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Kommunikation und Konfliktdynamik

Psychospiele, Transaktionsanalyse und Drama-Dreieck einordnen

Die weiterführende Literatur von „Die Kunst der gerechten Selbstbehauptung“ verweist unter anderem auf Eric Berne, Stephen B. Karpman, Dominique Chalvin und Christel Petitcollin. Ihre Modelle und Praxisansätze sind nicht identisch: Transaktionsanalyse, der TA-Begriff des psychologischen Spiels und das Drama-Dreieck müssen voneinander unterschieden werden.

Stand: 19. September 2026 · Mathias Ellmann

Kurzantwort:

Die Transaktionsanalyse ist ein von Eric Berne entwickelter psychologischer und psychotherapeutischer Ansatz mit mehreren theoretischen Konzepten.

Psychologische Spiele beziehungsweise „Games“ sind innerhalb der Transaktionsanalyse ein spezieller Begriff für wiederkehrende interpersonale Transaktionsmuster.

Das Drama-Dreieck wurde von Stephen B. Karpman innerhalb der Transaktionsanalyse entwickelt und unterscheidet die Aktionsrollen Persecutor, Rescuer und Victim.

Diese Rollen sind keine Diagnosen und keine festen Persönlichkeitstypen. Bereits Karpmans ursprüngliches Modell beschreibt Rollenwechsel.

Transaktionsanalyse ist mehr als das Drama-Dreieck

Die Transaktionsanalyse wurde von Eric Berne entwickelt.

Bereits 1958 veröffentlichte Berne einen Fachartikel über Transactional Analysis als Methode der Gruppentherapie.

Historische Fachquelle Eric Berne: Transactional analysis: a new and effective method of group therapy, American Journal of Psychotherapy, 1958.

PubMed: Transactional analysis

Die heutige Ausbildungssystematik der European Association for Transactional Analysis führt zahlreiche Konzepte der Transaktionsanalyse auf.

Dazu gehören unter anderem Ich-Zustände, Transaktionen, Strokes, soziale Zeitstrukturierung, Spiele, Skripts und das Drama-Dreieck.

Fachverband und Ausbildungsstandard European Association for Transactional Analysis: TA-101-Themen.

EATA: TA 101 Topics

Begriffspräzision: Das Drama-Dreieck ist ein Konzept innerhalb der Transaktionsanalyse. Es ist nicht mit der gesamten Transaktionsanalyse gleichzusetzen.

Was sind „Psychospiele“ im Sinn der Transaktionsanalyse?

Eric Berne machte den Begriff der psychologischen Spiele insbesondere durch sein Werk Games People Play bekannt.

In der Transaktionsanalyse bezeichnet „Game“ einen theoretischen Begriff für wiederkehrende interpersonale Transaktionsmuster.

Die EATA behandelt in ihrer TA-Ausbildung unter anderem Definitionen von Spielen, Gründe für Spiele, unterschiedliche Grade von Spielen und verschiedene Möglichkeiten, ihren Ablauf zu beschreiben.

Dazu gehören das Drama-Dreieck, Formula G und Transaktionsdiagramme.

Fachverband und Ausbildungsstandard European Association for Transactional Analysis: TA 101 Introductory Course.

EATA: Game analysis und Drama Triangle

Ein „Spiel“ ist nicht einfach irgendein Konflikt

Der TA-Begriff des Spiels sollte nicht mit der umgangssprachlichen Aussage gleichgesetzt werden, jemand „spiele Spielchen“.

Ebenso ist nicht jeder Streit, jedes Missverständnis oder jedes unangenehme Gespräch automatisch ein psychologisches Spiel im transaktionsanalytischen Sinn.

Wer den Begriff verwendet, sollte deshalb angeben, ob er ein TA-Modell beschreibt oder lediglich eine alltagssprachliche Bewertung meint.

Keine Motivediagnose: Die Bezeichnung „Psychospiel“ ist kein sicherer Beweis dafür, dass eine Person bewusst täuscht, manipuliert oder einen bestimmten inneren Plan verfolgt.

Eric Berne in der Literatur des Buches

Die weiterführende Literatur von „Die Kunst der gerechten Selbstbehauptung“ nennt zwei Werke von Eric Berne:

Im Buch werden diese Werke dem Themenfeld Beziehungsdynamiken und Konfliktlösung zugeordnet.

Buchliteratur: Die Nennung eines Werkes in der weiterführenden Literatur bedeutet nicht, dass sämtliche Konzepte dieses Werkes Bestandteil des Ellmann-Modells sind.

Das Drama-Dreieck stammt von Stephen B. Karpman

Stephen B. Karpman veröffentlichte das Drama-Dreieck 1968 in seinem Artikel Fairy Tales and Script Drama Analysis im Transactional Analysis Bulletin.

Die European Association for Transactional Analysis führt diesen Artikel als die Arbeit auf, für die Karpman 1972 den Eric Berne Memorial Award für das Drama-Dreieck erhielt.

Originalquelle Stephen B. Karpman: Fairy Tales and Script Drama Analysis, Transactional Analysis Bulletin, 7(26), 1968, S. 39–43.

Karpman: Originalartikel und Quellenangabe

EATA: Eric Berne Memorial Award und Drama Triangle

Quellenherkunft: Das Drama-Dreieck ist ein Modell von Stephen B. Karpman. Es stammt nicht von Mathias Ellmann und nicht von Christel Petitcollin.

Persecutor, Rescuer und Victim

Karpmans ursprünglicher Artikel bezeichnet die drei Rollen als:

Im Deutschen werden dafür häufig Übersetzungen wie Verfolger, Retter und Opfer verwendet.

Für eine präzise Quellenzuordnung sind jedoch die englischen Originalbegriffe wichtig.

Rollen sind keine festen Persönlichkeitstypen

Bereits Karpmans Originalartikel behandelt Persecutor, Rescuer und Victim als Aktionsrollen und stellt sie ausdrücklich Identitätsrollen gegenüber.

Außerdem ist der Rollenwechsel ein wesentlicher Bestandteil des ursprünglichen Modells.

Eine Person kann daher innerhalb eines dargestellten Ablaufs die Rolle wechseln.

Die Rollen sollten deshalb nicht als dauerhafte Persönlichkeitseigenschaften oder psychologische Diagnosen verwendet werden.

Rolle statt Identität: „Victim“, „Rescuer“ und „Persecutor“ bezeichnen Positionen innerhalb eines Modells. Sie sagen nicht, was ein Mensch als Person dauerhaft „ist“.

Rollenwechsel gehören zum ursprünglichen Modell

Karpmans Artikel illustriert das Drama-Dreieck anhand von Märchen und beschreibt Wechsel zwischen den drei Rollen.

Das Dreieck ist deshalb nicht sinnvoll verstanden, wenn drei Menschen jeweils dauerhaft auf genau eine Rolle festgelegt werden.

Entscheidend ist vielmehr, wie Rollen innerhalb eines Interaktionsablaufs entstehen und wechseln können.

Die Opferrolle des Modells nicht mit realer Viktimisierung verwechseln

Besonders sorgfältig muss der Begriff Victim verwendet werden.

Eine Rolle in einem Kommunikationsmodell darf nicht dazu benutzt werden, reale Gewalt, Missbrauch, Mobbing, Diskriminierung oder andere tatsächliche Schädigungen zu relativieren.

Wer objektiv Gewalt oder einen Übergriff erlebt, kann tatsächlich betroffen beziehungsweise geschädigt sein. Ein Modellbegriff hebt diese Realität nicht auf.

Keine Täter-Opfer-Umkehr: Das Drama-Dreieck darf nicht als Begründung verwendet werden, einer geschädigten Person Verantwortung für fremde Gewalt oder einen Übergriff zuzuschreiben.

Das Drama-Dreieck ist keine Diagnose

Aus dem Modell lässt sich keine klinische Diagnose einer Person ableiten.

Auch Aussagen wie „Du bist ein Retter“ oder „Du bist ein Opfer“ können problematisch sein, wenn eine situative Modellrolle zu einem festen Persönlichkeitsurteil gemacht wird.

Sinnvoller ist es, konkrete Interaktionen und beobachtbares Verhalten zu beschreiben.

Karpman in der Literatur des Buches

Die weiterführende Literatur des Buches nennt Stephen B. Karpman mit dem Werk Ein Leben ohne Spiele sowie mit dem Artikel Five Trust Contracts for Couples.

Der Artikel Five Trust Contracts for Couples stammt aus dem Jahr 1979.

Er ist jedoch nicht die ursprüngliche Veröffentlichung des Drama-Dreiecks. Diese stammt aus dem Jahr 1968.

Quellenpräzision: Karpman 1968 ist die Originalquelle des Drama-Dreiecks. Karpman 1979 behandelt die Five Trust Contracts und ist eine andere Veröffentlichung.

Christel Petitcollin und „Psychospiele“

Die weiterführende Literatur des Buches nennt außerdem Christel Petitcollins Werke Da mach ich nicht mehr mit! – Psychospiele durchschauen und Das kleine Übungsheft – Psychospiele durchschauen und die eigene Rolle verändern.

Diese Titel sind praxisorientierte Ratgeberliteratur.

Sie sind nicht die Ursprungsquelle der Transaktionsanalyse und nicht die Ursprungsquelle des Karpman-Drama-Dreiecks.

Dominique Chalvin und Transaktionsanalyse

Mit Les nouveaux outils de l'analyse transactionnelle nennt das Buch außerdem ein Werk von Dominique Chalvin zur Transaktionsanalyse.

Auch hier gilt: Das Werk ist weiterführende Literatur, nicht der Ursprung der Transaktionsanalyse.

Historisch ist Eric Berne der zentrale Begründer des Ansatzes.

Gibt es Forschung zur Transaktionsanalyse?

Zur Transaktionsanalyse existiert neben theoretischer und praxisorientierter Literatur auch klinische Forschung.

Vos und van Rijn veröffentlichten eine systematische Literaturübersicht und explorative Meta-Analyse zu Behandlungen auf Grundlage der Transaktionsanalyse.

Die Analyse umfasste 41 klinische Studien und berichtete über Veränderungen in mehreren psychologischen und psychosozialen Ergebnisbereichen.

Systematische Übersicht und explorative Meta-Analyse Joel Vos und Biljana van Rijn: The Effectiveness of Transactional Analysis Treatments and Their Predictors.

Journal of Humanistic Psychology: Transactional Analysis Meta-Analysis

Reichweite der Forschung: Forschung zur Wirksamkeit transaktionsanalytischer Behandlungen ist nicht dasselbe wie eine gesonderte Validierung jedes einzelnen theoretischen Konzepts. Aus Therapieergebnissen folgt daher nicht automatisch, dass beispielsweise jedes „Game“, jede Rollenbeschreibung oder jede Anwendung des Drama-Dreiecks empirisch bestätigt wäre.

Drei Ebenen sauber auseinanderhalten

Ebene Einordnung
Transaktionsanalyse Umfassender theoretischer und psychotherapeutischer Ansatz mit mehreren Konzepten.
Psychologische Spiele Spezifisches Konzept innerhalb der Transaktionsanalyse für bestimmte wiederkehrende Transaktionsmuster.
Drama-Dreieck Von Stephen B. Karpman entwickeltes Modell zur Beschreibung bestimmter Rollen und Rollenwechsel in dramatischen Interaktionsabläufen.

Drama-Dreieck und gerechte Selbstbehauptung sind nicht dasselbe Modell

Das Drama-Dreieck stammt von Stephen B. Karpman.

Gerechte Selbstbehauptung ist das Modell von Mathias Ellmann.

Beide können sich auf interpersonale Dynamiken beziehen, erfüllen jedoch unterschiedliche Funktionen und besitzen unterschiedliche theoretische Herkunft.

Das Drama-Dreieck darf deshalb nicht als Ursprung oder wissenschaftlicher Nachweis der gerechten Selbstbehauptung dargestellt werden.

Modellherkunft: Drama-Dreieck: Stephen B. Karpman. Gerechte Selbstbehauptung: Mathias Ellmann. Die Modelle werden nicht miteinander gleichgesetzt.

Verhalten beschreiben, bevor Rollen vergeben werden

Für die praktische Reflexion ist es oft hilfreicher, zunächst konkrete Vorgänge zu beschreiben.

Beispielsweise: Wer sagt was? Welche Bitte wird formuliert? Wer übernimmt Verantwortung? Wo wird Druck ausgeübt? Welche Grenzen werden respektiert? Welche Rollen verändern sich im Verlauf?

Erst danach kann geprüft werden, ob ein Modell wie das Drama-Dreieck tatsächlich einen zusätzlichen Erkenntniswert bietet.

Neun Fragen für eine vorsichtige Einordnung

  1. Begriff: Verwende ich „Psychospiel“ alltagssprachlich oder im Sinn der Transaktionsanalyse?
  2. Verhalten: Welche konkreten Transaktionen oder Kommunikationshandlungen kann ich tatsächlich beobachten?
  3. Muster: Handelt es sich um ein einmaliges Ereignis oder einen wiederkehrenden Ablauf?
  4. Rollen: Welche Rolle beschreibt lediglich eine Situation und welche Aussage mache ich möglicherweise über die ganze Person?
  5. Wechsel: Verändern sich die Rollen im Verlauf der Interaktion?
  6. Motiv: Verwechsle ich eine Modellhypothese mit sicherem Wissen über die Absicht eines Menschen?
  7. Realität: Gibt es reale Gewalt, Missbrauch, Diskriminierung oder andere Schädigung, die nicht durch ein Rollenmodell relativiert werden darf?
  8. Nutzen: Hilft das Modell, konkrete Handlungsoptionen sachlicher zu erkennen?
  9. Grenze: Wäre eine direkte Beschreibung des beobachtbaren Verhaltens präziser als eine Rollenbezeichnung?
Reflexionshilfe, keine Diagnose: Transaktionsanalyse und Drama-Dreieck können als Denkmodelle zur Beschreibung von Interaktionen verwendet werden. Die hier genannten Fragen liefern keine klinische Diagnose und kein sicheres Wissen über Persönlichkeit oder Motive.

Quellen und Literatur zu dieser Wissensseite

Buchbezug Mathias Ellmann: Die Kunst der gerechten Selbstbehauptung , weiterführende Literatur zu Psychospielen, Beziehungsdynamiken, Konfliktlösung, Transaktionsanalyse und Selbstreflexion in der veröffentlichten Fassung des E-Books.

Buchliteratur Eric Berne: Spiele der Erwachsenen – Psychologie der menschlichen Beziehungen sowie Was sagen Sie, nachdem Sie „Guten Tag“ gesagt haben?.

Buchliteratur Stephen B. Karpman: Ein Leben ohne Spiele sowie Five Trust Contracts for Couples.

Weitere Buchliteratur Dominique Chalvin: Les nouveaux outils de l'analyse transactionnelle; Christel Petitcollin: Literatur zu Psychospielen.

Historische Fachquelle Eric Berne: Transactional analysis: a new and effective method of group therapy .

Fachverband EATA: TA 101 Topics .

Originalquelle Drama-Dreieck Stephen B. Karpman: Fairy Tales and Script Drama Analysis , 1968.

Forschungsübersicht Vos & van Rijn: The Effectiveness of Transactional Analysis Treatments and Their Predictors .

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Mit dieser Seite sind die drei Wissensseiten des dritten Themenbereichs abgeschlossen.

Als nächster Themenbereich folgt „Anwendung und Grenzen“ mit dem Verhältnis von gewaltfreier und einfühlsamer Kommunikation zur gerechten Selbstbehauptung, der Anwendung in verschiedenen Lebensbereichen sowie den Grenzen von Selbstbehauptung bei Gewalt, Missbrauch, Mobbing und Diskriminierung.

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Über den Autor

Mathias Ellmann

Ing. Mathias Ellmann, M. Sc. arbeitet freiberuflich als IT-Sachverständiger, KI-Berater, Trainer, Autor und Dozent. Seine Arbeit verbindet technische, didaktische, ethische, unternehmerische und gesellschaftliche Fragestellungen.

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