Kurzantwort:
Kapitel 16 von „Mündiger Bürger statt unmündiger Untertan“ beschreibt gerechte Selbstbehauptung als konkrete Praxis von Mündigkeit.
Die methodische Grundlage wurde bereits im Buch „Die Kunst der gerechten Selbstbehauptung“ entwickelt. Dort stehen Kommunikation, Grenzen, Respekt, Verantwortung und die Abgrenzung von Dominanz, Manipulation und Rückzug im Mittelpunkt.
Beide Werke erfüllen damit unterschiedliche Aufgaben: Das frühere Buch entwickelt die individuelle Praxis; das Mündigkeitsbuch überträgt diese Praxis auf gesellschaftliche Ordnung und Verantwortung.
Warum gerechte Selbstbehauptung zur Mündigkeit gehört
Kapitel 16 des Mündigkeitsbuches beschreibt gerechte Selbstbehauptung als praktische Umsetzung des zuvor entwickelten Mündigkeitsbegriffs.
Drei Elemente stehen dabei besonders im Mittelpunkt:
- Klarheit über eigene Bedürfnisse und Grenzen,
- Respekt gegenüber anderen,
- Verantwortung für das eigene Handeln.
Mündigkeit bleibt damit nicht bei der inneren Urteilsbildung stehen. Sie zeigt sich darin, wie ein Mensch seine Entscheidung nach außen vertritt.
Drei Kommunikationsebenen
„Die Kunst der gerechten Selbstbehauptung“ unterscheidet drei Ebenen, auf denen Selbstbehauptung kommuniziert wird.
| Ebene | Worum geht es? |
|---|---|
| Verbal | Wortwahl, Klarheit und Formulierung des eigenen Anliegens. |
| Paraverbal | Tonfall, Lautstärke, Sprechgeschwindigkeit und Betonung. |
| Nonverbal | Haltung, Gestik, Mimik und Blickkontakt. |
Die drei Säulen im Ausgangsbuch
Kapitel 2.2 des Selbstbehauptungsbuches benennt drei Säulen:
- Respekt vor Würde, Autonomie und Rechten anderer,
- Verantwortung für eigenes Handeln und dessen Folgen,
- Gerechtigkeit als faire Berücksichtigung der Beteiligten.
Diese drei Säulen werden im Mündigkeitsbuch nicht einfach wiederholt, sondern in einen größeren gesellschaftlichen Zusammenhang gestellt.
Abgrenzung von Dominanz, Manipulation und Flucht
| Verhaltensweise | Abgrenzung im Buchmodell |
|---|---|
| Dominanz | Eigene Ziele werden auf Kosten der Autonomie oder Perspektive des Gegenübers durchgesetzt. |
| Manipulation | Einfluss wird verdeckt, durch Täuschung, Druck oder emotionale Steuerung ausgeübt. |
| Flucht | Eigene Anliegen oder Grenzen werden nicht vertreten. |
| Gerechte Selbstbehauptung | Das eigene Anliegen wird klar vertreten, ohne die Rechte und Würde anderer zu missachten. |
Was macht Selbstbehauptung innerhalb des Modells gerecht?
Kapitel 4 des Ausgangsbuches ordnet dafür insbesondere drei Faktoren ein:
- Intention,
- Respekt,
- Werteorientierung.
Entscheidend ist damit nicht nur das sichtbare Verhalten, sondern auch die Zielrichtung der Einflussnahme.
Gerechte Selbstbehauptung im Fünf-Stufen-Modell
Kapitel 16.4 des Mündigkeitsbuches überträgt das dort verwendete Fünf-Stufen-Modell auf die konkrete Selbstbehauptung.
| Stufe | Anwendung |
|---|---|
| Motivation | Warum ist mein Anliegen wichtig? |
| Ziel | Was möchte ich erreichen oder welche Grenze setze ich? |
| Spontanverarbeitung | Welche Emotionen, Unsicherheiten und Reaktionen nehme ich wahr? |
| Logische Verarbeitung | Ist mein Anliegen begründbar und wie kann ich es fair vertreten? |
| Abschluss | Welche Position vertrete ich und welche Folgen übernehme ich? |
Modellquelle Werner Correll: Motivation und Überzeugung in Führung und Verkauf. Redline Wirtschaft, Heidelberg, 2006.
Übertragung Mathias Ellmann: Mündiger Bürger statt unmündiger Untertan, Kapitel 16.4.
Wichtig: Die gerechte Selbstbehauptung selbst wird damit nicht Werner Correll zugeschrieben. Correll ist hier die Modellquelle für M–Z–SV–LV–A.
Ein praktischer Selbstcheck
- Was ist mein eigentliches Anliegen?
- Welche Grenze möchte ich deutlich machen?
- Formuliere ich klar oder erzeuge ich bewusst Druck?
- Ist mein Tonfall mit meiner sachlichen Aussage vereinbar?
- Respektiere ich die Entscheidungsfreiheit des Gegenübers?
- Berücksichtige ich die Folgen meiner Aussage?
- Bin ich bereit, meine eigene Position ebenfalls zu prüfen?
- Setze ich eine Grenze oder versuche ich, den anderen zu kontrollieren?
Quellen zu dieser Wissensseite
Unmittelbarer Buchbezug Mathias Ellmann: Mündiger Bürger statt unmündiger Untertan , insbesondere Kapitel 16.
Methodischer Ausgangspunkt Mathias Ellmann: Die Kunst der gerechten Selbstbehauptung , insbesondere Kapitel 1 bis 4.
Modellquelle Werner Correll: Motivation und Überzeugung in Führung und Verkauf, 2006 – ausschließlich für die Grundstruktur des Fünf-Stufen-Modells.