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Handeln und Verantwortung

PrOACT: strukturiert entscheiden unter Einfluss

PrOACT zerlegt komplexe Entscheidungen in Problem, Ziele, Alternativen, Konsequenzen und Trade-offs. Ergänzend werden Unsicherheit, Risikobereitschaft und miteinander verbundene Folgeentscheidungen betrachtet.

Stand: 19. September 2026 · Mathias Ellmann

Kurzantwort:

PrOACT steht für Problem, Objectives beziehungsweise Ziele, Alternatives beziehungsweise Alternativen, Consequences beziehungsweise Konsequenzen und Trade-offs beziehungsweise Abwägungen.

Der Entscheidungsrahmen stammt von John S. Hammond, Ralph L. Keeney und Howard Raiffa. Er stammt nicht von Mathias Ellmann.

Kapitel 16 von „Populismus entlarven“ nutzt den Rahmen für Situationen, in denen Informationen, emotionale Reaktionen oder vorgegebene Deutungen das eigene Urteil beeinflussen können.

PrOACT schreibt keine politische Entscheidung vor. Es strukturiert den Weg zu einem eigenen begründeten Urteil.

PrOACT strukturiert eine Entscheidung

Die Methode soll nicht festlegen, welches Ergebnis gewählt werden muss. Sie macht vielmehr sichtbar, aus welchen Bestandteilen eine schwierige Entscheidung besteht.

Unterschiedliche Menschen können deshalb trotz desselben Entscheidungsrahmens zu verschiedenen Ergebnissen kommen: etwa weil sie andere Ziele gewichten, Folgen unterschiedlich einschätzen oder Risiken verschieden bewerten.

Neutralitätsregel: PrOACT wird auf dieser Wissensseite nicht zur Empfehlung einer politischen Entscheidung verwendet. Der Rahmen unterstützt die Prüfung der eigenen Ziele, Informationen, Alternativen und Abwägungen.
Schreibweise PrOACT / PROACT: Die Originalquelle Smart Choices verwendet für den Entscheidungsansatz die Schreibweise PrOACT: Pr steht für Problem, O für Objectives, A für Alternatives, C für Consequences und T für Trade-offs. Die veröffentlichte Fassung des E-Books „Populismus entlarven“ verwendet dagegen in ihren Kapitel- und Abschnittsbezeichnungen die Schreibweise PROACT. Deshalb verwendet diese Wissensseite PrOACT für die Originalmethode und PROACT nur dort, wo eine Kapitel- oder Abschnittsbezeichnung des veröffentlichten E-Books wörtlich wiedergegeben wird.

Die Modellquelle: Hammond, Keeney und Raiffa

John S. Hammond, Ralph L. Keeney und Howard Raiffa beschreiben in Smart Choices einen systematischen Ansatz für komplexe Entscheidungen.

Ihre Methode zerlegt Entscheidungen in zentrale Elemente, damit Ziele, Alternativen, Konsequenzen und Trade-offs getrennt untersucht werden können.

Entscheidungstheoretische Modellquelle John S. Hammond, Ralph L. Keeney und Howard Raiffa: Smart Choices: A Practical Guide to Making Better Decisions.

Program on Negotiation at Harvard Law School: Smart Choices

Harvard Business Review: The Hidden Traps in Decision Making

Quellenpräzision: Hammond, Keeney und Raiffa sind die Entscheidungstheoretiker hinter dem PrOACT-Rahmen. Die Anwendung auf politische und gesellschaftliche Beeinflussung ist die Übertragung im Buch.

Die fünf Kernschritte von PrOACT

Schritt Bedeutung Leitfrage
Pr Problem Welche Entscheidung muss tatsächlich getroffen werden?
O Objectives / Ziele Was soll mit der Entscheidung erreicht werden?
A Alternatives / Alternativen Welche realistischen Handlungsmöglichkeiten bestehen?
C Consequences / Konsequenzen Welche Folgen haben die jeweiligen Alternativen?
T Trade-offs / Abwägungen Welche Ziele stehen miteinander in Konflikt?

Pr – Problem präzise definieren

Bereits die Problemformulierung beeinflusst den weiteren Entscheidungsweg.

Deshalb sollte zunächst geklärt werden: Welche Entscheidung liegt tatsächlich vor? Welche Tatsachen sind bekannt? Welche Teile der Darstellung sind bereits Interpretationen?

O – Objectives: Ziele klären

Eine Entscheidung lässt sich nur bewerten, wenn ihre Ziele sichtbar sind.

Mehrere Ziele können gleichzeitig relevant sein, beispielsweise Sicherheit, Freiheit, Kosten, Fairness oder langfristige Stabilität.

Die Gewichtung dieser Ziele ist nicht durch PrOACT politisch vorgegeben.

A – Alternatives: Alternativen entwickeln

Wer nur eine Handlungsoption betrachtet, kann kaum zwischen Alternativen abwägen.

Deshalb gehört die aktive Entwicklung zusätzlicher Möglichkeiten zum Kern des Entscheidungsprozesses.

Prüffrage: Ist eine Option wirklich alternativlos, oder wurden mögliche Alternativen bisher lediglich nicht entwickelt?

C – Consequences: Konsequenzen abwägen

Die möglichen Folgen jeder Alternative sollten möglichst systematisch sichtbar gemacht werden.

Dabei sind unmittelbare und langfristige Folgen, betroffene Personen sowie Unsicherheiten zu berücksichtigen.

T – Trade-offs: Zielkonflikte prüfen

Bei schwierigen Entscheidungen lassen sich häufig nicht alle Ziele gleichzeitig vollständig erreichen.

Trade-offs machen sichtbar, welcher Vorteil mit welchem Nachteil oder Verzicht verbunden ist.

Zielkonflikte sollen damit nicht sprachlich beseitigt, sondern ausdrücklich offengelegt werden.

Die erweiterten Entscheidungselemente

Der Ansatz von Hammond, Keeney und Raiffa betrachtet zusätzlich Unsicherheit, Risikotoleranz und miteinander verknüpfte Entscheidungen.

Buchabschnitt Prüfebene Leitfrage
16.6 Unwägbarkeiten Was ist unsicher und welche Entwicklungen sind möglich?
16.7 Risikobereitschaft Welche Risiken sind akzeptabel?
16.8 Vorausschauende Entscheidungen Wie beeinflusst die heutige Entscheidung spätere Handlungsmöglichkeiten?

Unsicherheit ausdrücklich benennen

Nicht alle Konsequenzen lassen sich sicher prognostizieren.

Eine strukturierte Entscheidung sollte deshalb kenntlich machen, welche Aussagen gut belegt sind, welche auf Annahmen beruhen und welche Entwicklungen unsicher bleiben.

Risikobereitschaft ist eine eigene Dimension

Menschen können dieselben möglichen Folgen ähnlich einschätzen und dennoch verschieden entscheiden, weil sie Risiken unterschiedlich gewichten.

Deshalb gehört die eigene Risikobereitschaft ausdrücklich zur Entscheidungsanalyse.

Folgeentscheidungen mitdenken

Manche Entscheidungen schaffen spätere Möglichkeiten, andere schließen Optionen aus.

Eine vorausschauende Analyse fragt deshalb, wie eine heutige Entscheidung spätere Entscheidungen beeinflusst.

Anwendung unter kommunikativem Einfluss

Kapitel 16 des Buches verwendet PrOACT, um bereits vorstrukturierte Entscheidungsfragen wieder zu öffnen.

Statt unmittelbar auf eine vorgelegte Deutung zu reagieren, können Problem, Ziele, Alternativen, Folgen und Zielkonflikte neu geprüft werden.

PrOACT ist dabei kein Test, der automatisch feststellt, ob eine Aussage populistisch, manipulativ, richtig oder falsch ist.

Robert Levine: Kontext zu Überzeugung und Manipulation

Das Literaturverzeichnis des Buches nennt Robert Levine ergänzend für die psychologische Betrachtung von Überzeugung und Manipulation.

Levine ist nicht der Ursprung des PrOACT-Entscheidungsrahmens.

Psychologischer Kontext Robert Levine: The Power of Persuasion: How We're Bought and Sold.

Google Books: The Power of Persuasion

Quellenebenen auseinanderhalten

Quelle Funktion
Hammond / Keeney / Raiffa Entscheidungstheoretische Grundlage des PrOACT-Rahmens.
Robert Levine Ergänzender psychologischer Kontext zu Beeinflussung und Manipulation.
Mathias Ellmann Übertragung und Aufbereitung für Entscheidungen unter kommunikativem Einfluss.

PrOACT prüft den Entscheidungsprozess

Ein strukturierter Prozess garantiert nicht, dass jede Entscheidung später unter allen Umständen richtig sein wird.

Informationen können unvollständig sein, Prognosen können sich ändern und Ziele können unterschiedlich gewichtet werden.

Der Nutzen des Verfahrens liegt darin, diese Bestandteile sichtbar und damit überprüfbar zu machen.

Acht Schritte für eine kompakte Prüfung

  1. Problem: Welche Entscheidung liegt tatsächlich vor?
  2. Ziele: Was soll erreicht oder geschützt werden?
  3. Alternativen: Welche realistischen Möglichkeiten bestehen?
  4. Konsequenzen: Welche Folgen haben die Alternativen?
  5. Trade-offs: Welche Ziele stehen miteinander in Konflikt?
  6. Unsicherheit: Welche Entwicklungen sind nicht sicher vorhersehbar?
  7. Risiko: Welche Risiken sind mit den Optionen verbunden?
  8. Folgeentscheidungen: Welche späteren Möglichkeiten werden eröffnet oder eingeschränkt?

Abschnitt 23.3 und 23.4

Abschnitt 23.3 der veröffentlichten Fassung des E-Books enthält die PROACT-Kurzübersicht.

Abschnitt 23.4 ergänzt erweiterte Prüffragen zu Unsicherheit, Risiken und langfristigen Folgen.

Die Checklisten sind Orientierungshilfen. Sie ersetzen bei komplexen Entscheidungen keine ausführliche Informationsbeschaffung oder fachliche Analyse.

Quellen und Literatur zu dieser Wissensseite

Buchbezug Mathias Ellmann: Populismus entlarven , insbesondere Kapitel 16 sowie Abschnitt 23.3, 23.4 und 23.11 der veröffentlichten Fassung des E-Books.

Entscheidungstheoretische Modellquelle John S. Hammond, Ralph L. Keeney und Howard Raiffa: Smart Choices: A Practical Guide to Making Better Decisions .

Entscheidungsfehler Hammond, Keeney und Raiffa: The Hidden Traps in Decision Making . Harvard Business Review.

Beeinflussung Robert Levine: The Power of Persuasion .

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Als Nächstes: argumentieren ohne Eskalation

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Über den Autor

Mathias Ellmann

Ing. Mathias Ellmann, M. Sc. arbeitet freiberuflich als IT-Sachverständiger, KI-Berater, Trainer, Autor und Dozent. Seine Arbeit verbindet technische, didaktische, ethische, unternehmerische und gesellschaftliche Fragestellungen.

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