Vier Projekte · eine übergreifende künstlerische Entwicklung

Von Wahrnehmung über Zusammenarbeit und Würde zur Autonomie

Become Visible, Built Together, Stay Upright und The Primal Struggle sind eigenständige Werke. Gemeinsam bilden sie eine künstlerische Werkreihe, die grundlegende Bedingungen menschlicher Beziehung aus unterschiedlichen Perspektiven untersucht.

Become Visible fragt, wann ein Mensch für einen anderen tatsächlich sichtbar wird. Built Together untersucht, wie aus Wahrnehmung gemeinsame Handlung und geteilte Verantwortung entstehen. Stay Upright verschiebt den Fokus auf Würde, Hilfe, Kontrollverlust und Selbstbestimmung. The Primal Struggle führt die Untersuchung in den gemeinsam genutzten Raum: Was geschieht, wenn Gewohnheit zur Grenze wird und Sicherheit davon abhängig gemacht wird, wie sich ein anderer bewegt?

Die vier Ballettprojekte

Wahrnehmen · gemeinsam handeln · Würde bewahren · eigenständig bleiben

Cover von Become Visible mit einer Ballettfigur im Licht vor einem Ensemble

Wahrnehmung · Beziehung · Anerkennung

Become Visible

Ein zeitgenössisches Ballettprojekt über Wahrnehmung, Beziehung und Sichtbarkeit

Zwölf Menschen teilen denselben Raum und bleiben zunächst füreinander unsichtbar. Sichtbarkeit beginnt dort, wo eine Person auf eine andere reagiert: durch Blick, Verzögerung, Annäherung, Grenze, Antwort oder Unterstützung.

Sieben Szenen führen von Nichtwahrnehmung über Nähe, Konflikt und Anerkennung zu einem gemeinsamen Raum. Das Schlussbild bewahrt Unterschiede, statt sie in Gleichförmigkeit oder Triumph aufzulösen.

Menschen werden sichtbar, wenn ihre Anwesenheit das Verhalten anderer verändert.

Gattung zeitgenössisches Ballett
Dauer ca. 40 Minuten, ohne Pause
Besetzung 12 Tänzerinnen und Tänzer
Struktur 7 aufeinander aufbauende Szenen
Raum Studiobühne bis mittlere Bühne
Sprache ohne gesprochenen Text
  • Wahrnehmung
  • Nähe und Grenze
  • Konflikt
  • Anerkennung
  • Sichtbarkeit
Cover von Built Together mit einem Ensemble um einen Ball

Zusammenarbeit · Verantwortung · Weitergabe

Built Together

Ein zeitgenössisches Ballettprojekt über Zusammenarbeit, Vertrauen und gemeinsames Schaffen

Ausgangspunkt ist ein einzelner Ball. Durch Beobachtung, Annäherung, Übergaben, Konflikte und Neuorientierungen entwickelt sich ein gemeinsamer Prozess. Das Ensemble ist die Hauptfigur.

Verantwortung bleibt nicht an einer Person gebunden. Sie wird übernommen, geteilt und weitergegeben. So wird sichtbar, wie aus individuellen Impulsen eine Gemeinschaft entstehen kann, ohne Unterschiede aufzulösen.

Menschen erschaffen gemeinsam etwas, das keiner von ihnen allein hervorbringen könnte.

Gattung zeitgenössisches Ballett
Dauer ca. 50–55 Minuten, ohne Pause
Besetzung Standardfassung 16, variabel 12–24 Personen
Struktur 9 aufeinander aufbauende Szenen
Zentrales Objekt ein Ball als dramaturgischer Motor
Sprache nonverbal
  • Zusammenarbeit
  • Vertrauen
  • Verantwortung
  • Gemeinschaft
  • Weitergabe
Cover von Stay Upright mit einer aus dem Gleichgewicht geratenen Ballettfigur

Haltung · Kontrollverlust · Würde

Stay Upright

Ein zeitgenössisches Ballettprojekt über Haltung, Kontrollverlust, Würde und Selbstbestimmung

Eine technisch versierte Ballettfigur gerät schrittweise aus dem Gleichgewicht. Zwischen Ballettsaal, Fest, Bar, öffentlichem Blick und privatem Rückzug verändert sich nicht nur ihre körperliche Sicherheit, sondern auch das Verhalten der Gemeinschaft.

Das Werk fragt, wie Würde und Selbstbestimmung bestehen können, wenn Aufrichtung nicht länger selbstverständlich ist und Hilfe zugleich Unterstützung, Beobachtung und Grenzüberschreitung bedeuten kann.

Würde endet nicht dort, wo Kontrolle brüchig wird.

Vorgesehener Rahmen abendfüllendes zeitgenössisches Ballett
Dauer abhängig von endgültiger Musik- und Übergangsfassung
Besetzung Hauptfigur, Gegenfigur und Ensemble; empfohlen 14 Personen, anpassbar
Struktur 9 aufeinander aufbauende Szenen
Sprache nonverbal
Besonderheit kontrollierte Instabilität und Kostümdramaturgie
  • Haltung
  • Kontrollverlust
  • Öffentlicher Blick
  • Hilfe und Grenze
  • Würde
Cover von The Primal Struggle mit vier Figuren in einer Kreisordnung

Raum · Grenze · Sicherheit · Autonomie

The Primal Struggle

Ein zeitgenössisches Ballett über Raum, Grenze, Sicherheit, Autonomie, Selbstachtung und die Entstehung von Konflikt

Vier Menschen benutzen denselben Bühnenraum. Wiederkehrende Wege erzeugen Vertrautheit und Erwartung, obwohl keine sichtbare Grenzlinie und kein ausgesprochener Besitzanspruch bestehen. Erst eine veränderte Route macht sichtbar, dass aus wiederholter Raumnutzung längst eine Erwartung entstanden ist.

Aus Wahrnehmung entstehen Grenze, Bitte, Forderung, Kontrolle und Gegenkontrolle. Das Werk zeigt keinen Sieger. Am Ende öffnen sich die zuvor geschlossenen Raumordnungen; vier eigenständige Personen behalten eigene Wege, Richtungen und Entscheidungen im selben Raum.

Gemeinsamer Raum entsteht dort, wo Menschen ihre eigene Bewegungsfreiheit bewahren können, ohne dafür die Bewegungsfreiheit anderer kontrollieren zu müssen.

Gattung zeitgenössisches Ballett
Dauer ca. 20 Minuten, ohne Pause
Besetzung 4 Tänzerinnen und Tänzer
Struktur 8 aufeinander aufbauende Szenen
Spielfläche ideal ca. 12 × 10 m, Minimum ca. 10 × 8 m
Technik klassisches Ballett in zeitgenössischer Verwendung
  • Raum
  • Grenze
  • Sicherheit
  • Autonomie
  • Selbstachtung

Choreografische Handschrift

Choreografie der Beziehung

Mathias Ellmann benutzt klassische Balletttechnik als präzise Sprache menschlicher Beziehungen. Seine Handschrift ist die Choreografie der Beziehung: Nicht eine wiederkehrende Pose oder Schrittfolge verbindet die Werke, sondern die Frage, wie die Handlung eines Menschen die Handlungsmöglichkeiten eines anderen verändert.

Richtung, Distanz, Geschwindigkeit, Blick, Timing, Kontakt und räumliche Wege werden dabei zu dramaturgischen Mitteln. Sie bestimmen nicht nur, wie sich eine einzelne Figur bewegt, sondern auch, welche Möglichkeiten für andere Figuren entstehen, bestehen bleiben oder eingeschränkt werden.

In Become Visible machen Blick, Abstand, Annäherung und Grenze Wahrnehmung und Anerkennung körperlich sichtbar. In Built Together organisieren Übergaben, Partnerwechsel und gemeinsame Aufgaben Verantwortung und Zusammenarbeit. In Stay Upright verhandeln Aufrichtung, Gewichtsverlagerung, Instabilität und Kontakt Hilfe, Würde und Selbstbestimmung. In The Primal Struggle zeigen Radius, Richtung, Blockade, Ausweichen, Reaktion und Nicht-Reaktion, wie aus gemeinsam genutztem Raum Erwartung, Grenze, Kontrolle und schließlich wieder Autonomie entstehen können.

Wie verändert die Handlung eines Menschen die Handlungsmöglichkeiten eines anderen?

Dramaturgische Lesbarkeit

Vier eigenständige Entwicklungsbögen – eine gemeinsame Vertiefung menschlicher Beziehung

Die vier Projekte erzählen keine gemeinsame fortlaufende Handlung. Ihre Reihenfolge macht jedoch eine übergreifende Entwicklung lesbar: Become Visible beginnt mit Wahrnehmung und Anerkennung. Built Together entwickelt daraus gemeinsames Handeln und geteilte Verantwortung. Stay Upright führt die Frage zu Unterstützung, Selbstbestimmung und Würde. The Primal Struggle untersucht schließlich, wie Sicherheit und Autonomie in einem gemeinsam genutzten Raum bestehen können, ohne in Kontrolle über die Bewegung anderer zu kippen.

Was geschieht? Beobachtbares körperliches oder räumliches Ereignis.
Was stellt es dar? Dramaturgische oder zwischenmenschliche Bedeutung.
Was verändert sich? Gefühl, Bedürfnis, Beziehung oder Verantwortung.
Warum ist es wichtig? Funktion der Phase für den Gesamtbogen des Werkes.

01 · Become Visible · 7 Szenen

Von Nichtwahrnehmung zu Anerkennung und gemeinsamem Raum

Zwölf Menschen befinden sich im selben Raum, ohne zunächst eine wirkliche Beziehung zueinander herzustellen. Sichtbarkeit entsteht nicht dadurch, dass eine Person einfach ins Zentrum tritt, sondern indem andere auf ihre Anwesenheit reagieren. Nähe, Grenze und Konflikt gehören deshalb ebenso zum Werk wie Anerkennung.

Entwicklungsbogen: Nichtwahrnehmung → erste Reaktion → Annäherung → Nähe und Grenze → Konflikt → Anerkennung → gemeinsamer Raum
Szenischer Entwicklungsbogen von Become Visible
Szene Was geschieht? Was stellt es dar? Gefühl / Bedürfnis Warum wichtig?
1. Nichtwahrnehmung Zwölf Personen teilen denselben Raum, bewegen sich jedoch weitgehend unabhängig. Anwesenheit ohne Beziehung. Distanz; Bedürfnisse nach Wahrnehmung, Anerkennung und Zugehörigkeit. Räumliche Nähe allein erzeugt noch keine menschliche Verbindung.
2. Erste Reaktion Ein Blick, eine Verzögerung oder ein Richtungswechsel beantwortet erstmals eine andere Bewegung. Aufmerksamkeit und erste gegenseitige Relevanz. Neugier, Spannung; Orientierung und Anerkennung. Ein Mensch wird sichtbar, weil sein Verhalten eine Reaktion auslöst.
3. Annäherung Wege, Blicke und Bewegungen beziehen sich zunehmend aufeinander. Interesse und entstehende Beziehung. Nähe, Vertrauen, Zugehörigkeit. Beziehung entsteht durch wiederholte gegenseitige Aufmerksamkeit.
4. Nähe und Grenze Kontakt wird angeboten, angenommen, verzögert oder abgelehnt. Beziehung enthält Nähe und persönliche Grenze. Nähe und Autonomie. Nähe wird nicht mit Harmonie gleichgesetzt; Grenze bleibt eine lesbare Form von Beziehung.
5. Konflikt Unterschiedliche Bewegungsabsichten treffen aufeinander. Unterschiedlichkeit und widersprüchliche Bedürfnisse. Respekt, Autonomie, Verständnis. Wahrnehmung bedeutet nicht, dass Menschen dasselbe wollen müssen.
6. Anerkennung Eine Person nimmt die Grenze oder Entscheidung einer anderen wahr und verändert ihr eigenes Verhalten. Anerkennung ohne Gleichmachung. Respekt, Wertschätzung, Akzeptanz. Beziehung kann bestehen, ohne den anderen verändern zu müssen.
7. Gemeinsamer Raum Alle bleiben unterscheidbar und teilen bewusst denselben Raum. Zugehörigkeit ohne Gleichförmigkeit. Gemeinschaft, Anerkennung, Integrität. Das Schlussbild bewahrt Unterschiedlichkeit.

02 · Built Together · 9 Szenen

Von Wahrnehmung zu gemeinsamem Handeln und geteilter Verantwortung

Das Ensemble ist die Hauptfigur. Ein Ball setzt einen sozialen und choreografischen Prozess in Gang. Aus Wahrnehmung entstehen Annäherung, Struktur und Zusammenarbeit. Eine Krise zwingt die Gruppe, Verantwortung neu zu verteilen.

Entwicklungsbogen: Aufgabe → Annäherung → Ordnung → Zusammenarbeit → Krise → Neuorientierung → gemeinsames Tragen → Vollendung → Weitergabe
Szenischer Entwicklungsbogen von Built Together
Szene Was geschieht? Was stellt es dar? Gefühl / Bedürfnis Warum wichtig?
1. Die Aufgabe Ein Ball wird wahrgenommen; Blickrichtungen und Wege verändern sich. Eine gemeinsame Aufgabe erscheint. Orientierung, Sinn, Klarheit. Gemeinsamkeit beginnt mit Wahrnehmung, nicht mit sofortiger Lösung.
2. Die Annäherung Erste Reaktionen, Übergaben und Beziehungen entstehen. Beginn von Beteiligung und Verantwortung. Zugehörigkeit und Beteiligung. Aus individueller Wahrnehmung wird erste gemeinsame Handlung.
3. Die Ordnung Wiederholbare Abläufe, Raumwege und temporäre Rollen entstehen. Struktur und gemeinsame Organisation. Ordnung, Verlässlichkeit, Orientierung. Zusammenarbeit benötigt Regeln ohne starre Hierarchie.
4. Die Bewegung Ball, Partnerwechsel und Raumwege fließen zunehmend sicher. Funktionierende Kooperation. Vertrauen, Wirksamkeit, Gemeinschaft. Koordinierte Unterschiede erzeugen eine gemeinsame Form.
5. Das Hindernis Der bisher funktionierende Ablauf wird gestört. Krise des gemeinsamen Systems. Verständigung, Sicherheit, Verlässlichkeit. Die Störung zeigt, ob Zusammenarbeit anpassungsfähig ist.
6. Die Neuorientierung Rollen, Wege und Partnerschaften werden verändert. Lernfähigkeit und Neuverteilung von Verantwortung. Autonomie, Entwicklung, Verantwortung. Die Gruppe entwickelt eine neue Ordnung statt zur alten zurückzukehren.
7. Das gemeinsame Tragen Verantwortung und Gewicht werden von mehreren Personen getragen. Interdependenz und geteilte Verantwortung. Vertrauen, Unterstützung, Gemeinschaft. Verantwortung wird körperlich als geteilte Funktion sichtbar.
8. Die Vollendung Die Gruppe erreicht eine gemeinsame stabile Konstellation. Würdigung des gemeinsam Geschaffenen. Sinn, Anerkennung, Gemeinschaft. Der Prozess erhält einen sichtbaren Zwischenabschluss.
9. Der neue Anfang Das Erarbeitete wird weitergegeben. Zukunft und Offenheit. Entwicklung, Sinn, Verantwortung. Das Werk endet mit Weitergabe statt Besitz oder Triumph.

03 · Stay Upright · 9 Szenen

Von Kontrolle und Fassade zu Hilfe, Grenze und neuer Haltung

Verantwortung betrifft nun nicht nur eine gemeinsame Aufgabe, sondern einen Menschen, dessen gewohnte körperliche und soziale Sicherheit brüchig wird. Dadurch entsteht die schwierigere Frage, wann Unterstützung hilft, wann sie zur Kontrolle wird und wie Selbstbestimmung gewahrt bleibt.

Entwicklungsbogen: Kontrolle → Öffnung → erste Abweichung → Behauptung → Kontrollverlust → öffentlicher Blick → Rückzug → Hilfe und Grenze → neue Haltung
Szenischer Entwicklungsbogen von Stay Upright
Szene Was geschieht? Was stellt es dar? Gefühl / Bedürfnis Warum wichtig?
1. Die perfekte Ordnung Körper, Raum und Ensemble funktionieren präzise. Technik, Ordnung, Sicherheit. Selbstsicherheit, Selbstachtung, Orientierung. Der Ausgangszustand macht spätere Abweichungen lesbar.
2. Das Fest Kontakte, Dynamik und soziale Interaktionen nehmen zu. Lebendigkeit und beginnende Entgrenzung. Zugehörigkeit, Freude, Anerkennung. Veränderung erscheint zunächst nicht als Krise.
3. Die Bar Kleine Unsicherheiten werden sichtbar; die Hauptfigur korrigiert Haltung und Auftreten. Fassade und sozialer Blick. Anerkennung, Sicherheit, Selbstachtung. Innerer Zustand und äußeres Bild beginnen auseinanderzufallen.
4. Die Behauptung Kontrolle wird aktiver und demonstrativer verteidigt. Selbstbehauptung und Schutz des öffentlichen Bildes. Selbstachtung, Anerkennung, Kontrolle. Je unsicherer die Kontrolle, desto größer der Aufwand ihrer Behauptung.
5. Der Kontrollverlust Instabilität wird eindeutig; Korrekturen funktionieren nicht zuverlässig. Verletzlichkeit und Begrenztheit körperlicher Kontrolle. Sicherheit, Schutz, Würde. Der zentrale körperliche Wendepunkt.
6. Der öffentliche Blick Das Ensemble richtet seine Aufmerksamkeit auf die Hauptfigur. Körperliche Unsicherheit wird gesellschaftliches Ereignis. Respekt, Zugehörigkeit, Orientierung. Würde hängt auch vom Verhalten der Umgebung ab.
7. Zu Hause Die öffentliche Situation fällt weg; Bewegungen werden kleiner und privater. Private Verletzlichkeit ohne Fassade. Ruhe, Schutz, Selbstkontakt. Der Mensch wird von seiner öffentlichen Rolle getrennt.
8. Hilfe und Grenze Unterstützung wird angeboten, abgelehnt, später selbst initiiert und schließlich geteilt. Verhältnis von Hilfe, Autonomie und Vertrauen. Selbstbestimmung, Unterstützung, Vertrauen. Hilfe ist nicht automatisch gut; entscheidend bleibt die Entscheidung der betroffenen Person.
9. Eine neue Haltung Unterschiedlichkeit und Beziehung bestehen gleichzeitig. Würde ohne Wiederherstellung alter Perfektion. Würde, Vertrauen, Zugehörigkeit. Das Werk endet mit einer veränderten Definition von Aufrichtung und Stabilität.

04 · The Primal Struggle · 8 Szenen

Von Gewohnheit und Grenze über gegenseitige Kontrolle zu offenen eigenständigen Wegen

Vier Menschen nutzen denselben Raum. Wiederkehrende Wege erzeugen zunächst Vertrautheit und Erwartbarkeit. Erst eine veränderte Route macht sichtbar, dass aus wiederholter Raumnutzung längst eine Erwartung entstanden ist. Eine unsichtbare Grenze wird durch Verhalten wirksam. Der Konflikt verschärft sich dort, wo die Bewegung des anderen zur Bedingung der eigenen Sicherheit oder Selbstachtung wird.

Entwicklungsbogen: Gewohnheit → Wahrnehmung → Grenze → Überschreitung → Forderung → Kontrolle → gegenseitige Abhängigkeit → Öffnung
Szenischer Entwicklungsbogen von The Primal Struggle
Szene Was geschieht? Was stellt es dar? Gefühl / Bedürfnis Warum wichtig?
1. Das Land Wiederkehrende Wege bilden vertraute räumliche Ordnungen. Gewohnheit erzeugt Orientierung und Erwartbarkeit. Ordnung, Autonomie, Zugehörigkeit. Die spätere Grenze wird erst lesbar, weil zuvor eine stabile Ordnung besteht.
2. Der fremde Reiz Eine Veränderung wird wahrgenommen; Blick und Wege reagieren erstmals darauf. Aus selbstverständlicher Gewohnheit wird bewusste Erwartung. Orientierung, Sicherheit, Autonomie. Die andere Person erhält räumliche Bedeutung.
3. Die Überschreitung Eine Figur verlässt den vertrauten Weg und betritt einen anders behandelten Raum. Eine unsichtbare Grenze wird durch Verhalten wirksam. Sicherheit, Autonomie, Orientierung. Nicht die Überschreitung allein, sondern die Reaktion darauf bestimmt die weitere Entwicklung.
4. Warnung, Bitte, Forderung Aus Irritation entstehen Bitte, Forderung und zunehmender Druck. Der Schutz des eigenen Raums kippt in Einfluss auf fremde Bewegung. Sicherheit, Respekt, Autonomie. Ein berechtigtes Bedürfnis wird mit einer kontrollierenden Strategie verbunden.
5. Der Kreis wird zur Arena Blockade und Gegenblockade verdichten die räumliche Beziehung. Aus Widerstand entsteht gegenseitige Kontrolle. Autonomie, Selbstachtung, Sicherheit. Der Konflikt löst sich zunehmend vom ursprünglichen Anlass.
6. Der Spiegelkampf Beide Seiten reagieren immer unmittelbarer aufeinander und steigern ihre Bewegungen. Einfluss wird zu gegenseitiger Abhängigkeit. Selbstachtung, Anerkennung, Autonomie. Die entscheidende Frage wird sichtbar: Wer bringt wen dazu, die eigene Bewegung zu verändern? Je stärker beide den anderen beeinflussen wollen, desto kleiner wird ihr eigener Entscheidungsraum.
7. Was verteidigen wir noch? Die Konfliktbewegung reduziert sich. Andere Figuren überschreiten die frühere Grenze, ohne einen neuen Kampf auszulösen. Grenze und Konflikt werden voneinander lösbar. Ruhe, Orientierung, Autonomie. Wahrnehmung muss nicht mehr automatisch eine Gegenreaktion erzwingen.
8. Die neue Ordnung Bekannte Impulse bleiben wahrnehmbar, lösen aber nicht mehr automatisch die erwartete Gegenbewegung aus. Die Wege öffnen sich. Gemeinsamer Raum ohne Verschmelzung und ohne Sieger. Sicherheit, Respekt, Autonomie. Nicht die Unterschiede verschwinden, sondern der Zwang, sie durch gegenseitige Kontrolle beantworten zu müssen.

Gemeinsame künstlerische Linie

Die vier Werke sind eigenständig, lassen sich aber über eine gemeinsame Entwicklung menschlicher Beziehung lesen.

01 · Become Visible: Wahrnehmung und Anerkennung – Wie nehme ich den anderen wahr?

02 · Built Together: Zusammenarbeit und Verantwortung – Wie handle ich mit anderen?

03 · Stay Upright: Würde, Hilfe und Selbstbestimmung – Wie unterstütze ich einen anderen, ohne ihn zu übernehmen?

04 · The Primal Struggle: Sicherheit, Grenze und Autonomie – Wie bleiben wir eigenständig, obwohl wir denselben Raum teilen?

Übergreifende Bewegung: Wahrnehmung → Zusammenarbeit → Würde → Autonomie.

Projektstand und Unterlagen

Vier umfassend ausgearbeitete Werke – offen für die konkrete Bühnenrealisierung

Für die vier Projekte liegen ausführliche Werkunterlagen in unterschiedlicher Ausprägung vor: Exposés, Zuschauerbücher sowie umfangreiche Produktions- und Regiebücher. Die Materialien umfassen je nach Werk dramaturgische und szenische Partituren, Bewegungsprinzipien, Figuren- und Ensemblelogik, Raum-, Licht- und Musikkonzepte, Probenplanung sowie technische Abläufe.

Je nach Projekt vorhandene Materialien

  • Kurzexposé und ausführliches Exposé
  • Zuschauerbuch
  • Produktions- und Regiebuch
  • dramaturgische und szenische Partituren
  • Bewegungsprinzipien und Figurenlogik
  • Raum- und Bühnenstruktur
  • Licht- und Musikdramaturgie
  • Proben- und Produktionsplanung
  • technische Abläufe und Inspizienz
  • Programm-, Presse- und Vermittlungstexte

Auftragsarbeit

Werkentwicklung mit einem Ensemble

Einstudierung, ensemblebezogene Anpassung und Präzisierung des ausgewählten Projekts in einem professionellen Probenprozess.

Koproduktion

Gemeinsame künstlerische Realisierung

Abstimmung von Choreografie, Dramaturgie, Musik, Licht, Kostüm, Produktion und Finanzierung.

Residenz

Recherche und Erprobung

Nutzung der ausgearbeiteten Werkfassung für Einstudierung, räumliche Übertragung, szenische Erprobung und technische Abstimmung.

Bühnenrealisierung

Fassung für das konkrete Haus

Anpassung an Ensemblegröße, Bühne und Produktionsrahmen unter Wahrung des dramaturgischen Kerns.

Künstlerische Mitarbeit

Assistenz, Einstudierung und tänzerische Entwicklung

Für die konkrete Realisierung sind Gespräche mit künstlerischer Assistenz, Repetitorinnen und Repetitoren sowie erfahrenen Tänzerinnen, Tänzern und Solistinnen und Solisten ausdrücklich willkommen.

Festival oder Studio

Konzentrierte Fassung

Erarbeitung einer möglichen kürzeren oder technisch reduzierten Fassung, sofern der Werkkern und die dramaturgische Logik erhalten bleiben.

Publikums- und Vermittlungspotenzial

Künstlerische Zugänglichkeit ohne Vereinfachung

Tanz- und Theaterpublikum

Die Projekte verbinden präzise choreografische Strukturen mit körperlich nachvollziehbaren Beziehungen im Raum. Die Werkreihe schafft einen zusätzlichen Zugang über vier grundlegende Fragen menschlicher Beziehung.

Ensemble und Vermittlung

Die Werke lassen sich unmittelbar in Probenfragen übersetzen: Nehme ich andere wahr? Wie verändert meine Handlung die Gruppe? Wann hilft Unterstützung? Wann beginnt mein Bedürfnis, die Handlungsmöglichkeiten eines anderen einzuschränken?

Internationale Kontexte

Die nonverbale Anlage ermöglicht unterschiedliche kulturelle Lesarten und eine Realisierung ohne gesprochenen Text.

Begleitende Formate

Denkbar sind Einführungen, Publikumsgespräche, Workshops, Probenbesuche und moderierte Nachgespräche.

Choreografie und Konzeption

Mathias Ellmann

Mathias Ellmann

Mathias Ellmann entwickelt choreografische und dramaturgische Konzepte für zeitgenössische Ballettwerke. Er benutzt klassische Balletttechnik als präzise Sprache menschlicher Beziehungen. Seine choreografische Handschrift ist die Choreografie der Beziehung. Im Zentrum seiner Arbeit steht die Frage: Wie verändert die Handlung eines Menschen die Handlungsmöglichkeiten eines anderen?

Die vier Projekte Become Visible, Built Together, Stay Upright und The Primal Struggle bilden eine künstlerische Entwicklung von Wahrnehmung über Zusammenarbeit und Würde bis zur Autonomie.

Im Zentrum stehen beobachtbare relationale Prozesse: Blick, Distanz, Annäherung, Übergabe, Gewichtsverlagerung, Grenze, Unterstützung, Reaktion und Veränderungen im gemeinsam genutzten Raum. Bewegung wird dabei nicht nur als individuelle Handlung verstanden, sondern danach organisiert, wie sie die Möglichkeiten anderer Menschen verändert.

Gesucht wird die Zusammenarbeit mit professionellen Ensembles, Theatern, Produktionspartnern sowie geeigneter künstlerischer Assistenz und erfahrenen Ballettkünstlerinnen und Ballettkünstlern, um die ausgearbeiteten Werke einzustudieren, an konkrete Ensembles und Bühnen anzupassen und zur Aufführung zu bringen.

Ergänzender fachlicher Hintergrund

Ergänzend zu seiner choreografischen Arbeit entwickelt Mathias Ellmann Modelle und Bücher zu Körperwissen, Motivation, Selbstachtung und künstlerischem Lernen im Ballett. Der Ballett-Lehrbaum beschreibt ein Modell für gesundes, reflektiertes und künstlerisch orientiertes Lernen. Leni und Oskar und das Geheimnis des Ballettbaums überträgt zentrale Gedanken in eine Geschichte über Körpergefühl, Mut und Freude am Lernen.

Buchcover Der Ballett-Lehrbaum von Mathias Ellmann

Der Ballett-Lehrbaum

Ein Modell für gesundes, reflektiertes und künstlerisch orientiertes Lernen im Ballett – mit Blick auf Körperwissen, Motivation, Selbstachtung und langfristige Entwicklung.

Zum Ballett-Lehrbaum
Buchcover Leni und Oskar und das Geheimnis des Ballettbaums von Mathias Ellmann

Leni und Oskar und das Geheimnis des Ballettbaums

Eine Geschichte über Körpergefühl, Lernen, Mut und Freude an Entwicklung, die Grundgedanken des Ballett-Lehrbaums für jüngere Leserinnen und Leser zugänglich macht.

Zum Kinderbuch

Weitere Informationen zum Zusammenhang von Ballett-Lehrbaum und Ballettbaum sowie ergänzende fachliche Inhalte zu Balletttechnik und Körperwissen finden sich auf den thematischen Buch- und Wissensseiten.

Häufige Fragen

Fragen zu Werkreihe, Unterlagen und Zusammenarbeit

Bilden die vier Werke eine fortlaufende Tetralogie?

Nein. Die vier Werke sind eigenständig und erzählen keine fortlaufende Handlung. Sie lassen sich jedoch als gemeinsame künstlerische Werkreihe lesen: Wahrnehmung und Anerkennung, Zusammenarbeit und Verantwortung, Würde und Selbstbestimmung sowie Grenze, Sicherheit und Autonomie.

Warum ist die Reihenfolge Become Visible, Built Together, Stay Upright, The Primal Struggle?

Die Reihenfolge folgt einer Vertiefung menschlicher Beziehung. Zunächst wird untersucht, wann ein anderer Mensch überhaupt wahrgenommen und anerkannt wird. Darauf kann gemeinsames Handeln entstehen. Anschließend wird die Frage nach Hilfe, Würde und Selbstbestimmung konkret. The Primal Struggle führt diese Entwicklung in den gemeinsam genutzten Raum und untersucht, wann Sicherheit und Grenze in Kontrolle über andere kippen.

Was untersucht The Primal Struggle?

Das Werk beginnt mit vier Menschen und wiederkehrenden räumlichen Ordnungen. Erst eine veränderte Route macht sichtbar, dass aus wiederholter Raumnutzung längst eine Erwartung entstanden ist. Eine unsichtbare Grenze wird durch Verhalten wirksam. Daraus entwickeln sich Bitte, Forderung, Kontrolle und Gegenkontrolle. Der Schluss zeigt keinen Sieger, sondern vier eigenständige Wege in einem wieder geöffneten gemeinsamen Raum.

Für welche Partner sind die Ballettprojekte entwickelt?

Die Projekte richten sich an Theater, professionelle Ballett- und Tanzcompagnien, Festivals, Produktionshäuser, Koproduktionspartner und Förderinstitutionen. Für Einstudierung und Entwicklung sind außerdem Gespräche mit künstlerischer Assistenz, Repetitorinnen und Repetitoren sowie erfahrenen Tänzerinnen, Tänzern und Solistinnen und Solisten willkommen.

Welche Unterlagen liegen zu den Projekten vor?

Für die Projekte liegen Exposés, Zuschauerbücher sowie umfangreiche Produktions- und Regieunterlagen vor. Je nach Werk enthalten diese dramaturgische und szenische Partituren, Bewegungsprinzipien, Figuren- und Ensemblelogik, Raum-, Licht- und Musikkonzepte, Probenplanung und technische Abläufe.

Sind die Projekte vollständig festgelegt?

Die künstlerischen, dramaturgischen und choreografischen Strukturen sind ausgearbeitet. Die konkrete Aufführungsfassung wird mit dem jeweiligen Ensemble einstudiert und innerhalb des Werkkerns an Besetzung, Raum, Dauer und Produktionsrahmen angepasst.

Warum werden die vollständigen Produktions- und Regieunterlagen nicht öffentlich angeboten?

Die Unterlagen enthalten umfangreiche künstlerische, choreografische, dramaturgische und produktionstechnische Ausarbeitungen. Sie werden deshalb bei konkretem Interesse nach persönlicher Abstimmung gezielt bereitgestellt.

Sind die Projekte für internationale Zusammenarbeit geeignet?

Die Projekte sind nonverbal angelegt. Die Themen werden durch Körper, Bewegung, Raum, Blick, Kontakt, Musik und Licht vermittelt und sind deshalb für internationale Ensembles und Festivals anschlussfähig.

Welche Funktion haben die dargestellten Entwicklungsbögen?

Die Entwicklungsbögen erläutern die dramaturgische Funktion der aufeinander aufbauenden Phasen: Was verändert sich körperlich, welche Beziehung wird sichtbar und warum ist diese Veränderung für den weiteren Verlauf des Werkes notwendig? Die detaillierten choreografischen Abläufe bleiben Bestandteil der projektbezogenen Produktions- und Regieunterlagen.

Zusammenarbeit

Anfragen von Theatern, Compagnien, Festivals, Produktionspartnern und künstlerischer Mitarbeit

Im ersten Austausch werden das passende Projekt, der künstlerische Rahmen und die mögliche Form der Zusammenarbeit besprochen. Vertiefende Unterlagen werden anschließend gezielt bereitgestellt. Auch Anfragen von erfahrener künstlerischer Assistenz, Repetitorinnen und Repetitoren sowie Tänzerinnen, Tänzern und Solistinnen und Solisten mit Interesse an einer späteren Einstudierung sind willkommen.

Vollständiges Cover