchte ich mit meinem Handeln erreichen? | „Eine gute Absicht rechtfertigt automatisch das Verhalten.“ |
| Respekt | Wie berücksichtige ich Würde und Autonomie des Gegenübers? | „Respekt bedeutet Zustimmung oder Nachgeben.“ |
| Werteorientierung | An welchen ethischen Maßstäben richte ich mein Handeln aus? | „Jeder persönlich vertretene Wert ist automatisch gerecht.“ |
Kriterien und Säulen nicht verwechseln
Die drei Kriterien aus Kapitel 4 sind nicht dieselbe Struktur wie die drei Säulen aus Kapitel 2.2.
| Buchstelle | Begriffe | Funktion |
|---|---|---|
| Kapitel 2.2 | Respekt, Verantwortung, Gerechtigkeit | Drei Säulen der gerechten Selbstbehauptung |
| Kapitel 4 | Intention, Respekt, Werteorientierung | Kriterien bei der Frage, was Selbstbehauptung gerecht macht |
| Kapitel 8.1 | Respekt, Ehrlichkeit, Verantwortung | Zusammenfassung wesentlicher Merkmale |
Intention, Verhalten und Wirkung getrennt betrachten
Eine hilfreiche praktische Unterscheidung besteht zwischen drei Ebenen:
- Intention: Was wollte ich erreichen?
- Verhalten: Was habe ich tatsächlich gesagt oder getan?
- Wirkung: Welche nachvollziehbaren Folgen hatte mein Verhalten?
Diese drei Fragen sind nicht identisch. Eine gute Absicht garantiert keine gute Wirkung, während eine unerwartete negative Wirkung nicht automatisch eine manipulative Absicht beweist.
Werteorientierung verlangt Reflexion statt Etikettierung
Das Wort „Wert“ kann leicht dazu verleiten, die eigene Position mit einem positiven Etikett zu versehen.
Für eine ernsthafte Prüfung ist jedoch wichtiger, welcher konkrete Wert gemeint ist, wie er begründet wird und welche Folgen seine Anwendung in der Situation hat.
Werteorientierung wird dadurch zu einer Reflexionsaufgabe und nicht zu einem bloßen moralischen Gütesiegel.
Sieben Fragen zur praktischen Prüfung
- Ziel: Was möchte ich mit meiner Äußerung oder Handlung erreichen?
- Transparenz: Ist meine tatsächliche Absicht mit meiner offenen Kommunikation vereinbar?
- Respekt: Wahre ich Würde und Autonomie der anderen Person?
- Grenzen: Respektiere ich ein begründetes Nein oder eine erkennbare Grenze?
- Werte: Welche Werte leite ich für mein Verhalten konkret her?
- Konsistenz: Würde ich denselben Maßstab auch auf mein eigenes Verhalten anwenden?
- Wirkung: Welche Folgen sollte ich trotz meiner ursprünglichen Absicht berücksichtigen?
Quellen und Literatur zu dieser Wissensseite
Modellquelle Mathias Ellmann: Die Kunst der gerechten Selbstbehauptung , insbesondere Kapitel 4, Kapitel 4.1 bis 4.3 sowie zur Abgrenzung Kapitel 2.2 und Kapitel 8.1 der veröffentlichten Fassung des E-Books.
Intention Stanford Encyclopedia of Philosophy: Intention .
Respekt Stanford Encyclopedia of Philosophy: Respect .
Werttheorie Stanford Encyclopedia of Philosophy: Value Theory .
Als Nächstes: Befehl, Manipulation oder gerechte Selbstbehauptung?
Die nächste Wissensseite behandelt den konkreten Vergleich aus Kapitel 5 und schließt damit den zweiten Themenbereich ab.