Kurzantwort:
Die Transaktionsanalyse ist ein von Eric Berne entwickelter psychologischer und psychotherapeutischer Ansatz mit mehreren theoretischen Konzepten.
Psychologische Spiele beziehungsweise „Games“ sind innerhalb der Transaktionsanalyse ein spezieller Begriff für wiederkehrende interpersonale Transaktionsmuster.
Das Drama-Dreieck wurde von Stephen B. Karpman innerhalb der Transaktionsanalyse entwickelt und unterscheidet die Aktionsrollen Persecutor, Rescuer und Victim.
Diese Rollen sind keine Diagnosen und keine festen Persönlichkeitstypen. Bereits Karpmans ursprüngliches Modell beschreibt Rollenwechsel.
Transaktionsanalyse ist mehr als das Drama-Dreieck
Die Transaktionsanalyse wurde von Eric Berne entwickelt.
Bereits 1958 veröffentlichte Berne einen Fachartikel über Transactional Analysis als Methode der Gruppentherapie.
Historische Fachquelle Eric Berne: Transactional analysis: a new and effective method of group therapy, American Journal of Psychotherapy, 1958.
Die heutige Ausbildungssystematik der European Association for Transactional Analysis führt zahlreiche Konzepte der Transaktionsanalyse auf.
Dazu gehören unter anderem Ich-Zustände, Transaktionen, Strokes, soziale Zeitstrukturierung, Spiele, Skripts und das Drama-Dreieck.
Fachverband und Ausbildungsstandard European Association for Transactional Analysis: TA-101-Themen.
Was sind „Psychospiele“ im Sinn der Transaktionsanalyse?
Eric Berne machte den Begriff der psychologischen Spiele insbesondere durch sein Werk Games People Play bekannt.
In der Transaktionsanalyse bezeichnet „Game“ einen theoretischen Begriff für wiederkehrende interpersonale Transaktionsmuster.
Die EATA behandelt in ihrer TA-Ausbildung unter anderem Definitionen von Spielen, Gründe für Spiele, unterschiedliche Grade von Spielen und verschiedene Möglichkeiten, ihren Ablauf zu beschreiben.
Dazu gehören das Drama-Dreieck, Formula G und Transaktionsdiagramme.
Fachverband und Ausbildungsstandard European Association for Transactional Analysis: TA 101 Introductory Course.
Ein „Spiel“ ist nicht einfach irgendein Konflikt
Der TA-Begriff des Spiels sollte nicht mit der umgangssprachlichen Aussage gleichgesetzt werden, jemand „spiele Spielchen“.
Ebenso ist nicht jeder Streit, jedes Missverständnis oder jedes unangenehme Gespräch automatisch ein psychologisches Spiel im transaktionsanalytischen Sinn.
Wer den Begriff verwendet, sollte deshalb angeben, ob er ein TA-Modell beschreibt oder lediglich eine alltagssprachliche Bewertung meint.
Eric Berne in der Literatur des Buches
Die weiterführende Literatur von „Die Kunst der gerechten Selbstbehauptung“ nennt zwei Werke von Eric Berne:
- Spiele der Erwachsenen – Psychologie der menschlichen Beziehungen,
- Was sagen Sie, nachdem Sie „Guten Tag“ gesagt haben? – Psychologie des menschlichen Verhaltens.
Im Buch werden diese Werke dem Themenfeld Beziehungsdynamiken und Konfliktlösung zugeordnet.
Das Drama-Dreieck stammt von Stephen B. Karpman
Stephen B. Karpman veröffentlichte das Drama-Dreieck 1968 in seinem Artikel Fairy Tales and Script Drama Analysis im Transactional Analysis Bulletin.
Die European Association for Transactional Analysis führt diesen Artikel als die Arbeit auf, für die Karpman 1972 den Eric Berne Memorial Award für das Drama-Dreieck erhielt.
Originalquelle Stephen B. Karpman: Fairy Tales and Script Drama Analysis, Transactional Analysis Bulletin, 7(26), 1968, S. 39–43.
Persecutor, Rescuer und Victim
Karpmans ursprünglicher Artikel bezeichnet die drei Rollen als:
- Persecutor,
- Rescuer,
- Victim.
Im Deutschen werden dafür häufig Übersetzungen wie Verfolger, Retter und Opfer verwendet.
Für eine präzise Quellenzuordnung sind jedoch die englischen Originalbegriffe wichtig.
Rollen sind keine festen Persönlichkeitstypen
Bereits Karpmans Originalartikel behandelt Persecutor, Rescuer und Victim als Aktionsrollen und stellt sie ausdrücklich Identitätsrollen gegenüber.
Außerdem ist der Rollenwechsel ein wesentlicher Bestandteil des ursprünglichen Modells.
Eine Person kann daher innerhalb eines dargestellten Ablaufs die Rolle wechseln.
Die Rollen sollten deshalb nicht als dauerhafte Persönlichkeitseigenschaften oder psychologische Diagnosen verwendet werden.
Rollenwechsel gehören zum ursprünglichen Modell
Karpmans Artikel illustriert das Drama-Dreieck anhand von Märchen und beschreibt Wechsel zwischen den drei Rollen.
Das Dreieck ist deshalb nicht sinnvoll verstanden, wenn drei Menschen jeweils dauerhaft auf genau eine Rolle festgelegt werden.
Entscheidend ist vielmehr, wie Rollen innerhalb eines Interaktionsablaufs entstehen und wechseln können.
Die Opferrolle des Modells nicht mit realer Viktimisierung verwechseln
Besonders sorgfältig muss der Begriff Victim verwendet werden.
Eine Rolle in einem Kommunikationsmodell darf nicht dazu benutzt werden, reale Gewalt, Missbrauch, Mobbing, Diskriminierung oder andere tatsächliche Schädigungen zu relativieren.
Wer objektiv Gewalt oder einen Übergriff erlebt, kann tatsächlich betroffen beziehungsweise geschädigt sein. Ein Modellbegriff hebt diese Realität nicht auf.
Das Drama-Dreieck ist keine Diagnose
Aus dem Modell lässt sich keine klinische Diagnose einer Person ableiten.
Auch Aussagen wie „Du bist ein Retter“ oder „Du bist ein Opfer“ können problematisch sein, wenn eine situative Modellrolle zu einem festen Persönlichkeitsurteil gemacht wird.
Sinnvoller ist es, konkrete Interaktionen und beobachtbares Verhalten zu beschreiben.
Karpman in der Literatur des Buches
Die weiterführende Literatur des Buches nennt Stephen B. Karpman mit dem Werk Ein Leben ohne Spiele sowie mit dem Artikel Five Trust Contracts for Couples.
Der Artikel Five Trust Contracts for Couples stammt aus dem Jahr 1979.
Er ist jedoch nicht die ursprüngliche Veröffentlichung des Drama-Dreiecks. Diese stammt aus dem Jahr 1968.
Christel Petitcollin und „Psychospiele“
Die weiterführende Literatur des Buches nennt außerdem Christel Petitcollins Werke Da mach ich nicht mehr mit! – Psychospiele durchschauen und Das kleine Übungsheft – Psychospiele durchschauen und die eigene Rolle verändern.
Diese Titel sind praxisorientierte Ratgeberliteratur.
Sie sind nicht die Ursprungsquelle der Transaktionsanalyse und nicht die Ursprungsquelle des Karpman-Drama-Dreiecks.
Dominique Chalvin und Transaktionsanalyse
Mit Les nouveaux outils de l'analyse transactionnelle nennt das Buch außerdem ein Werk von Dominique Chalvin zur Transaktionsanalyse.
Auch hier gilt: Das Werk ist weiterführende Literatur, nicht der Ursprung der Transaktionsanalyse.
Historisch ist Eric Berne der zentrale Begründer des Ansatzes.
Gibt es Forschung zur Transaktionsanalyse?
Zur Transaktionsanalyse existiert neben theoretischer und praxisorientierter Literatur auch klinische Forschung.
Vos und van Rijn veröffentlichten eine systematische Literaturübersicht und explorative Meta-Analyse zu Behandlungen auf Grundlage der Transaktionsanalyse.
Die Analyse umfasste 41 klinische Studien und berichtete über Veränderungen in mehreren psychologischen und psychosozialen Ergebnisbereichen.
Systematische Übersicht und explorative Meta-Analyse Joel Vos und Biljana van Rijn: The Effectiveness of Transactional Analysis Treatments and Their Predictors.
Journal of Humanistic Psychology: Transactional Analysis Meta-Analysis
Drei Ebenen sauber auseinanderhalten
| Ebene | Einordnung |
|---|---|
| Transaktionsanalyse | Umfassender theoretischer und psychotherapeutischer Ansatz mit mehreren Konzepten. |
| Psychologische Spiele | Spezifisches Konzept innerhalb der Transaktionsanalyse für bestimmte wiederkehrende Transaktionsmuster. |
| Drama-Dreieck | Von Stephen B. Karpman entwickeltes Modell zur Beschreibung bestimmter Rollen und Rollenwechsel in dramatischen Interaktionsabläufen. |
Drama-Dreieck und gerechte Selbstbehauptung sind nicht dasselbe Modell
Das Drama-Dreieck stammt von Stephen B. Karpman.
Gerechte Selbstbehauptung ist das Modell von Mathias Ellmann.
Beide können sich auf interpersonale Dynamiken beziehen, erfüllen jedoch unterschiedliche Funktionen und besitzen unterschiedliche theoretische Herkunft.
Das Drama-Dreieck darf deshalb nicht als Ursprung oder wissenschaftlicher Nachweis der gerechten Selbstbehauptung dargestellt werden.
Verhalten beschreiben, bevor Rollen vergeben werden
Für die praktische Reflexion ist es oft hilfreicher, zunächst konkrete Vorgänge zu beschreiben.
Beispielsweise: Wer sagt was? Welche Bitte wird formuliert? Wer übernimmt Verantwortung? Wo wird Druck ausgeübt? Welche Grenzen werden respektiert? Welche Rollen verändern sich im Verlauf?
Erst danach kann geprüft werden, ob ein Modell wie das Drama-Dreieck tatsächlich einen zusätzlichen Erkenntniswert bietet.
Neun Fragen für eine vorsichtige Einordnung
- Begriff: Verwende ich „Psychospiel“ alltagssprachlich oder im Sinn der Transaktionsanalyse?
- Verhalten: Welche konkreten Transaktionen oder Kommunikationshandlungen kann ich tatsächlich beobachten?
- Muster: Handelt es sich um ein einmaliges Ereignis oder einen wiederkehrenden Ablauf?
- Rollen: Welche Rolle beschreibt lediglich eine Situation und welche Aussage mache ich möglicherweise über die ganze Person?
- Wechsel: Verändern sich die Rollen im Verlauf der Interaktion?
- Motiv: Verwechsle ich eine Modellhypothese mit sicherem Wissen über die Absicht eines Menschen?
- Realität: Gibt es reale Gewalt, Missbrauch, Diskriminierung oder andere Schädigung, die nicht durch ein Rollenmodell relativiert werden darf?
- Nutzen: Hilft das Modell, konkrete Handlungsoptionen sachlicher zu erkennen?
- Grenze: Wäre eine direkte Beschreibung des beobachtbaren Verhaltens präziser als eine Rollenbezeichnung?
Quellen und Literatur zu dieser Wissensseite
Buchbezug Mathias Ellmann: Die Kunst der gerechten Selbstbehauptung , weiterführende Literatur zu Psychospielen, Beziehungsdynamiken, Konfliktlösung, Transaktionsanalyse und Selbstreflexion in der veröffentlichten Fassung des E-Books.
Buchliteratur Eric Berne: Spiele der Erwachsenen – Psychologie der menschlichen Beziehungen sowie Was sagen Sie, nachdem Sie „Guten Tag“ gesagt haben?.
Buchliteratur Stephen B. Karpman: Ein Leben ohne Spiele sowie Five Trust Contracts for Couples.
Weitere Buchliteratur Dominique Chalvin: Les nouveaux outils de l'analyse transactionnelle; Christel Petitcollin: Literatur zu Psychospielen.
Historische Fachquelle Eric Berne: Transactional analysis: a new and effective method of group therapy .
Fachverband EATA: TA 101 Topics .
Originalquelle Drama-Dreieck Stephen B. Karpman: Fairy Tales and Script Drama Analysis , 1968.
Forschungsübersicht Vos & van Rijn: The Effectiveness of Transactional Analysis Treatments and Their Predictors .
Kommunikation und Konfliktdynamik vollständig
Mit dieser Seite sind die drei Wissensseiten des dritten Themenbereichs abgeschlossen.
Als nächster Themenbereich folgt „Anwendung und Grenzen“ mit dem Verhältnis von gewaltfreier und einfühlsamer Kommunikation zur gerechten Selbstbehauptung, der Anwendung in verschiedenen Lebensbereichen sowie den Grenzen von Selbstbehauptung bei Gewalt, Missbrauch, Mobbing und Diskriminierung.