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Porträt von Mathias Ellmann

Methodik · Problemlösung · Entscheidungen · Beratung

Problemlösungs- und Entscheidungsprozess

Komplexe Beratungsfragen lassen sich selten durch die sofortige Suche nach einer Lösung beantworten. Zunächst muss geklärt werden, welches Problem tatsächlich vorliegt, welcher Zustand erreicht werden soll, welche Alternativen existieren und nach welchen Kriterien eine Entscheidung getroffen werden kann.

Der iterative Problemlösungszyklus

Der Prozess wird nicht als starre lineare Abfolge verstanden. Neue Informationen können zeigen, dass das Problem anders abgegrenzt werden muss, Ziele verändert werden sollten oder zusätzliche Handlungsoptionen notwendig sind. Frühere Prozessschritte werden deshalb bei Bedarf erneut durchlaufen.

1

Diagnose

Ausgangssituation, Symptome, Grenzen, Beteiligte, Abhängigkeiten, bekannte Tatsachen und offene Fragen werden untersucht. Ziel ist eine möglichst präzise Problemdefinition.

2

Zielformulierung

Der gewünschte Zustand wird beschrieben. Dazu gehören messbare Erfolgskriterien, Muss- und Kann-Ziele, Nicht-Ziele und Bedingungen, die erhalten oder vermieden werden sollen.

3

Analyse

Unterschiedliche Erklärungen, Lösungswege und technische, organisatorische oder wirtschaftliche Alternativen werden entwickelt und untersucht.

4

Entscheidungsfindung

Optionen werden anhand transparenter Kriterien bewertet. Prioritäten, Zielkonflikte, Risiken, Unsicherheiten und langfristige Folgen werden sichtbar gemacht.

5

Umsetzungsplanung

Die ausgewählte Lösung wird in konkrete Maßnahmen, Verantwortlichkeiten, Meilensteine, Nachweise, Kontrollpunkte und erneute Entscheidungstermine übersetzt.

Typische Leitfragen je Prozessstufe

Diagnose

Was ist tatsächlich das Problem?

  • Was funktioniert und was funktioniert nicht?
  • Was ist Symptom und was könnte Ursache sein?
  • Was gehört ausdrücklich nicht zum Problem?
  • Wann und unter welchen Bedingungen tritt es auf?
  • Was hat sich verändert?
  • Welche Informationen fehlen noch?
  • Was passiert, wenn nichts verändert wird?

Zielformulierung

Woran wäre eine gute Lösung erkennbar?

  • Was soll erreicht werden?
  • Was soll ausdrücklich nicht erreicht werden?
  • Was muss erhalten bleiben?
  • Welche Kriterien zeigen Erfolg oder Misserfolg?
  • Welche Ziele stehen möglicherweise miteinander in Konflikt?
  • Wer definiert den gewünschten Soll-Zustand?

Analyse

Welche realistischen Alternativen gibt es?

  • Welche Ursachenhypothesen sind plausibel?
  • Welche Faktoren beeinflussen das Problem tatsächlich?
  • Welche technischen und organisatorischen Möglichkeiten bestehen?
  • Welche einfacheren Lösungen gibt es?
  • Welche Vor- und Nachteile besitzen die Optionen?
  • Welche Risiken und Nebenwirkungen entstehen?

Entscheidung

Welche Option ist unter den Bedingungen sinnvoll?

  • Welche Kriterien sind entscheidungsrelevant?
  • Welche Ziele haben Priorität?
  • Welche Annahmen liegen der Bewertung zugrunde?
  • Welche Beschränkungen sind tatsächlich unveränderbar?
  • Welche Risiken sind akzeptabel?
  • Wie reversibel ist die Entscheidung?

Unterschiedliche Denkweisen für unterschiedliche Phasen

Die einzelnen Prozessstufen verlangen unterschiedliche Arten des Denkens. Ein häufiger Fehler besteht darin, bereits während der Diagnose nach Lösungen zu suchen oder während der Ideensuche mögliche Optionen zu früh zu bewerten.

Prozessstufe Denkweise Typische Gefahr
Diagnose Integrierend Das Problem wird zu eng, ausschließlich funktional oder im Gegenteil zu unspezifisch betrachtet.
Zielformulierung Visionär und pragmatisch Wunschbild und operative Realität werden nicht ausreichend miteinander abgestimmt.
Analyse Divergierend Es wird zu früh nach einer einzigen vermeintlich richtigen Lösung gesucht.
Entscheidungsfindung Konvergent Persönliche Präferenzen, politische Interessen oder vorschnelle Urteile verdrängen transparente Kriterien.

Drei Denkebenen

Viele Fehlentscheidungen entstehen, weil unmittelbar über Werkzeuge und Technologien gesprochen wird, obwohl Zweck und benötigte Funktion noch nicht ausreichend geklärt sind. Deshalb werden technische Fragen auf mehreren Ebenen betrachtet.

Sinn- und Begründungsebene

Warum soll überhaupt etwas verändert werden? Welches Problem soll gelöst werden? Welcher Nutzen oder Zweck rechtfertigt die Veränderung?

Funktionale Ebene

Was muss eine Lösung tatsächlich leisten? Welche Aufgaben, Funktionen und Qualitätsanforderungen sind notwendig?

Instrumentale Ebene

Wie und womit kann die benötigte Funktion realisiert werden? Erst hier werden konkrete Methoden, Technologien und Werkzeuge miteinander verglichen.

IST-Zustand und SOLL-Zustand

Gegenwart

IST-Zustand

Welche Tatsachen, Prozesse, Systeme, Daten, Fähigkeiten, Beschränkungen und Probleme bestehen heute?

Zukunft

SOLL-Zustand

Welche Fähigkeiten, Ergebnisse, Qualitätsmerkmale oder organisatorischen Zustände sollen künftig erreicht werden?

Verbindung zum Beratungsprozess

Problemlösungsprozess und Beratungsprozess sind nicht identisch. Ein Beratungsprojekt enthält zusätzlich kommerzielle und organisatorische Schritte wie Vorgespräch, Auftragsklärung, Angebot, Projektorganisation und gegebenenfalls Implementierungsbegleitung.

Innerhalb eines Beratungsprojekts kann der eigentliche Problemlösungszyklus mehrfach durchlaufen werden. Bereits in der Auftragsklärung ist meist eine erste Diagnose und Zielklärung erforderlich. Während der späteren Analyse können neue Informationen wiederum dazu führen, dass Problemdefinition oder Zielbild angepasst werden müssen.

Branchenspezifische Projektphasen können zusätzlich ein äußeres Gerüst bilden. In Software- und IT-Projekten sind beispielsweise Analyse, Lösungsdesign, Entwicklung, Test und Implementierung typische Makrophasen. Innerhalb dieser Phasen können die beschriebenen Diagnose- und Entscheidungszyklen erneut auftreten.

Anwendung in den Beratungsleistungen

Künstliche Intelligenz

KI und Responsible AI

Problemdefinition, Daten, Modellgüte, Governance, menschliche Kontrolle und technische Alternativen werden gemeinsam betrachtet.

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Startups

Strategie, Markt und Vertrieb

Geschäftsannahmen, Marktsignale, Customer Discovery, Entscheidungsrisiken und technische Optionen werden als zusammenhängendes System untersucht.

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Technik

Software, Daten und Architektur

Build-or-Buy, Architektur, Technologieauswahl, Modernisierung, Daten und technische Schulden werden anhand transparenter Kriterien verglichen.

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Methodische Herkunft

Der hier dargestellte Beratungsrahmen ist eine eigenständige Übertragung und Weiterentwicklung eines iterativen Problemlösungsansatzes auf die Beratungsfelder Künstliche Intelligenz, Responsible AI, Startups, Software, Daten und technische Entscheidungen. Als methodische Grundlage dient unter anderem: Nicolai Andler, Tools für Projektmanagement, Workshops und Consulting – Kompendium der wichtigsten Techniken und Methoden , Band 6, Publicis, Erlangen, 2015.

Die hier verwendeten Formulierungen, Beratungsbeispiele und Anwendungen auf konkrete technische und unternehmerische Fragestellungen sind für diese Website eigenständig ausgearbeitet.

Konkrete Fragestellung besprechen

Wenn eine Entscheidung mehrere technische, wirtschaftliche oder organisatorische Perspektiven verbindet, kann zunächst die Fragestellung gemeinsam abgegrenzt werden.