01 · Begriff und Funktion

Was ist Coupé?

Coupé bezeichnet einen schneidenden Gewichts- oder Fußwechsel, bei dem ein Fuß den Platz oder die Funktion des anderen übernimmt; Detailgebrauch ist schulabhängig. Weitere gebräuchliche Bezeichnungen: coupé.

Kategorie

Verbindungsschritte

Bewegungsoperation

wechseln · kreuzen · schließen · öffnen · übertragen

Technische Funktion

präziser Gewichtswechsel, Fußkoordination und Verbindung zwischen größeren Bewegungen

Darstellungsstatus

Interaktive schematische Bewegungsanalyse mit eigener Bewegungslogik

02 · Technische Ausführung

Worauf es bei Coupé ankommt

Gewichtswechsel

Jeder Schritt klärt, welcher Fuß tatsächlich trägt.

Fußnähe

Kleine Schritte bleiben nah und präzise; unnötige Ausweichbewegungen werden vermieden.

Aufrichtung

Rumpf und Kopf bleiben über der wechselnden Basis organisiert.

Rhythmus

Die Schrittfolge besitzt eine klare zeitliche Gliederung.

Richtung

Reiseweg und Fußfolge müssen unabhängig voneinander lesbar bleiben.

Körperwissen: Beobachte, wie dein Gewicht von Fuß zu Fuß weitergegeben wird.

03 · Bewegungsphasen

Coupé Schritt für Schritt

1 · Ausgang

Tragenden Fuß und Bewegungsrichtung klären.

2 · Gewichtswechsel

Das Gewicht wird eindeutig auf die neue Basis übertragen.

3 · Weiterführung

Die Fußfolge setzt sich rhythmisch und räumlich fort.

4 · Abschluss

Die Folge endet in einer klaren, weiterverwendbaren Position.

04 · Für Kinder und Einsteiger

Einfach beobachten und ausprobieren

Mach kleine klare Schritte und spüre jedes Mal: Welcher Fuß trägt mich jetzt?

Spürfrage

Welcher Fuß oder welches Bein trägt dich gerade – und welches bewegt sich?

Beobachtungsfrage

Bleibt dein Oberkörper so organisiert, dass die Bewegungsrichtung klar erkennbar bleibt?

Merksatz

Arbeite nur so groß, schnell oder hoch, wie du die Bewegung kontrolliert und ohne Schmerz ausführen kannst.

05 · Unterricht und Rückmeldung

Was Lehrende und Lernende beobachten können

Technik

Achsen, Fußarbeit, Gewichtsverteilung und kontrollierte Endposition.

Kraft

Dosierter Krafteinsatz passend zur Bewegungsaufgabe.

Beweglichkeit

Nutzbarer Bewegungsumfang ohne sichtbare Kompensation.

Musikalität

Timing, Dauer, Bewegungsfluss und bewusste Akzentsetzung.

Präsenz

Richtung, Blick, Beginn und Abschluss bleiben klar lesbar.

Maximale Höhe, Geschwindigkeit, Ausdrehung oder Bewegungsweite sind keine sinnvollen alleinigen Bewertungskriterien. Entscheidend bleibt die kontrollierte, körperlich nachvollziehbare Ausführung.

06 · Choreografische Verwendung

Wie sich die Wirkung von Coupé verändern lässt

Eine technische Bewegung wird auf der Bühne durch Zeit, Raum, Form, Blick und Beziehung gestaltet. Diese Variablen verändern die Wahrnehmung, ohne der Bewegung eine feste psychologische Bedeutung zuzuschreiben.

Tempo

Kleine Schritte können ruhig gleiten oder sehr schnell fließen.

Weg

Gerade, diagonal oder kreisförmig verändert die Raumwirkung.

Dichte

Viele kleine Schritte können Nähe, Unruhe oder Kontinuität erzeugen.

Beziehung

Schrittfolgen können begleiten, verfolgen, umkreisen oder Abstand herstellen.

07 · Gefühl, Bedürfnis und Beziehung

Mögliche Lesarten – keine festen Bedeutungen

Gefühle und Bedürfnisse werden nicht aus Coupé selbst abgeleitet. Sie entstehen als mögliche Lesarten einer konkreten Situation und bleiben von Absicht und Bewegungsoperation getrennt.

Ruhig und kontrolliert

Mögliche Gefühle: Konzentration, Sammlung. Mögliche Bedürfnisse: Orientierung, Stabilität. Mögliche Absichten: vorbereiten, ordnen, einen Zustand halten.

Schnell oder akzentuiert

Mögliche Gefühle: Entschlossenheit, Spannung. Mögliche Bedürfnisse: Klarheit, Wirksamkeit. Mögliche Absichten: einen Impuls setzen, Richtung markieren.

In Beziehung zu anderen

Mögliche Gefühle: Verbundenheit, Vorsicht, Widerstand oder Neugier – je nach Kontext. Mögliche Bedürfnisse: Kooperation, Autonomie, Respekt oder Orientierung. Mögliche Absichten: antworten, folgen, ausweichen, unterstützen oder Grenzen markieren.

Choreografische Leitfrage: Wie verändert die Handlung eines Menschen die Handlungsmöglichkeiten eines anderen?

08 · Weiterlernen

Von Coupé zu weiteren Bewegungen

Pas de Bourrée

Kleine verbindende Schrittfolge mit präzisem Gewichtswechsel und klarer Fußorganisation.

Tombé

Tombé ist eine kontrollierte Gewichtsübertragung in ein gebeugtes Bein. Der Körper „fällt“ nicht unkontrolliert, sondern gibt gezielt in eine neue tragende Basis nach.

Temps lié

Temps lié verbindet Plié, Tendu, Gewichtsübertragung und Schließen zu einer fließenden Übergangsfolge.

Passé / Retiré

Einbeinige Balance- und Durchgangsorganisation mit Arbeitsfuß am Standbein.

Ergänzender fachlicher Hintergrund

Bücher zum Lernen und Körperwissen

Das Bewegungslexikon ergänzt zwei Buchprojekte von Mathias Ellmann: den Ballett-Lehrbaum für reflektiertes und gesundes Lernen sowie Leni und Oskar und das Geheimnis des Ballettbaums für jüngere Leserinnen und Leser.

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Leni und Oskar und das Geheimnis des Ballettbaums

Eine Geschichte über Körpergefühl, Mut, Lernen und Freude an Entwicklung für jüngere Leserinnen und Leser.

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Konzeption · Ballettwissen · Choreografie

Mathias Ellmann

Mathias Ellmann

Mathias Ellmann entwickelt das Ballett-Bewegungslexikon als Verbindung von klassischer Balletttechnik, Körperwissen, Lernen und choreografischer Anwendung.

Bewegungen werden zunächst beobachtbar beschrieben. Erst danach werden choreografische Variablen, Beziehung und mögliche dramaturgische Lesarten ergänzt.

In den zeitgenössischen Ballettprojekten wird klassische Balletttechnik als präzise Sprache menschlicher Beziehungen verwendet. Im Zentrum steht die Frage: Wie verändert die Handlung eines Menschen die Handlungsmöglichkeiten eines anderen?

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