Mathias Ellmann > Wissen > Mündiger Bürger > Führung durch Kontrolle oder Überzeugung?

Gesellschaft und Institutionen

Führung durch Kontrolle oder Überzeugung?

Führung kann Verhalten durch Vorgaben und Kontrolle steuern oder stärker darauf setzen, Ziele verständlich zu machen, Perspektiven einzubeziehen und Verantwortung zu ermöglichen. Das Buch stellt beide Logiken idealtypisch gegenüber.

Stand: 18. September 2026 · Mathias Ellmann

Kurzantwort:

Kapitel 13 unterscheidet Führung durch Kontrolle und Führung durch Überzeugung.

Kontrolle arbeitet innerhalb dieses Buchmodells stärker mit Anweisung, Überwachung und begrenzten Entscheidungsspielräumen.

Führung durch Überzeugung arbeitet stärker mit transparenten Zielen, nachvollziehbaren Begründungen, der Einbindung von Perspektiven und der Übernahme eigener Verantwortung.

Diese Gegenüberstellung ist eine analytische und normative Systematik des Buches. Sie wird nicht als vollständige empirische Theorie sämtlicher Führungsformen ausgegeben.

Die Grundfrage von Führung im Buch

Kapitel 13 überträgt die zuvor entwickelten Ordnungsmodelle auf Organisationen.

Die Leitfrage lautet: Wird Verhalten hauptsächlich durch Kontrolle gesteuert oder durch Überzeugung getragen?

Methodische Einordnung: Diese Gegenüberstellung ist eine idealtypische Strukturierung des Buches. Reale Organisationen können Elemente beider Modelle gleichzeitig enthalten.

Organisation als soziales System

Kapitel 13.2 betrachtet Organisationen nicht nur als technische Strukturen, sondern als Systeme aus Menschen.

Das Buch hebt dabei drei Anforderungen hervor:

Daraus entwickelt das Kapitel die These, dass reine Anweisung für langfristige organisationale Stabilität nicht ausreiche.

Führung durch Kontrolle

Kapitel 13.3.1 beschreibt dieses Modell insbesondere durch:

Als kurzfristige Wirkungen nennt das Buch:

Als mögliche langfristige Folgen werden dagegen genannt:

Buchthese: Diese Wirkungszusammenhänge werden hier als Argumentation des Buches wiedergegeben. Sie werden nicht als ausnahmslos gültiges Gesetz jeder Organisation dargestellt.

Führung durch Überzeugung

Kapitel 13.3.2 beschreibt das zweite Modell durch:

Innerhalb des Buchmodells werden damit verbunden:

Direkter Vergleich

Führung durch Kontrolle Führung durch Überzeugung
Anweisung Begründung
enge Überwachung nachvollziehbare Ziele
geringer Entscheidungsspielraum Einbindung von Perspektiven
stärkere äußere Steuerung stärkere Eigenverantwortung
schnelle Umsetzung als Stärke Identifikation und Verantwortung als Ziel

Diese Gegenüberstellung ist eng mit der grundlegenden Seite zu den beiden Ordnungsmodellen verbunden: „Zwang und Gehorsam vs. Überzeugung und Verantwortung“ .

Das Fünf-Stufen-Modell in der Führung

Kapitel 13.4 überträgt das im Buch verwendete Fünf-Stufen-Modell auf Führung.

Stufe Anwendung in Kapitel 13
Motivation Mitarbeitende sollen erkennen können, warum eine Aufgabe relevant ist und welchen Beitrag sie leisten.
Ziel Es soll klar sein, was erreicht werden soll und welche Prioritäten gelten.
Spontanverarbeitung Zustimmung, Skepsis und Widerstand werden als Reaktionen wahrgenommen.
Logische Verarbeitung Entscheidungen, Ziele und Maßnahmen werden auf Sinn, Erreichbarkeit und Begründbarkeit geprüft.
Abschluss Am Ende können Zustimmung und Engagement oder lediglich formale Ausführung stehen.

Modellquelle Werner Correll: Motivation und Überzeugung in Führung und Verkauf. Redline Wirtschaft, Heidelberg, 2006.

Übertragung auf Führung Mathias Ellmann: Mündiger Bürger statt unmündiger Untertan, Kapitel 13.4.

Wichtig: Die Grundstruktur M–Z–SV–LV–A wird Werner Correll zugeschrieben. Die beiden Führungsmodelle und die konkrete gesellschaftliche beziehungsweise organisationale Einbettung werden hier als Systematik des Buches behandelt.

Motivation und Zielklarheit in Führung

Kapitel 13.4.1 und 13.4.2 greifen unmittelbar die ersten beiden Modellstufen auf.

Motivation und Zielklarheit werden ausführlicher behandelt auf: „Motivation und Zielklarheit“ .

Vertrauen als Ressource im Buch

Kapitel 13.5 bezeichnet Vertrauen als zentrale Ressource einer Führung durch Überzeugung.

Innerhalb des Buchmodells soll Vertrauen insbesondere durch drei Faktoren unterstützt werden:

Buch-Einordnung: Diese drei Punkte geben die Darstellung von Kapitel 13.5 wieder. Sie werden hier nicht als vollständige wissenschaftliche Theorie organisationalen Vertrauens ausgegeben.

Typische Fehlentwicklungen

Kapitel 13.6 nennt vier wiederkehrende Probleme:

Fehlentwicklung Folge innerhalb des Buchmodells
unklare Ziele Orientierungslosigkeit, Ineffizienz und Konflikte
fehlende Begründung Misstrauen, Gerüchte und sinkende Akzeptanz
ignorierter Widerstand verdeckte Ablehnung und passives Verhalten
übermäßige Kontrolle Abhängigkeit, Innovationsverlust und steigender Kontrollaufwand

Verantwortung muss ermöglicht werden

Kapitel 13.7 entwickelt einen wichtigen Gedanken: Verantwortung kann nicht lediglich gefordert werden. Sie benötigt Bedingungen, unter denen sie übernommen werden kann.

Das Buch nennt hierfür:

Führung durch Überzeugung ist deshalb im Buch eng mit der Möglichkeit eigenständigen Handelns verbunden.

Macht als Kontrolle oder Ermöglichung

Kapitel 13.8 unterscheidet auch beim Machtbegriff zwei Verwendungsweisen.

Macht als Kontrolle Macht als Ermöglichung
Durchsetzung von Anweisungen Schaffung geeigneter Rahmenbedingungen
Absicherung von Hierarchien Förderung von Selbstständigkeit
Steuerung von Verhalten Unterstützung von Entwicklung
Normative Position des Buches: Kapitel 13 bevorzugt eine Nutzung von Macht, die Verantwortung und Entwicklung ermöglicht. Das ist eine normative Einordnung des Buches, keine neutrale Definition des Begriffs Macht.

Organisationale Stabilität

Kapitel 13.9 verbindet langfristige Stabilität innerhalb des Modells insbesondere mit:

Kapitel 13.10 fasst den Gedanken so zusammen, dass Organisationen zwar Strukturen benötigen, nachhaltige Wirkung im Buchmodell aber zusätzlich Überzeugung und Verantwortung voraussetzt.

Ein praktischer Führungscheck

  1. Ziel: Ist klar, was erreicht werden soll?
  2. Begründung: Ist nachvollziehbar, warum eine Entscheidung getroffen wurde?
  3. Motivation: Ist die Bedeutung der Aufgabe erkennbar?
  4. Reaktionen: Werden Skepsis und Widerstand als Information wahrgenommen?
  5. Prüfung: Können Mitarbeitende Gründe und Auswirkungen hinterfragen?
  6. Entscheidungsspielraum: Ist eigenständiges Handeln möglich?
  7. Verantwortung: Kann Verantwortung tatsächlich übernommen werden?
  8. Vertrauen: Sind Aussagen und Handlungen konsistent?
  9. Macht: Wird Macht primär zur Kontrolle oder zur Ermöglichung eingesetzt?

Was man nicht miteinander gleichsetzen sollte

Zu ungenau Präzisere Aussage
„Kontrolle ist immer schlechte Führung.“ Das Buch erkennt kurzfristige Vorteile klarer Steuerung und schneller Umsetzung an. Es problematisiert vor allem eine dauerhaft dominierende Kontrolllogik.
„Führung durch Überzeugung bedeutet, dass Führungskräfte nichts mehr entscheiden.“ Das Modell setzt weiterhin Ziele, Entscheidungen und Verantwortung voraus, betont aber deren Begründung und Nachvollziehbarkeit.
„Werner Correll hat die beiden Führungsmodelle entwickelt.“ Correll ist die Modellquelle für M–Z–SV–LV–A. Die beiden Führungsmodelle werden hier als Systematik des Buches behandelt.
„Vertrauen ersetzt jede Kontrolle.“ Das Buch stellt Vertrauen als zentrale Ressource dar, behauptet aber nicht, dass Organisationen ohne Strukturen oder Kontrolle auskommen.

Quellen zu dieser Wissensseite

Buchmodell / eigene Einordnung Mathias Ellmann: Mündiger Bürger statt unmündiger Untertan , insbesondere Kapitel 13.

Modellquelle Werner Correll: Motivation und Überzeugung in Führung und Verkauf. Redline Wirtschaft, Heidelberg, 2006.

Ergänzende Fachliteratur Stephen R. Covey: Die 7 Wege zur Effektivität. Gabal, Offenbach, 2018. Im Literaturteil des Buches insbesondere als ergänzende Perspektive auf Proaktivität und verantwortliche Selbstführung eingeordnet.

Quellen und redaktionellen Maßstab ansehen

Porträt von Mathias Ellmann

Über den Autor

Mathias Ellmann

Ing. Mathias Ellmann, M. Sc. arbeitet freiberuflich als IT-Sachverständiger, KI-Berater, Trainer, Autor und Dozent.

Profil und weitere Veröffentlichungen von Mathias Ellmann