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Politische Muster einordnen

Nationalismus, Totalitarismus und Terrorismus unterscheiden

Nationalismus, Totalitarismus und Terrorismus bezeichnen nicht dasselbe politische Phänomen. Sie gehören unterschiedlichen begrifflichen Ebenen an und sollten weder miteinander noch automatisch mit Populismus gleichgesetzt werden.

Stand: 19. September 2026 · Mathias Ellmann

Kurzantwort:

Nationalismus kann eine politische Bewegung, eine Haltung zur eigenen Nation oder ein System politischer Überzeugungen bezeichnen.

Totalitarismus bezeichnet dagegen ein Konzept politischer Herrschaft und einen besonders weitreichenden Herrschaftsanspruch.

Beim Terrorismus handelt es sich um einen rechtlich und wissenschaftlich umstrittenen Begriff für bestimmte gewaltbezogene Handlungen und Strategien. Eine universell vereinbarte allgemeine Rechtsdefinition existiert im UN-System nicht.

Kapitel 13 bis 15 von „Populismus entlarven“ untersuchen, wie diese unterschiedlichen Phänomene kommunikativ vereinfacht oder instrumentalisiert werden können.

Drei Begriffe auf unterschiedlichen Ebenen

Begriff Analytische Ebene Zentrale Prüffrage
Nationalismus Politische Überzeugungen, nationale Identität und politische Bewegung Welche Bedeutung erhält die Nation für Identität, Zugehörigkeit und politische Selbstbestimmung?
Totalitarismus Herrschafts- und Regierungskonzept Wie weit reicht der Anspruch politischer Herrschaft auf Gesellschaft, Information und individuelles Leben?
Terrorismus Umstrittener Begriff für bestimmte gewaltbezogene Handlungen und Strategien Welche Gewalt- oder Drohhandlungen, Ziele und Wirkungsabsichten werden konkret beschrieben?
Grundregel: Aus dem Vorliegen eines dieser Phänomene folgt nicht automatisch das Vorliegen eines der beiden anderen. Ebenso ist keines dieser drei Konzepte mit Populismus gleichzusetzen.

Nationalismus ist ein mehrdeutiger Begriff

Der Begriff Nationalismus wird in Philosophie, Politikwissenschaft und öffentlicher Sprache nicht immer gleich verwendet.

Die Stanford Encyclopedia of Philosophy beschreibt mehrere Verwendungsweisen: Nationalismus kann eine politische Bewegung, eine Haltung zur eigenen Nation oder ein System politischer Überzeugungen bezeichnen.

Nationalistische Überzeugungen können zudem unterschiedliche Ausprägungen annehmen und mit anderen politischen oder weltanschaulichen Positionen verbunden werden.

Politische Philosophie Stanford Encyclopedia of Philosophy: Nationalism.

Stanford Encyclopedia of Philosophy: Nationalism

Begriffliche Präzisierung: Nationalismus besitzt verschiedene Ausprägungen. Die bloße Bezugnahme auf Nation, nationale Identität oder nationale Interessen reicht deshalb nicht für eine weitergehende politische Klassifikation aus.

Was Kapitel 13 untersucht

Kapitel 13 des Buches behandelt nationale Identität zunächst als möglichen Bezugspunkt für Zusammenhalt und Zugehörigkeit.

Anschließend untersucht das Kapitel, wie eine exklusive Deutung nationaler Identität kommunikativ verwendet werden kann.

Im Mittelpunkt stehen dabei vier Muster:

Das Buch formuliert, dass nicht jede Bezugnahme auf nationale Identität problematisch ist. Analysiert wird vielmehr, wie diese Bezugnahme argumentativ eingesetzt wird.

Nationalismus und Populismus nicht gleichsetzen

Nationalismus und Populismus sind unterschiedliche Konzepte.

Populistische Kommunikation kann nationale Identität aufgreifen. Daraus folgt jedoch nicht, dass Nationalismus definitionsgemäß Populismus ist oder dass jede national orientierte Position populistisch formuliert wird.

Für eine Analyse sollte daher getrennt geprüft werden: Welche Aussage über Nation und Zugehörigkeit wird tatsächlich gemacht? Und welche Argumentationsstruktur wird verwendet?

Totalitarismus bezeichnet eine andere Kategorie

Totalitarismus bezeichnet keine bloße rhetorische Zuspitzung und kein einzelnes Kommunikationsmerkmal.

In der politischen Theorie dient der Begriff zur Analyse bestimmter Herrschaftsformen und Herrschaftsansprüche.

Hannah Arendts Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft gehört zu den klassischen Arbeiten der Totalitarismusforschung.

Politische Theorie Hannah Arendt: Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft. Originalausgabe 1951.

Stanford Encyclopedia of Philosophy: Hannah Arendt

Arendt verstand Totalitarismus als ein politisches Phänomen, das sich nach ihrer Analyse wesentlich von anderen bekannten Formen politischer Unterdrückung unterscheidet.

Zu ihrer Analyse gehören unter anderem Ideologie, Terror und totaler Herrschaftsanspruch.

Fachliche Einordnung: Arendts Theorie ist ein bedeutender wissenschaftlicher Ansatz, aber nicht die einzig mögliche politikwissenschaftliche Definition von Totalitarismus.

Was Kapitel 14 untersucht

Kapitel 14 des Buches arbeitet mit einer breiten Arbeitsbeschreibung totalitärer Herrschaft: Konzentration von Macht, Ausschaltung von Opposition, Kontrolle von Information und Durchsetzung einer einheitlichen Ideologie.

Das Kapitel stellt zugleich fest: Populismus ist nicht gleichbedeutend mit Totalitarismus.

Untersucht werden mögliche Anschlussstellen zwischen populistischen Kommunikationsmustern und Prozessen, in denen politische Perspektiven verengt, Kritik delegitimiert oder institutionelle Korrektive geschwächt werden.

Keine automatische Entwicklung: Aus populistischer Kommunikation folgt nicht automatisch eine totalitäre Herrschaftsform. Die Wissensseite verwendet die Begriffe deshalb nicht als austauschbare Etiketten.

Totalitarismus und Autoritarismus ebenfalls trennen

Auch Totalitarismus und Autoritarismus sollten nicht ohne weitere Begriffsbestimmung gleichgesetzt werden.

Unterschiedliche politikwissenschaftliche Theorien ziehen die Grenzen unterschiedlich. Arendts Ansatz beschreibt Totalitarismus als einen besonders weitreichenden Herrschaftsanspruch.

Für diese Wissensseite gilt daher die methodische Regel: Erst Definition und konkrete Merkmale prüfen, dann einen Begriff anwenden.

Terrorismus: ein besonders umstrittener Begriff

Kapitel 15 verwendet eine Arbeitsdefinition, nach der Terrorismus die gezielte Anwendung oder Androhung von Gewalt bezeichnet, mit der politische, ideologische oder religiöse Ziele verfolgt werden und zugleich psychologische Wirkung auf eine größere Öffentlichkeit erzeugt werden soll.

Für eine fachliche Einordnung ist jedoch eine zusätzliche Einschränkung notwendig: Es existiert international keine universell vereinbarte allgemeine Rechtsdefinition des Terrorismus.

Internationale Rechts- und Begriffsquelle United Nations Office on Drugs and Crime: Lehrmaterial zur Definition von Terrorismus und zu den Folgen des Fehlens einer universell vereinbarten Definition.

UNODC: Defining Terrorism

UNODC weist darauf hin, dass unterschiedliche internationale, regionale und nationale Instrumente verschiedene definitorische Ansätze verwenden.

Deshalb sollte bei konkreten rechtlichen Fragen immer geprüft werden, welche Rechtsordnung und welche Norm zugrunde gelegt wird.

Eine Arbeitsdefinition ist keine universelle Rechtsdefinition

Die Definition in Kapitel 15 erfüllt eine analytische Funktion innerhalb des Buches.

Sie soll verständlich machen, warum terroristische Gewalt nicht nur unmittelbare physische Folgen, sondern auch kommunikative und psychologische Wirkungen haben kann.

Sie sollte jedoch nicht als Behauptung dargestellt werden, diese Formulierung sei die weltweit verbindliche Rechtsdefinition des Terrorismus.

Was Kapitel 15 unter Instrumentalisierung untersucht

Kapitel 15 betrachtet nicht nur terroristische Gewalt selbst, sondern deren öffentliche Wahrnehmung und politische Verarbeitung.

Das Kapitel untersucht insbesondere:

Prüfregel: Dass ein politischer Akteur auf ein terroristisches Ereignis reagiert, ist für sich genommen keine Instrumentalisierung. Zu prüfen ist die konkrete Argumentation: Welche Tatsachen werden verwendet, welche Schlussfolgerungen gezogen und welche Alternativen ausgeblendet?

Terrorismus und Populismus nicht gleichsetzen

Terrorismus und Populismus sind begrifflich unterschiedliche Phänomene.

Das Buch behandelt in Kapitel 15 die mögliche populistische Instrumentalisierung des Themas Terrorismus. Das bedeutet nicht, Terrorismus sei selbst eine Form von Populismus.

Ebenso lässt sich aus einem populistischen Kommunikationsmuster nicht ableiten, dass terroristisches Handeln vorliegt.

Die wichtigsten Unterschiede auf einen Blick

Frage Nationalismus Totalitarismus Terrorismus
Worum geht es primär? Nation, Identität, politische Zugehörigkeit und Selbstbestimmung Struktur und Reichweite politischer Herrschaft Gewaltbezogene Handlungen, Strategien und Wirkungsabsichten
Ist der Begriff eindeutig definiert? Nein, verschiedene Ansätze und Ausprägungen Nein, verschiedene politikwissenschaftliche Modelle Nein, keine universell vereinbarte allgemeine UN-Rechtsdefinition
Ist er mit Populismus identisch? Nein Nein Nein
Was untersucht das Buch? mögliche Instrumentalisierung nationaler Identität mögliche Überschneidungen von Kommunikations- und Herrschaftsdynamiken mögliche kommunikative und politische Instrumentalisierung terroristischer Ereignisse

Gemeinsame Kommunikationsmuster bedeuten keine Gleichheit

In den drei Buchkapiteln tauchen teilweise ähnliche Mechanismen auf: Vereinfachung, Emotionalisierung, Gruppenbildung und klare Schuldzuschreibungen.

Daraus darf jedoch nicht geschlossen werden, Nationalismus, Totalitarismus und Terrorismus seien verschiedene Bezeichnungen für dasselbe Phänomen.

Ein Kommunikationsmechanismus und ein politischer Gegenstand sind zwei unterschiedliche Analyseebenen.

Hannah Arendt als Buchquelle richtig einordnen

Abschnitt 23.10 der veröffentlichten Fassung des E-Books nennt Hannah Arendts Analyse von Antisemitismus, Imperialismus und Totalitarismus als zentrale Grundlage für das Verständnis totaler Herrschaft und politischer Radikalisierung.

Arendt ist damit insbesondere eine Quelle für den Totalitarismuskomplex des Buches.

Sie ist nicht die Quelle der Arbeitsdefinition des Nationalismus oder einer universellen Terrorismusdefinition.

Weitere Literaturbasis des Buches

Buchliteratur Simon Adams u. a.: Kernfragen Politik, 2020.

Buchliteratur Paul Kelly u. a.: Politik einfach verstehen: Regierungssysteme, politische Ideen und Theorien, 2020.

Totalitarismus Hannah Arendt: Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft.

Die Werke übernehmen unterschiedliche Funktionen und werden nicht als austauschbare Quellen für alle drei Begriffe behandelt.

Zehn Fragen für die eigene Prüfung

  1. Begriff: Welcher der drei Begriffe wird tatsächlich verwendet?
  2. Definition: Welche konkrete Definition liegt zugrunde?
  3. Ebene: Geht es um Identität, Herrschaft oder gewaltbezogenes Handeln?
  4. Beleg: Welche konkreten Tatsachen tragen die Einordnung?
  5. Abgrenzung: Welche benachbarten Begriffe werden möglicherweise vermischt?
  6. Generalisierung: Wird von einzelnen Personen auf größere Gruppen geschlossen?
  7. Emotion: Welche Rolle spielen Angst, Empörung oder Zugehörigkeit?
  8. Kausalität: Sind behauptete Ursachen tatsächlich belegt?
  9. Instrumentalisierung: Wird ein Phänomen beschrieben oder für eine weitergehende Forderung genutzt?
  10. Alternative Erklärung: Welche andere sachliche Einordnung wäre mit denselben Tatsachen vereinbar?

Neutralität bei politischen Begriffen

Begriffe wie Nationalismus, Totalitarismus und Terrorismus können erhebliche politische und rechtliche Bedeutung haben.

Eine fachliche Einordnung sollte deshalb nicht allein auf rhetorischer Ähnlichkeit, Zustimmung oder Ablehnung beruhen.

Erforderlich sind eine offengelegte Definition, konkrete Tatsachen und eine nachvollziehbare Zuordnung der Merkmale.

Neutralitätsregel: Diese Wissensseite klassifiziert keine aktuelle Partei, Regierung, politische Bewegung, Amtsträger oder Wählergruppe als nationalistisch, totalitär oder terroristisch. Sie erklärt Begriffe und Prüfkriterien.

Quellen und Literatur zu dieser Wissensseite

Buchbezug Mathias Ellmann: Populismus entlarven , insbesondere Kapitel 13 bis 15 sowie Abschnitt 23.7 und 23.10 der veröffentlichten Fassung des E-Books.

Nationalismus Stanford Encyclopedia of Philosophy: Nationalism .

Totalitarismus Hannah Arendt: Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft, Originalausgabe 1951.

Stanford Encyclopedia of Philosophy: Hannah Arendt

Terrorismusbegriff United Nations Office on Drugs and Crime: Defining Terrorism .

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Als Nächstes: monistische und pluralistische Perspektiven

Die nächste Wissensseite schließt den dritten Themenbereich ab. Sie untersucht, was das Buch unter monistischen und pluralistischen Perspektiven versteht und warum Pluralismus nicht bedeutet, alle Aussagen als gleich gut begründet anzusehen.

Begriffe und Perspektiven: Unterschiedliche politische Deutungen müssen weder vorschnell gleichgesetzt noch ungeprüft akzeptiert werden. Die methodische Einordnung erläutert „Monistische und pluralistische Perspektiven“ .
Porträt von Mathias Ellmann

Über den Autor

Mathias Ellmann

Ing. Mathias Ellmann, M. Sc. arbeitet freiberuflich als IT-Sachverständiger, KI-Berater, Trainer, Autor und Dozent. Seine Arbeit verbindet technische, didaktische, ethische, unternehmerische und gesellschaftliche Fragestellungen.

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